So erlebt ein Luzerner Coiffeur den Lockdown in Sydney
  • Gesellschaft
Immerhin ans Meer darf man. Der Luzerner Auswanderer Thomas Fuchs in der Nähe von Sydney, Australien.

Pandemie Down Under So erlebt ein Luzerner Coiffeur den Lockdown in Sydney

4 min Lesezeit 2 Kommentare 18.09.2021, 12:00 Uhr

Während in der Schweiz über Covid-Zertifikate und Selbsttests gestritten wird, trudeln andere Orte von einer Massenquarantäne in die nächste. Der Luzerner Thomas Fuchs wanderte 2018 nach Australien aus. Nun sitzt der Coiffeur seit Monaten im Lockdown.

Australien hatte das Coronavirus lange Zeit gut im Griff. Dank geschlossenen Grenzen und schnell eingeführten Massnahmen konnte sich die Pandemie im vergangenen Jahr in Down Under nur vergleichsweise wenig ausbreiten. Rund 1100 Todesfälle im Land mit 25 Millionen Einwohnern sprechen für sich.

Die Bevölkerung genoss lange viele Freiheiten. Auch in Sydney, der grössten Stadt des Landes, ging das Leben munter weiter – bis im Juni 2021 das Virus wieder ausbrach. Nun befinden sich die mehr als fünf Millionen Einwohner der Stadt seit bald drei Monaten in einem Lockdown. Das erlebt auch der Luzerner Thomas Fuchs hautnah mit.

Leben in einer «Geisterstadt»

Thomas Fuchs ist 60-jährig und wanderte 2018 von Schenkon in die australische Metropole aus. Man komme sich vor wie in einer «Geisterstadt», erzählt er gegenüber zentralplus. «Auf den Strassen herrscht auch nach gut drei Monaten Lockdown nur wenig Bewegung.» Die Australier würden sich, mit Ausnahme von ein paar Demonstrationen, sehr gut an die Regeln halten.

Der gebürtige Stadtluzerner betreibt mit seinen erwachsenen Kindern Alex und Rebecca in Sydney einen Coiffeursalon. Es ist die sechste Filiale des Familienunternehmens Fuchs Hairteam, das er zusammen mit seinen in der Schweiz lebenden Geschwistern in dritter Generation führt.

«Es hat sich bezahlt gemacht, dass wir über Jahre hinweg nicht überschwänglich gelebt haben.»

Thomas Fuchs, Coiffeur in Sydney

Die anderen fünf Standorte befinden sich in Luzern, Kriens, Sursee, Küssnacht und Stans. Seit Beginn des neuen Lockdowns in Sydney ist sein Salon geschlossen. Die Familie Fuchs wie auch das Unternehmen lassen sich davon aber nicht unterkriegen, wie Thomas Fuchs versichert: «Es hat sich bezahlt gemacht, dass wir über Jahre hinweg nicht überschwänglich gelebt haben. Wir sind ein gesundes Unternehmen und haben viel Rückendeckung aus der Schweiz.» Die elf Mitarbeiter in Sydney hat er deswegen auch nicht entlassen müssen.

Online Didgeridoo-Kurs

Der Auslandschweizer liess sich kreative Ideen einfallen, um die Kunden bei Stange zu halten. Der Salon bietet neu etwa einen Onlineshop an, zudem schickt er Kunden Anleitungen zum Haarefärben. «Das kommt extrem gut an», erklärt er.

«Wir Coiffeure sind zappelige Leute und sprechen viel. Jetzt sind wir eingeschlossen.»

Aber natürlich sei der Alltag nicht immer einfach: «Wir Coiffeure sind zappelige Leute und sprechen viel. Jetzt sind wir eingeschlossen.» Damit ihm zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fällt, geht er mit seiner Frau Carol, die aus Südafrika stammt, oft spazieren. «Zudem leben wir in der Nähe eines Strands. Ich gehe jeden Tag schwimmen.»

Beruflich bildet er sich derzeit mittels Onlinekurs weiter. Auch privat geht er auf Entdeckungsreise, soweit es von zu Hause aus eben geht: «Ich wollte schon immer mal Didgeridoo spielen.» Nun hat er sich für einen Kurs eingeschrieben, um dereinst das bekannte Blasinstrument der australischen Ureinwohner zu beherrschen.

Auswanderung nicht bereut

Thomas Fuchs wuchs in Luzern auf, wo er auch heute noch in der Zunft zu Safran aktiv ist. Nach Australien zog es die Familie Fuchs, weil Thomas «nochmal etwas Neues erleben wollte», wie er ausführt. Den Schritt habe er noch keine Sekunde bereut. «Uns gefällt es super hier in Sydney.» Zwei seiner drei erwachsenen Kinder leben in Sydney, ein Sohn blieb in Luzern.

«Cervelat, Hartkäse und ein richtiges Mutschli sind ein Muss.»

In normalen Zeiten reist Thomas Fuchs ein- bis zweimal in die Schweiz. Zum Programm gehört dann jeweils neben Familienbesuchen auch die Zunft zu Safran in Luzern. Zudem geniesst er Schweizer Kost. «Cervelat, Hartkäse und ein richtiges Mutschli sind ein Muss.» Auf der Reise zurück nach Australien gehören danach immer «mehrere Tuben Thomy-Mayonnaise, eine Zigarre und ein richtiger Kirsch» in den Koffer, sagt er mit einem Lachen. 

Hoffnungen auf Grossansturm

Auf solche Reisen muss vorerst verzichtet werden. In Sydney herrscht derzeit die Regel, dass man sich nicht mehr als fünf Kilometer vom eigenen Zuhause entfernen darf. Das Haus darf man nur aus wenigen Gründen verlassen. Etwa, um einkaufen zu gehen oder für einen Arztbesuch. Selbstredend sind damit auch kleinere Reisen unmöglich geworden. «Das ist extrem schade, weil wir eine Fahrt zum Uluru ins Zentrum Australiens geplant hatten», führt Fuchs aus. «Das hat uns schon ein bisschen getroffen.»

«Für viele Leute ist der Lockdown hier in Sydney sehr viel schwieriger.»

Der Unternehmer bleibt trotz allem eine Frohnatur. Und er sieht auch, dass er sich in einer vergleichsweise komfortablen Lage befindet. «Für viele Leute ist der Lockdown hier in Sydney sehr viel schwieriger.» Tausende haben ihre Stelle verloren. «Gerade die Gastronomie- und Eventbranche leidet extrem.»

Er hofft, dass die Einschränkungen bald aufgehoben werden. Sobald im Bundesstaat New South Wales, in dem sich Sydney befindet, 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, will die Regierung die Massnahmen herunterfahren. «Im besten Fall können wir unser Geschäft am 1. Oktober wieder öffnen. Und sonst hoffentlich Mitte Oktober», sagt Thomas Fuchs. Er erwartet dann einen regelrechten Ansturm auf seinen Coiffeursalon. «Wir werden bis Weihnachten ausgebucht sein.»

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2 Kommentare
  1. Switzerland,suisse, 18.09.2021, 17:12 Uhr

    [email protected]

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  2. Enrico Ercolani, 18.09.2021, 15:07 Uhr

    Wenn ich das lese, hat unser Bundesrat sehr viel richtig gemacht. Wenn sich jetzt kurzfristig noch viele impfen lassen, wird das FDP Motto, mehr Freiheit weniger Staat, bald erreicht.

    0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 1 👎 Daumen runter

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