SLRG warnt: «Wer jetzt in die Reuss geht, macht einen Fehler»
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Auch wenn Badis derzeit die klügere Alternative zum Reussschwimmen ist, gilt es dennoch einige Regeln zu beachten. (Bild: jal/SLRG)

46 Badetote im vergangenen Jahr SLRG warnt: «Wer jetzt in die Reuss geht, macht einen Fehler»

4 min Lesezeit 11.06.2021, 16:31 Uhr

Die Temperaturen steigen. Es lockt der Sprung ins kühle Nass. Doch wie gefährlich dieser sein kann, zeigt die aktuelle Ertrinkungsstatistik der Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft. Die SLRG warnt vor offenen Gewässern und rät derzeit vom Baden in der Reuss in Luzern ab.

Sommer, Sonne und ein erfrischender Schwumm im kühlen Nass: Bei den stetig steigenden Temperaturen der vergangenen Tage lockt ein Sprung in die Reuss oder den Vierwaldstättersee. Doch die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) warnt davor, unbedarft in offenen Gewässern schwimmen zu gehen.

Für das Jahr 2020 zieht die SLRG in ihrer aktuell veröffentlichten Ertrinkungsstatistik eine traurige Bilanz. Im Laufe des vergangenen Sommers starben 46 Menschen in Schweizer Gewässern. Dabei verunglückten allein 25 Personen in Flüssen bzw. Bächen tödlich. 19 weitere starben in Seen und zwei weitere in einem heimischen Pool bzw. Planschbecken.

Im Schnitt sterben drei Luzerner pro Jahr beim Baden

Insgesamt ertranken im vergangenen Jahr 32 Männer, zehn Frauen und vier Kinder beim Baden. Konkrete Zahlen zu den einzelnen Kantonen nennt die SLRG auf Anfrage nicht. Sie verweist stattdessen auf den mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung zusammen erarbeiteten «Wasser Sicherheits Forum-Report», der eine Zehnjahresschnittstatistik über die Badeunfälle in den Kantonen publiziert.

Die SLRG veröffentlicht alle zehn Jahre eine kantonale Übersicht der ertrunkenen Personen.

Gemäss dieser Auswertung starben im Kanton Luzern zwischen 2010 und 2019 pro Jahr durchschnittlich rund drei Personen. Im Kanton Zug war es gemäss Statistik weniger als eine Person. Die meisten Todesfälle verzeichnet der Kanton Bern mit rund sieben sowie Zürich mit etwa sechs pro Jahr.

Präventionspatrouillen warnen vor den Gefahren im Wasser

Um der traurigen Bilanz entgegenzuwirken, haben verschiedene SLRG-Sektionen bereits im vergangenen Jahr unmittelbar an den Gewässern Präventionspatrouillen gestartet, um die Menschen in Coronazeiten über die Gefahren des Wassers aufzuklären und für den sichern Badespass zu gewinnen. Heuer wird das Projekt zwar fortgeführt, aber je nach Region nicht mehr mit dem gleichen Aufgebot, wie SLRG-Sprecher Philipp Binaghi auf Anfrage erklärt.

«Die Auswirkungen von Corona haben sich in Bezug auf die Wasserunfallprävention normalisiert, wir müssen nicht mehr ganz so präsent sein», sagt Binaghi. Darum überlasse man es den einzelnen Sektionen mit ihren freiwilligen Rettungsschwimmern, ob und mit welchen Kapazitäten sie die Patrouillen weiterführen. In Zug und Luzern setzt man weiterhin auf Präventionsarbeit. So sucht die Luzerner Sektion derzeit via Instagram nach Freiwilligen, die sich für die Aufgabe der Aufklärungsarbeit rund um die Gefahren in offenen Gewässern begeistern können.

SLRG warnt vor den Gefahren der Reuss

Als Hotspot für tödliche Badeunfälle gelten vor allem offene Gewässer – insbesondere Flüsse wie etwa die Reuss. Das bestätigt auch SLRG-Sprecher Binaghi. «Wer jetzt in die Reuss geht, macht einen Fehler», sagt er. Der Fluss sei derzeit dunkel und trüb und habe aufgrund der jüngsten Regenfälle einen hohen Wasserstand. Und je höher der Wasserstand, umso grösser die Gefahr von starker Strömung. Ein oft unterschätzer Gefahrenfaktor. Ebenfalls gerne unterschätzt wird die Wassertemperatur.

Derzeit beträgt diese gemäss Badi-Info rund 17 Grad – nicht ungefährlich. Denn im kaltem Wasser steigt die Gefahr von Unterkühlung und plötzlichen Krämpfen. Aus diesem Grund wurden in der Stadt Luzern bereits im vergangenen Jahr entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen (zentralplus berichtete). So etwa wurden für die Reussschwimmer zusätzliche Ein- und Ausstiege angebracht, um das Risiko von tragischen Badeunfällen zu minimieren. Die Gefahr bleibt aber dennoch.

Badis als sicherere Alternative zum Schwumm im Fluss

«Wir raten den Menschen, sich an sicheren Orten dem Wasserspass zu widmen», wird SLRG-Geschäftsführer Reto Abächerli in der aktuellen Ertrinkungsstatistik zitiert. Wer nicht auf den erfrischenden Schwumm verzichten will, sollte laut SLRG derzeit besser eine Badi aufsuchen.

Um Badeunfälle mit tragischen Ausgang zu vermeiden, rät die SLRG allen Badefreunden, sich mit den Regeln nochmals vertraut zu machen. Diese gelten nicht nur für offene Gewässer wie die Reuss oder den Vierwaldstättersee, sondern ebenso für den heimischen Pool.

«Corona hat uns lange eingeschränkt. Mit dem schönen Wetter haben wir alle noch mehr Lust, nach draussen und ins Wasser zu gehen. In dieser Euphorie sollten wir aber nicht die lebensrettenden Bade- und Flussregeln der SLRG vergessen», sagt Binaghi. Denn der Grossteil der Badeunfälle passiert, weil Regeln nicht eingehalten werden.

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