Skigebiete rund um Zug rüsten sich für schärfere Coronamassnahmen
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Skifahren auf dem Stoos ist wohl auch in diesem Jahr möglich – mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Wintersport trotz Virus Skigebiete rund um Zug rüsten sich für schärfere Coronamassnahmen

5 min Lesezeit 30.11.2020, 20:00 Uhr

Die Skigebiete müssen mit weiteren drastischen Einschränkungen in ihrem Winterbetrieb rechnen. Was für viele Skigebietbetreiber eine grosse Herausforderung darstellt, scheint zwei Zentralschweizer Betreibern einzuleuchten. Es scheint sogar, als seien sie den offiziellen Massnahmen etwas voraus.

Gesundheitsminister Alain Berset hat vergangenen Freitag die Volkswirtschaftsdirektoren der Kantone Graubünden, Uri und Wallis sowie die Seilbahnen Schweiz darüber informiert, dass die momentanen Schutzmassnahmen in den verschiedenen Skigebieten verschärft werden müssten – und zwar radikal, wie die «Sonntags Zeitung» berichtete.

Dass der Skibetrieb weitestgehend eingestellt wird, diese Forderung erklang aus dem Ausland. Aus Frankreich, Deutschland und Italien waren solche Forderungen zu hören. Deutschland wollte gar, dass die Skigebiete in Europa bis am 10. Januar geschlossen bleiben.

Wohlbefinden der Gäste hat oberste Priorität

Der Schweizer Bundesrat scheint nun Folge leisten zu wollen und droht mit Verschärfungen der Coronamassnahmen in Skigebieten: Eine massive Reduktion der Gästeanzahl, Restaurantschliessungen in den Gebieten ab 15 Uhr und die radikale Vermeidung von Menschenansammlungen sind nur einige der potenziell bevorstehenden Massnahmen. Unter Skigebietbetreibern hat dies zunächst für Furore gesorgt. Dennoch zeigt sich nun: Auch wenn die bevorstehende Wintersaison eine Feuerprobe für alle Skigebiete wird, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Gäste hat oberste Priorität.

«Wir drängen unsere Gäste auf jeden Fall längst nicht mehr dazu, sich zu acht in eine Gondel zu quetschen.»

Theo Baumann, Geschäftsführer und Leiter Betrieb, Skigebiet Sattel Hochstuckli

Auf Anfrage bei Theo Baumann, Geschäftsführer und Leiter Betrieb des bei Zugern und Luzernern beliebten Skigebiets Sattel Hochstuckli, wird klar, dass die beschlossenen Massnahmen weit über einen Beschluss des Bundesrats gehen: «Wir haben schon weit vor der offiziellen Maskenpflicht unsere Gäste darum gebeten, eine Maske zu tragen», erklärt er. Zudem werden die Gondeln seit einiger Zeit auch nicht mehr ganz gefüllt, wenn es die Menge an wartenden Gäste zulässt. «Wir drängen unsere Gäste auf jeden Fall längst nicht mehr dazu, sich zu acht in eine Gondel zu quetschen.»

Coronamassnahmen alle Teil des Angebots

Dass bei einem nicht mehr vollständig ausgelasteten Betrieb die wirtschaftlichen Einbussen unter Umständen hoch sind, streitet Baumann keinesfalls ab. Doch die Überlegungen des Geschäftsführers gehen noch einen Schritt weiter: «Es geht darum, den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht zu werden. Unsere Gäste sollen sorglos Skifahren können und sich nicht um die Umsetzung der Massnahmen sorgen.»

Geht es nach ihm, gilt: Wenn das Angebot den Kunden nicht gefällt, dann werden sie es auch nicht wieder kaufen. Und die Massnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, würden nun einmal zum Angebot gehören. «Ich stosse meine Gäste vor den Kopf, wenn ich sie um jeden Preis so effizient wie möglich auf den Berg bringen will», führt Baumann aus.

Lernen, mit der Situation umzugehen

Ganz ähnlich klingt es im Schwyzer Skigebiet Stoos, wo ebenfalls jährlich viele Zuger Gäste die Skipisten runterbrettern. «Die Massnahmen könnten einschneidend sein. Das sind sie aber sowieso. Damit zu leben haben wir mittlerweile gelernt», meint Sandro Widmer, Sales- und Marketingleiter der Stoos-Bahnen. Man lerne, Dinge vorzubereiten, die man anschliessend kurzfristig nicht mehr umsetzen oder von welchen man keinen Gebrauch mehr machen kann.

«Klar sind die potenziellen weiteren Einschränkungen sehr risikoreich, doch für uns ist es selbstverständlich, dass wir mitziehen werden.»

Sandro Widmer, Leiter Sales und Marketing, Stoos Bahnen

«Das ist alles andere als motivierend», erklärt Widmer weiter, «doch würde man sich dauernd darüber Gedanken machen, was noch kommt und was uns noch einschränken könnte, würde man es nicht mehr aushalten.» Für ihn gilt: Wir warten ab und setzen die beschlossenen Massnahmen ohne jede Frage um. «Klar sind die potenziellen weiteren Einschränkungen sehr risikoreich, doch für uns ist es selbstverständlich, dass wir mitziehen werden», führt Widmer aus.

Und auch die Stoos-Bahnen haben bereits einige Massnahmen ergriffen, die den vom Bundesrat angedrohten Verschärfungen etwas vorgreifen: «Unsere Bahnen fahren mittlerweile mit einer viel höheren Frequenz. Das hat zwei grosse Vorteile: Einerseits kommt es an den Stationen zu viel kleineren Warteschlangen und in den Gondeln befinden sich weniger Fahrgäste», sagt Widmer.

«Wir müssen diese Gratwanderung zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit gehen. Ich begrüsse jeden Schritt, der die Gesellschaft in eine stabilere Situation bewegt.»

Theo Baumann, Geschäftsführer und Leiter Betrieb, Skigebiet Sattel Hochstuckli

Kommende Saison wird zur Gratwanderung

Dennoch: die Gedanken zur besorgniserregenden finanziellen Lage bleiben bei beiden Skigebietbetreibern nicht aus. «Ich mache mir sehr viele Gedanken, was die finanzielle Lage unseres Skigebiets angeht», meint Baumann. «Doch es zeigt sich, dass die Kunden genau das wollen: weniger Personen in den Gondeln, in der Schlange und im Restaurant. Dafür sind wir gewappnet.» Auch für ihn ist trotz wirtschaftlicher Herausforderungen klar, dass den allfälligen weiterführenden Massnahmen widerspruchslos Folge geleistet würde. Denn: «Wir müssen diese Gratwanderung zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit gehen. Ich begrüsse jeden Schritt, der die Gesellschaft in eine stabilere Situation bewegt», führt er aus.

Dabei erhofft sich Baumann, dass die Massnahmen des Bundes überlegt und fundiert gefällt werden. «Anschliessend wird Seilbahnen Schweiz ein Branchenkonzept aufstellen, das wir bei uns umsetzen werden. Bereits jetzt sind wir daran, mögliche Umsetzungen zu prüfen.»

In den Zentralschweizer Skigebieten zeichnet sich also ein Trend ab, der von Vorsicht und insbesondere von Einsicht geprägt wird. Auch weil die Betreiber dabei auf jeden Franken achten müssen, scheint für sie die bevorstehende Saison nur mit viel Agilität und Innovation zu bewältigen sein.

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