Isa, garantiert kompliziert Kolumne

Isa, garantiert kompliziert
Single, unbemannt – sucht an Weihnachten vielleicht doch

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Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Illustration: Mike Bislin)
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Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Illustration: Mike Bislin)

Viele bemitleiden Singles – an Weihnachten besonders. Unsere Gesellschafts-Redaktorin Isabelle Dahinden hat wegen Corona vergangene Weihnachten ganz allein verbracht. Die Kurzfassung davon: Es war semi-bezaubernd. Ihre neueste Kolumne.

«Oh Gott! Sie Arme! Weihnachten allein zu Haus. Und dann noch unbemannt.»

Isa, geht auf die 30 zu – allein und unbemannt. Sucht nicht, ist dennoch hier. Hätte sich bestimmt gut in meiner damaligen Tinder-Bio gemacht.

Die alte Frau im Lift, eine Nachbarin aus dem sechsten Stock, krallt mir ihre Finger in meinen Arm. «Es kommen wieder bessere Zeiten, gället Sie. Und der richtige Mann», säuselt sie in mein Ohr. Zum Glück, denk ich mir. Zum Glück. 💔

Weihnachten, das Single-Fest

Weihnachten 2020: Das Familienfest haben wir Corona-bedingt abgeblasen. Zu gross ist die Angst, die Eltern anzustecken. Deswegen haben wir das Ganze vertagt. Logisch war ich darüber traurig. Aber: Ich liess es mir nicht nehmen, dieses Fest der Liebe. Das ich ganz für mich allein zelebrieren wollte.

Ich lieh mir das Raclette-Öfeli meiner Freundin. Ein Gerät für zwei, Raclette-Pfännchen für zwei – ganz für mich allein. Ich hackte geschätzt und gerochen 87 Knoblauchzehen klein. Schmückte meine Wohnung mit Büsi-Girlanden, den Tisch mit Büsi-Servietten, Glitzer und den selbstgebackenen Vulva-Guetzli. Ich erwog ernsthaft, mein Pailetten-Kleid für besondere Anlässe anzuziehen. Entschied mich kurzerhand – in Anbetracht meines Ränzlis und den 14 Pfännchen Käse, die ich mir zu Gemüte führte – dann doch für das Büsi-Pyjama.

Vernünftig ist das neue sexy

Vernünftig ist das neue sexy, dachte ich mir, während ich um 15 Uhr bereits den ersten Korken knallen liess. Schon bald war ich minimal betrunken. Umso mehr freute ich mich über den immer fertig geschmolzenen Käse – quasi 2 für 1. Ich feierte Bridget Jones ab, die Single-Ikone, die über den Bildschirm flimmerte. Regte mich dann minimal darüber auf, dass auch sie scheinbar nur danach strebt, sich mit einem Mann an ihrer Seite komplett zu fühlen. Und ich nahm mir fest vor: Wenn ich an diesem Abend heule, dann nur, weil ich Büsi-los bin.

Ich schrieb in geschwungener Schrift meine Wünsche auf güldenes Papier. Wünsche für ein besseres 2021. Fest nahm ich mir vor, diese später in einem gebastelten Böötchen in der Reuss treiben zu lassen. Ich freute mich über die obligaten Fragen, von denen ich dieses Jahr fast verschont blieb. Beziehungsstatus, nicht existierende Doktortitel, Vorsorgelösungen und solchen Kram.

Jag mich nicht, ich bin voll mit Prösi

Herrlich war’s.

Semi-bezaubernd war der Tag danach. Vom Gestank des Käse-Chalets in meiner damaligen 30-Quadratmeter-Wohnung unsanft geweckt, tappte ich aufs WC. Die leeren Prösi-Flaschen klirrten auf dem Parkett-Boden, ach, ihr wisst schon.

In meiner Toilettenschüssel schwamm pampiges Papier in Glitzer. Meine Wünsche fürs 2021. Scheinbar war ich zu besoffen, diese in die Reuss zu werfen. Stattdessen habe ich sie das WC runtergespült. Im Spiegel blickte mir eine scheintote Frau entgegen. Ein Knobli-Prösi-Fähnli hatte ich auch noch.

Das Handy vibrierte. Die Buchstaben tanzten vor meinen Augen. «Freue mich auf unser Date morgen. 😉 »

Verdammt. Hatte ich doch tatsächlich noch ein Date klargemacht letzte Nacht. Ich kleiner Schlingel.

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