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Sind Linke die fauleren Wähler?
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Stimmbeteiligung der Quartiere Hirschmatt, Neustadt, Wesemlin und Würzenbach an der Abstimmung zur Initiative «200'000 Franken sind genug» vom 8. März 2015. (Bild: zvg )

Tiefe Wahlbeteiligung in der Stadt Luzern Sind Linke die fauleren Wähler?

3 min Lesezeit 26.03.2015, 05:00 Uhr

Bei Abstimmungen und Wahlen hinken die Quartiere Hirschmatt und Neustadt deutlich hinterher: Je nach Abstimmung geht gerade mal ein Viertel der Stimmbürger dieser «linken» Quartiere an die Urne. Das passt den Politikern gar nicht.

Lokale Politiker mobilisieren auf Sozialen Netzwerken die Wählerschaft aus einzelnen Stadtluzerner Quartieren. Der Grund: «Es kann echt nicht sein, dass in den linken Quartieren der Stadt die Wahlbeteiligung nur bei 26 Prozent liegt», schreibt SP-Kantonsrat David Roth auf Facebook. Gemeint ist damit das Hirschmatt-/Neustadtquartier, dessen Bewohner er sogleich mit einem Video dazu ermuntert, an die Urne zu gehen.

Deren Stimmen haben die Linken insofern nötig, als dass die Bewohner dieser Quartiere tüchtig linkslastig abstimmen und wählen. Mit Blick auf polarisierende Volksabstimmungen diesen und letzten Jahres verdeutlicht sich dieses Bild. Und es scheint gar: Je linker das Quartier, desto tiefer die Stimmbeteiligung.

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Deutlich wird dies beim Blick auf das Abstimmungsverhalten bei der Initiative «200’000 Franken sind genug» der SVP. Gerade mal 24,9 Prozent der Bewohner des Neustadt-Quartiers gingen an die Urne, im Hirschmatt waren es 26,4 Prozent. Im Vergleich dazu: Im Würzenbach beteiligten sich 43,5 Prozent, im Wesemlin 42,5 Prozent an der Abstimmung.

«Die Zahlen sprechen für sich»

Thomas Zumbühl, Leiter Abstimmungen und Wahlen Stadt Luzern, wagt keine Einschätzung: «Klar gibt es eher linke oder rechte Quartiere. Aber dass die Linken urnenscheu sind, kann ich weder bestätigen noch dementieren.» Dies sei noch nie erhoben worden. Die Zahlen der vergangenen Abstimmungen sprächen jedoch schon für sich.

«Wahlfaulheit» im Kanton Luzern

Während die Wahl- und Stimmbeteiligung je nach Quartier stark variiert, hat sich kantonal eine zunehmende «Wahlfaulheit» bei den Kantons- und Regierungsratswahlen entwickelt. Seit den Wahlen 1967 nahm die Wahlbeteiligung kontinuierlich ab und sank von damals rund 85 Prozent auf gerade mal die Hälfte im Jahr 2011.

Wahlbeteiligung Kantons- und Regierungsratswahlen Kanton Luzern.
Wahlbeteiligung Kantons- und Regierungsratswahlen Kanton Luzern.

(Quelle: LUSTAT Statistik Luzern)

Auch die städtische Wohnrauminitiative, die im Juni 2012 angenommen wurde, zeigt ein ähnliches Bild: Während 71,1 Prozent der Stimmbevölkerung im Neustadtquartier Ja sagten, waren im Würzenbach-Quartier 57,4 Prozent dagegen. Die Stimmbeteiligung könnte jedoch unterschiedlicher nicht sein: Gerade mal 28,7 Prozent der Neustädter gingen an die Urne. Im Würzenbach waren mit 48,6 Prozent fast doppelt so viele Stimmbürger an der Abstimmung beteiligt. Auch bei der städischen Abstimmung zur Industriestrasse waren es just das Wesemlin- und das Würzenbach-Quartier, die eine deutlich höhere Stimmbeteiligung als die linkeren Quartiere aufwiesen.

17,5 Prozent Stimmbeteiligung

Allerdings sind nicht nur das Neustadt- und das Hirschmatt-Quartier rote Flecken. Regelmässig schert das Quartier Untergrund/Fluhmühle bei Abstimmungen aus und stellt sich auch mal gegen die gesamte Stadtluzerner Stimmbevölkerung (zentral+ berichtete). Am deutlichsten zeigt dies die nationale 1:12-Initiative, die zwar abgelehnt wurde, im Quartier Untergrund/Fluhmühle jedoch Zustimmung fand. 50,5 Prozent der Stimmbürger in diesem Quartier sagen Ja zur Initiative. Die Stimmbeteiligung lag jedoch mit 37,3 Prozent deutlich unter dem Würzenbach (52,5 Prozent) und Wesemlin (54,3 Prozent), die beide die Vorlage deutlich ablehnten. Und bei der vergangenen Abstimmung Anfang März waren gerade mal 17,5 Prozent der Stimmbürger dieses Quartiers an der Urne.

Und auch bei der Mindestlohn-Initiative, die im Mai 2014 vors Volk kam, sprachen sich die Fluhmühler als einziges Stadtluzerner Quartier für das Vorhaben aus (siehe Tabelle).

Abstimmung «Mindestlohn-Initiative» vom Mai 2014

Quartier Ja-Anteil Stimmbeteiligung
Untergrund/Fluhmühle 59,8 Prozent 37,3 Prozent
Neustadt 33,3 Prozent 34,1 Prozent
Hirschmatt 29,6 Prozent 37,5 Prozent
Wesemlin 25,2 Prozent 54,4 Prozent
Würzenbach 14,8 Prozent 54,5 Prozent

(Quelle: Stadt Luzern)

«Ältere Personen gehen eher an die Urne als Junge.»

Olivier Dolder, Interface Politikstudien

Sind die linken Quartiere urnenscheu?

Auch Olivier Dolder, Politologe bei Interface Politikstudien, sieht sich mit einer auf Anhieb nicht beantwortbaren Frage konfrontiert. «Zwar zeigen die Zahlen, dass die Stimmbeteiligung, je mehr Linke es hat, umso tiefer ist. Doch der Grund könnte auch in demographischen Gegebenheiten der Quartiere, wie Durchschnittsalter oder Bildungsstand liegen.»

Und tatsächlich: Auffallend ist bei den Quartieren Wesemlin und Würzenbach, dass der Anteil von Personen über 65 Jahren deutlich höher ist als im Hirschmatt- und Neustadt-Quartier. «Ältere Personen gehen eher an die Urne als Junge», sagt Dolder.

Quartier 0-19 Jahre 20-64 Jahre 65+ Jahre
Wesemlin 18,1 Prozent 59,3 Prozent 22,7 Prozent
Würzenbach 14,6 Prozent 58,2 Prozent 27,1 Prozent
Hirschmatt 22,2 Prozent 82,7 Prozent 11,6 Prozent
Neustadt 24,2 Prozent 74,2 Prozent 14,6 Prozent

(Quelle: LUSTAT Statistik Luzern – 2013)

Ebenfalls für die anstehenden Regierungs- und Kantonsratwahlen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Im Jahr 2011 hatte der Wahlkreis Stadt-Luzern mit 38,4 Prozent die tiefste Wahlbeteiligung. Für diesen Sonntag zeichnet sich ein Rekordtief von rund 30 Prozent ab. Lässt sich die linke Stadt wieder einmal durch das bürgerlich-konservative Land überstimmen?

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