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Siemens in Zug baut 150 Stellen ab
  • Wirtschaft
150 Produktionsstellen werden ins Ausland verlagert – und in Zug abgebaut. (Bild: zvg )

Kritik von der Gewerkschaft Siemens in Zug baut 150 Stellen ab

3 min Lesezeit 15.06.2015, 15:11 Uhr

Siemens baut in Zug 150 Stellen ab. Dies aufgrund der schwierigen Euro-Franken-Situation, die dem Unternehmen offenbar zu Schaffen macht. Doch obwohl es sich um einen grossen Stellenabbau handelt, ist niemand so wirklich entrüstet. Kritik übt die Gewerkschaft trotzdem.

Die Siemens-Division Building Technologies mit Sitz in Zug plant, wie bereits im März angekündigt (zentral+ berichtete), Optimierungen im Produktionsbereich. Im Rahmen dieser Massnahmen, die laut dem Unternehmen aufgrund der Frankenstärke notwendig seien, sollen einzelne Produktionslinien ins Ausland verlagert werden. Aufgrund der geplanten Veränderungen reduziert sich die Anzahl der Stellen im Fertigungsbereich in Zug von heute etwa 500 auf rund 350.

Die Wettbewerbsfähigkeit ist gefährdet

Für Matthias Rebellius, CEO der Siemens-Division Building Technologies, seien diese Massnahmen unumgänglich, um den Standort in Zug nachhaltig zu sichern. «Der jüngste Anstieg des Frankenkurses hat massive Auswirkungen auf unsere Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere auf die Produktion hier am Standort. Da ein grosser Teil unserer globalen Wertschöpfung in der Schweiz anfällt, sind wir zum Handeln gezwungen.» Am Standort Zug als globales Kompetenzzentrum halte man aber dennoch fest.

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«Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Schweiz hat sich währungsbedingt in den vergangenen Jahren und insbesondere seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses am 15. Januar 2015 deutlich verschlechtert», schreibt die Siemens. Obwohl Siemens mehrere Optimierungen in der Produktion wie etwa die Zusammenführung der Standorte Volketswil und Zug bereits vor über einem Jahr umgesetzt habe, habe der jüngste Anstieg des Frankenkurses zu einem nicht mehr tragbaren Kostenniveau geführt.

Und wenn Griechenland rausfliegt?

Guido Schluep vom Zentralvorstand der verantwortlichen Gewerkschaft Syna ist zwar selber nicht überrascht von der Ankündigung von Siemens. Er erklärt: «Es sieht einmal mehr so aus, wie wenn die unqualifizierten Stellen ins Ausland abwandern müssen. Dies, obwohl die Leute hier eigentlich genügend Arbeit hätten. Und auch wenn Siemens letztes Jahr ihren Umsatz steigern konnte, genügt das offenbar nicht. Sie will andere Margen.»

Zur aktuellen Franken-Euro-Situation sagt Schluep: «Im Moment führt die EU Verhandlungen mit Griechenland. Wenn Griechenland aus der Europäischen Union rausfliegt, kann es gut sein, dass es mit dem Euro wieder aufwärts geht.» Charles Breitenfellner, der Kommunikationschef der Siemens, erklärt: «Auch wenn das passieren würde, ist nicht anzunehmen, dass der Franken wieder dorthin kommt, wo er war.» Der Entscheid von Siemens sei unabhängig von der Situation im Ausland gefallen. «Es ist schlichtweg zu teuer, in der Schweiz zu produzieren.»

30 Frühpensionierungen eingeplant

Für CEO Matthias Rebellius sei es laut Mitteilung darum dringend notwendig, die Fertigung vermehrt in jene Regionen zu verlagern, wo auch die Produkte und Dienstleistungen verkauft werden, um unabhängiger von Währungsschwankungen zu sein und den Vorteil von Ländern mit geringeren Lohnkosten zu nutzen. «Unser Ziel ist es, in unserer Fabrik in Zug nur noch jene Produkte und Komponenten zu fertigen, die aufgrund ihres Designs und ihrer Technologie hohe Ansprüche an die Fertigung stellen und bei denen die Nähe zum Entwicklungsstandort einen wichtigen Vorteil bietet.»

Breitenfellner präzisiert, wie die 150 Stellen abgebaut werden sollen: «40 Stellen sind externe Temporärstellen, deren Verträge wir nicht mehr erneuern werden. Dann rechnen wir mit 30 Frühpensionierungen und 20 Stellen, welche durch die natürliche Fluktuation abgebaut werden. Das heisst, dass wir bis Ende 2016 noch 60 Kündigungen aussprechen müssen.» Wem gekündigt wird, wisse man indes noch nicht. Die Mitarbeiter wurden erst am Montagmittag vorinformiert.

Trotz Stellenabbau: Die Siemens hält dennoch unverändert am geplanten Neubau des Hauptsitzes in Zug fest (zentral+ berichtete). «Bis 2018 werden wir nebst dem neuen Verwaltungsgebäude ein hochmodernes Entwicklungzentrum und Produktionsgebäude beziehen. Der Standort Zug bleibt auch künftig das Kompetenzzentrum für innovative Gebäudetechnik und soll seine zentrale Rolle behalten», so Rebellius.

Derzeit führt Siemens Verhandlungen mit der Gewerkschaft Syna. Diese sollen bis am 17. Juni abgeschlossen sein.

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