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Siehbach-Kiosk wird zukünftig zur Mitternachts-Bar
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Das Interesse am Siehbach-Kiosk ist gross. (Bild: sib)

Querkopf Witschi geht nach 28 Jahren in Pension Siehbach-Kiosk wird zukünftig zur Mitternachts-Bar

5 min Lesezeit 16.01.2019, 13:57 Uhr

Seit 1990 bediente Roland Witschi die Badegäste in der Siebach-Badi. Nun sucht die Stadt Zug nicht bloss einen neuen Pächter, sondern will auch das Konzept verändern. Solange das Wetter passt, soll die «Männerbadi» offen sein – und wenn dies einen 15-Stunden-Arbeitstag bedeutet.

Nein, Badistimmung will an diesem grauen, verregneten Januarnachmittag nicht aufkommen. Viel eher erinnert einen das Wetter an einen besonders trüben Apriltag. Trotzdem versammelt sich in der Zuger Siehbach-Badi eine grössere Menschentraube. Rund 25 Personen sind anwesend. Von der Altersstruktur her ein bunter Haufen, vom Studenten bis zur Seniorin ist alles dabei.

Der Grund für den Menschenauflauf: Für die ehemalige Männerbadi wird ein neuer Pächter gesucht. Seit 1990 betrieb Roland Witschi den Kiosk. Der Querkopf war in Zug ein bekanntes, doch nicht überall beliebtes Gesicht. Er lag mit den Behörden im Clinch, Auslöser war ein Ehestreit. Selbst die «Rundschau» von SRF widmete ihm einen Beitrag.

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Seit geraumer Zeit war klar: Nach der Saison 2018 würde Schluss sein für Witschi. Er geht in Pension. Zeit also, um die Nachfolge und damit die Zukunft der Siehbachbadi zu regeln.

Das Balgen um die Nachfolge

Dafür zuständig ist die Stadt Zug. Sie ist Eigentümerin des entsprechenden Grundstücks. Entsprechend hat sie den Badeplatz öffentlich ausgeschrieben. «Rund 25 Interessenten haben sich gemeldet», erzählt Christian Weber, Immobilienleiter der Stadt Zug. Er vertritt gemeinsam mit Daniel Stadlin, Departementssekretär Soziales, Umwelt und Sicherheit, die Stadt an diesem Nachmittag.

«Ziel ist, dass die Altersstruktur am Abend durchmischter wird.»

Daniel Stadlin, Departementssekretär Soziales, Umwelt, Sicherheit

Idee ist, dass sich Interessierte bei Wind und Wetter ein Bild von der Infrastruktur mit Garderobe, Abstellraum und Kiosk sowie Lager/Putzraum machen können. Während die Garderoben wohl allen Anwesenden bekannt sein dürften, gibt der Lagerraum einen Einblick, wie Witschi fast 30 Jahre lang seine Sommer verbracht hat. Er selbst ist nicht anwesend.

Zurück in die 1990er

Die Einrichtung kommt spartanisch daher. Man fühlt sich tatsächlich direkt an die 1990er-Jahre zurückerinnert. Hinten zwängt sich auf der Küchentheke eine Mikrowelle in die Ecke. Die offenstehenden Kühlschränke sind teils gezeichnet von Klebebandspuren. «Trink Coca-Cola», wird man aufgefordert. Auf der anderen Seite, wo Witschi jeweils Würste und Glace an die Sonnenhungrigen ausgegeben hat, ist der Holzrolladen heruntergelassen. Links daneben steht eine Frisco-Truhe.

Christian Weber sagt: «Wir haben noch keine klaren Vorstellungen, wie wir diesen Raum renovieren werden. Es wird auf jeden Fall Malerarbeiten geben und im Strombereich muss Hand angelegt werden.» Eine Totalsanierung sei allerdings nicht vorgesehen.

Noch viele Fragezeichen

Die Interessenten weibeln durch die Räume, schiessen Fotos. Es ist wichtig, einen Eindruck von der Einrichtung zu gewinnen. Denn bis am 25. Januar müssen sie bei der Stadt ein Betriebskonzept einreichen, wie sie sich die Zukunft der Anlage als Pächter vorstellen. Ein Wirtepatent ist nicht notwendig, einzig eine Bewilligung für den Alkoholausschank brauchts.

Die Küche, in welcher Roland Witschi für viele Jahre gewirkt hat.

Die Küche, in welcher Roland Witschi für viele Jahre gewirkt hat.

(Bild: sib)

Die potenziellen Pächter geniessen bei ihren Vorschlägen viel Spielraum und es gibt noch zahlreiche Fragezeichen, so beispielsweise beim Pachtzins. Dieser soll jährlich zwischen 2’000 und 5’000 Franken betragen. Eines ist jedoch klar: Weiter wie unter Witschi, welcher die Zusammenarbeit mit der Stadt via Arbeitsvertrag regelte, wird es nicht gehen.

Kiosk-Pächter – mehr als ein Vollzeitjob

Dies fängt bereits bei den Öffnungszeiten an. Während Roland Witschi den Kiosk meist um 18 Uhr schloss, wünscht sich die Stadt nun, dass Kiosk und Garderoben während der Badesaison bei gutem Wetter während sieben Tagen pro Woche ab neun Uhr bis in die späten Abendstunden geöffnet ist. Je nach Witterung kann der Kiosk auch im Frühling und Herbst betrieben werden.

«Diese Plastikstühle wollen wir nicht mehr sehen.»

Christian Weber, Leiter Immobilien Stadt Zug

«Ziel dabei ist auch, dass die Altersstruktur am Abend dadurch durchmischter wird», sagt Daniel Stadlin. Denn bislang dominierten am Abend jugendliche Gruppen (zentralplus berichtete). Es solle ein einfaches Angebot für jedermann geben. «Es wird weiterhin erlaubt sein, Verpflegung selbst mitzubringen», fügt Stadlin hinzu. Ein Alkoholverbot, wie zurzeit noch signalisiert, ist nicht mehr vorgesehen.

In der Konzeptvorlage der Stadt ist weiter vermerkt, dass Veranstaltungen und Konzerte auf dem Siehbach-Areal möglich seien, jedoch sollen es nicht mehr als sechs pro Saison sein.

Plastikmöbel kommen weg

Im Abstellraum steht neben dem Grill das alte Plastikmobiliar. Weber macht mit einem Schmunzeln klar: «Diese Plastikstühle und -tische wollen wir nicht mehr sehen. Uns ist schönes Mobiliar wichtig.» Die Kosten dafür müsste der Pächter zumindest nicht zur Gänze selbst übernehmen.

So sieht es aus, hinter der Theke zu stehen.

So sieht es aus, hinter der Theke zu stehen.

(Bild: sib)

Bevor es für die Interessenten nach Hause geht und sie ihre neuen Ideen und Eindrücke ins Konzept einfliessen lassen können, steht noch eine Fragerunde an. «Wäre es möglich, ein Zelt aufzustellen, um gegen schlechtes Wetter geschützt zu sein?», möchte eine Dame Mitte 30 wissen.

Eröffnung ist auf Mai angesetzt

Stadlin rät davon ab, bedenkt, dass man für eine solche Infrastruktur eine Baubewilligung benötigt. Und dieses Gebiet – in unmittelbarer Gewässernähe – sei kaum bewilligungsfähig für zusätzliche Bauten. Dafür möchte man eine Verlängerung der Storen prüfen, wie Weber ergänzt.

Der Rundschau-Beitrag zu Roland Witschi:

Immer wieder taucht die Frage nach dem bisherigen Umsatz auf. Doch dazu können Stadlin und Weber keine Auskunft geben, denn zwischen der Stadt und Witschi bestand kein Pachtvertrag. Und Witschi selbst kommuniziert keine Zahlen.

Ist die Eingabefrist für die Konzepte verstrichen, muss sich die Stadt Zug entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Bereits Anfang Februar will sie sich festlegen. Die Eröffnung ist auf Mai angesetzt, hängt jedoch von den Vorbereitungs- und Umbauarbeiten ab.

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