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Sieben Gründe, warum FCL-Testspiele auf dem Land der Hammer sind!
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183 Altersjahre sorgen für den Ankick vor dem Match: Otto Wermelinger (mit dem Ball) und Paul Wolfisberg links von ihm. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Reportage vom Testspiel FCL – FC Kaiserslautern Sieben Gründe, warum FCL-Testspiele auf dem Land der Hammer sind!

7 min Lesezeit 1 Kommentar 10.07.2016, 13:30 Uhr

Es gibt Leute, die sagen, Testspiele sind langweilig. Unser Autor sieht das komplett anders. Er sagt: Testspiele sind das Grösste. Und er hat dafür sieben Gründe. Einer hat mit einem 100-Jährigen zu tun, der mit dem Auto aufs Spielfeld fährt.

Na gut, so jetzt rein vom Fussballerischen her bieten Testspiele eher selten Feinkost. Ist aber auch logisch, denn die Trainer wollen möglichst viele Spieler einsetzen und schauen, wie die sich schlagen. Da passt halt vieles noch nicht so zusammen. Aber Testspiele wie jenes vom Samstag, auf dem idyllischen Horwer Sportplatz Seefeld, als der FC Luzern gegen den 1. FC Kaiserslautern antrat, bieten dafür viel. Sogar sehr viel, was es sonst nicht gibt.

Hey, Sie rümpfen leicht schnöselig die Nase und glauben das nicht? Solche Testspiele in der Agglo oder auf dem Land sind doof? Weiterlesen!

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1. Näher ran geht nicht

Vom Sitz im FCL-Stadion aus sieht man zwar ganz passabel aufs Spielfeld. Aber es ist kein Vergleich zu Testspielen wie in Horw. Dort liegen oder sitzen die vordersten Fans an der Seitenlinie. Links die Freundin, rechts das Bier oder umgekehrt. So riecht man nicht nur den Rasen, man hört auch die Stimmen der Fussballer und des Trainerstaffs extrem gut. Die lautesten Brüller an diesem Samstag sind übrigens FCL-Goalie Dave Zibung sowie FCK-Trainer Tayfun Korkut. Hut ab vor so viel Power in den Stimmbändern!

Viel näher geht's nicht: Fans verfolgen den Match direkt am Spielfeldrand.

Viel näher geht’s nicht: Fans verfolgen den Match direkt am Spielfeldrand.

Der FCL am Boden? Nö! Nur dieser kleine Fan brauchte kurz eine Siesta.

Der FCL am Boden? Nö! Dieser kleine Fan brauchte nur kurz eine Siesta.

2. Friedlicher geht’s nicht

Während an FCL-Spielen je nach Gegner eine Hundertschaft Polizei samt Wasserwerfer und anderem schweren Gerät für die Sicherheit sorgen muss, herrscht an Testspielen Friede, Freude, Eierkuchen. Polizisten sind an diesem Samstag in Horw nur eine Handvoll zu sehen, die Fans beider Mannschaften höcklen friedlich an denselben Festbänken und plaudern auch mal miteinander. Der zusätzlich patroullierende lokale Sicherheitsdienst, Typ «Men in Black», sorgt deshalb auch prompt für Sprüche am Laufmeter. Zum Beispiel: «Hey Dicker, lauf noch ein paar Runden, dann kommt’s gut», oder «Hol mir mal ein Bierchen, so hast du wenigstens was zu tun». Der Humorfaktor ist, weil alles so ungezwungen ist, definitiv höher an Testspielen.

Sorgen für Sicherheit – und neckische Sprüche seitens der Besucher: lokale Sicherheitstruppe.

Sorgen für Sicherheit – und neckische Sprüche seitens der Besucher: lokale Sicherheitstruppe.

(Bild: lwo)

Entspannte Gästefans nutzen die  Absperrung als Rückenpolster.

Entspannte Gästefans nutzen die  Absperrung als Rückenpolster. Normalerweise müssen sie hinter der Absperrung Platz nehmen.

(Bild: lwo)

3. Kinderfreundlicher geht’s nicht

Im FCL-Stadion gibt’s extra einen Family Corner. Das wird geschätzt. Aber: Für fussballaffine Kinder sind Testspiele das Grösste! Weil alles viel friedlicher und unkomplizierter ist, können sie (fast) überall rumturnen, sie können sich rund ums Spielfeld und auf dem Areal frei bewegen, und sie können auch mal selber neben dem Spielfeldrand zu tschutten anfangen, wenn ihnen das auf dem Platz gebotene Niveau zu bescheiden ist. Das Schöne daran: Wenn die Kinder entspannt sind, sind es auch die Eltern.

Für die Kleinen gibt's an Testspielen immer irgendwas, wo sie raufklettern und das Spiel besser sehen können.

Für die Kleinen gibt’s an Testspielen immer irgendwas, wo sie raufklettern und das Spiel besser sehen können.

(Bild: lwo)

 

Direkt mit dem Velo an den Spielfeldrand, um dem FCL zuzuschauen – gibt's nur an Testspielen.

Direkt mit dem Velo an den Spielfeldrand, um dem FCL zuzuschauen – gibt’s nur an Testspielen.

(Bild: lwo)

4. Skurriler geht’s nicht

Der Veranstalter FC Horw hat sich für das Spiel nicht lumpen lassen und eine tolle Infrastruktur auf die Beine gestellt. Auch hat er sich einen Anstoss ausgedacht, der witziger nicht hätte sein können. Der Ankick wurde nämlich von den beiden Horwern Paul Wolfisberg (Ex-FCL-Trainer und Schweizer Nationalcoach) sowie FC-Horw-Gründungsmitglied Otto Wermelinger durchgeführt. Der Doppelclou: Wermelinger feierte erst kürzlich seinen 100. Geburtstag. Und der «Wolf» ist ja auch schon 83. Dass die beiden dann mit einem Auto (!) aufs Spielfeld gefahren wurden, wo der so alte wie kleine Wermelinger neben dem bulligen Wolfisberg den Ankick trat – ein Bild für die Götter! Es lebe das Testspiel in der Agglo und auf dem Lande!

Paul Wolfisberg (hinten) und Otto Wermelinger werden mit dem Auto zum Ankick mitten aufs Spielfeld gefahren. Ob's darum ging, das Auto zu zeigen oder den beiden Herren den Fussmarsch zu ersparen, wissen wir nicht.

Paul Wolfisberg (hinten) und Otto Wermelinger werden mit dem Auto zum Ankick mitten aufs Spielfeld gefahren. Ob’s darum ging, das Auto zu zeigen oder den beiden Herren den Fussmarsch zu ersparen, wissen wir nicht.

(Bild: lwo)

5. Schneller mit Gästefans in Kontakt kommt man sonst nicht

In der Swissporarena hat jeder sein Plätzchen, und jeder Sektor ist vom anderen aus Sicherheitsgründen mit Gittern abgetrennt. Deshalb kommt man selten (auf friedliche Weise) mit Gästefans in Kontakt. Bei Testspielen ist das anders. Da sitzt man vor und nach dem Spiel gut durchmischt beim Bier und amüsiert sich. Auch Guido Marklofsky und seine Freunde höckeln neben dem riesigen Festzelt an einem Tischchen und wirken so entspannt, wie man nur sein kann.

Guido Marklofsky (ganz rechts) ist mit seinen Freunden für das Testspiel seines 1. FC Kaiserslautern von Deutschland nach Horw gereist.

Guido Marklofsky (ganz rechts) ist mit seinen Freunden für das Testspiel seines 1. FC Kaiserslautern von Deutschland nach Horw gereist.

(Bild: lwo)

Die fünf FCK-Fans sind für dieses Spiel extra die 350 Kilometer von Mannheim nach Horw gefahren. «Wir sind gestern angekommen, haben eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee gemacht, gucken nun das Spiel, übernachten dann in einem Hotel in Littau und fahren morgen wieder nach Hause», sagt Marklofsky. Bloss zwei Tage in Luzern – warum nicht gleich etwas Ferien machen? Der Kaiserslautern-Fan lacht und sagt: «Wir sind wegen dem FCK so viel unterwegs, da geht eh schon der ganze Urlaub dafür drauf.»

Kicken mit den «gegnerischen» Fans während des Pausentees – an Testspielen gibt's das.

Kicken mit den «gegnerischen» Fans während des Pausentees – an Testspielen gibt’s das.

(Bild: lwo)

6. Nie kriegt man als Fan so viel für sein Geld

Testspiele führt der FCL nicht nur aus Lust meist ausserhalb der Stadt Luzern durch. Er will damit die Distanz zu den Fans verringern und sich volksnah geben. Das wird sehr geschätzt, wie der Aufmarsch der 1200 Zuschauer in Horw gezeigt hat. Nie ist es als Fan einfacher, von seinen Stars ein Foto zu machen, ein Autogramm zu kriegen oder einen kurzen Schwatz abzuhalten. Wie lustig das die Fussballer finden, ist schwer zu erraten. Gewisse wie Claudio Lustenberger, die an Medienkonferenzen stets wirken wie auf einer Überdosis Valium, lächeln auch nach dem 50. Foto zusammen mit einem Fan um die Wette. Andere Spieler lassen den Zirkus eher etwas genervt über sich ergehen.

Gleich nach Abpfiff geht's für die FCL-Spieler nicht unter die Dusche – sondern sie müssen den Kleinen für Selfis und Autogramme zur Verfügung stehen.

Gleich nach Abpfiff geht’s für die FCL-Spieler nicht unter die Dusche – sondern sie müssen den Kleinen für Selfis und Autogramme zur Verfügung stehen.

(Bild: lwo)

7. Mehr Rambazamba gibt’s sonst nicht an Fussballspielen

Testspiele auf dem Land und in der Agglo bieten einfach mehr. So muss man etwa in Horw fürs Bier kaum anstehen, die Feierzone zwischen Festzelt und Stadiongebäude lädt zum gemütlichen Verweilen ein und wer noch Lust auf «Volksrocker Willy Tell» hat, kriegt jede Menge davon ab. Es wird geschunkelt, gesungen und gesoff… getrunken. Eine solche Stimmung herrschte auf der alten Allmend vor und nach den Spielen auch. Beim Bau der Swissporarena ging dieser Aspekt allerdings vergessen. Doch nun verspricht der FCL Besserung (hier geht’s zum Artikel).

«Volksrocker» Willy Tell trat nach dem Spiel im grossen Festzelt auf.

«Volksrocker» Willy Tell trat nach dem Spiel im grossen Festzelt auf.

(Bild: lwo)

Entspannte Stimmung vor und nach dem Spiel im Stadion. Eine solche gemütliche Sitz- und Trinkinfrastruktur sucht man auf der Allmend vergebens.

Entspannte Stimmung vor und nach dem Spiel im Stadion. Eine solche gemütliche Sitz- und Trinkinfrastruktur sucht man auf der Allmend vergebens.

(Bild: lwo)

Womit wir zum Schluss kommen. Das Spiel gegen Kaiserslautern aus der 2. Bundesliga entschied der FCL übrigens mit 1:0 für sich. Das Siegestor der eher ereignisarmen Partie schoss kurz vor der Pause der Captain Claudio Lustenberger. Die beiden Zugänge Tomi Juric und Ricardo Costa waren leider noch nicht im Einsatz.

Für den FCL geht es bereits am Dienstag weiter. Dann treffen die Leuchten in Renens (VD) auf die AS Monaco. Voraussichtlich wird Ricardo Costa dann sein erstes Spiel im blauen Trikot absolvieren. Ein weiteres Testspiel ausserhalb von Luzern gibt’s nicht. Am Freitag findet die Auslosung für die Europa-League statt. Am Samstag feiert der FCL mit dem Testspiel gegen Schalke 04 sowie vielen Attraktionen die Saisoneröffnung.

Das erste Spiel der Saison bestreitet der FCL am 23. Juli auswärts gegen Lugano. Und auch wenn Testspiele auf dem Land das Grösste sind – Spannung, Nervenkitzel und Stimmung sind an normalen Spielen natürlich schon besser. Ideal fährt also, wer beides mag. In diesem Sinne: Hopp Lozärn!

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1 Kommentare
  1. Philipp Reis, 12.07.2016, 13:22 Uhr

    Naja, so supi fand ich das dann doch nicht. 20.– Eintritt für ein Testspiel ist schon hart an der Grenze. Und dass man nicht Cash zahlen konnte, sondern zuerst eine Zahlkarte kaufen musste, fand ich auch relativ umständlich.