Gesellschaft

Urteil des Kriminalgerichts Luzern
Sie suchte die Liebe – und landete in einem Alptraum

Eine Frau wäre in Luzern fast vergewaltigt worden, als sie einen Mann besuchte, den sie nur aus dem Internet kannte.
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Eine Frau wäre in Luzern fast vergewaltigt worden, als sie einen Mann besuchte, den sie nur aus dem Internet kannte. (Bild: Adobe Stock)

Eine Frau ist in Luzern fast von einem Mann vergewaltigt worden, den sie auf einer Datingplattform kennengelernt hatte. Er fiel über sie her, als sie ihn daheim besuchte. Der 56-Jährige streitet die Tat ab, das Kriminalgericht verurteilt ihn trotzdem.

Die beiden lernten sich im Frühling 2018 im Netz kennen. Zunächst wurden ein paar Nachrichten ausgetauscht, dann einige Bilder und schliesslich auch Worte am Telefon. Nachdem sich der Luzerner und die Thailänderin einander so ein bisschen angenähert hatten, vereinbarten sie ein erstes Treffen – bei dem sie fast vergewaltigt worden wäre.

Er holte sie am Bahnhof Zug ab. Zusammen fuhren sie in die Wohnung des heute 56-Jährigen nach Luzern. Sie kochten zusammen. Plauderten. Er schien ein echter Gentleman zu sein. Nach dem Essen kuschelten die beiden etwas auf dem Sofa. Der Frau allerdings ging das alles etwas zu schnell. Doch als sie dem Mann das sagte, zeigte dieser sein wahres Gesicht.

Plötzlich war es vorbei mit der Gentleman-Nummer

«Er wurde vom netten Mann zum Teufel», sagte sie später gegenüber der Polizei. Als sie ihn gebeten habe, sie wieder zum Bahnhof zu bringen, habe er gesagt: «Nein, du bleibst hier.» Er umarmte sie so fest, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte. Dann trug er sie hoch ins Schlafzimmer, wo er die Türe abschloss – allerdings ohne den Schlüssel abzuziehen.

Was dann passierte, erinnert an einen Alptraum. Der Mann fixierte die Thailänderin, indem er sich auf ihren Brustkorb setzte und ihre Hände aufs Bett drückte, sodass sie sich kaum noch bewegen konnte. Sie biss ihn in die Hand – worauf er sie am Hals packte. Während er sie jetzt mit dem Knie unten hielt, zog er seine Trainingshose herunter. «Wenn ich dir sage, dass du hier bleiben musst, dann musst du hier bleiben, und wenn ich dir sage, dass du das hier machen musst, dann musst du dies machen», soll er gesagt haben.

Nachbarin half der Frau, die in Luzern fast vergewaltigt worden wäre

Die Frau bekam kaum mehr Luft. Sie versuchte, sich irgendwie aus der Situation zu retten – und redete auf den Mann ein. Sie habe einer Kollegin gesagt, dass sie bei ihm sei und dass diese die Polizei verständigen solle, wenn sie sich nicht melde. Das stimmte zwar nicht, zeigte aber Wirkung. Der Luzerner liess von ihr ab.

Die Frau ergriff die erstbeste Gelegenheit zur Flucht. Sie bat eine Nachbarin um Hilfe. Diese liess sie in die Wohnung und verständigte die Polizei, während der Mann mehrfach an die Tür klopfte. Die Einsatzkräfte stellten rote und blaue Flecken am Unterarm und am Hals der Frau fest – und brachten sie in Sicherheit.

Der Mann stritt gegenüber der Polizei ab, der Frau etwas angetan zu haben. Die Verletzungen würden nicht von ihm stammen. Er habe nur eine Beziehung anfangen wollen, sonst nichts. Auf der Datingplattform habe ihm die Frau «eindeutige Zeichen» gegeben. Sie habe ihm Bilder geschickt, auf denen sie zum Teil halb nackt gewesen sei. Und sie habe ihm auch gesagt, dass sie Massagen mache «und so». Und dann sei sie nach dem Essen plötzlich sehr abweisend, ja, kalt gewesen.

Eine letzte Chance für den Luzerner

In der Befragung verstrickte sich der Mann gemäss einem Urteil des Kriminalgerichts in Widersprüche. Die Aussagen des Opfers hingegen sind aus Sicht des Gerichts glaubwürdig. Es hat keinerlei Zweifel daran, dass der Mann eine versuchte sexuelle Nötigung begangen hat. Der Mann habe versucht, sich «bewusst und gewollt über den entgegenstehenden Willen des Opfers hinwegzusetzen».

Der Mann ist zwar vorbestraft, allerdings weder wegen Sexual- noch wegen Gewaltdelikten. Das Kriminalgericht gibt ihm daher eine letzte Chance. Er wird zwar wegen versuchter sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von 19 Monaten verurteilt. Diese ist allerdings zur Bewährung ausgesetzt bei einer Probezeit von drei Jahren.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Luzerner hat den Entscheid angefochten. Als Nächstes beschäftigt sich demnach das Kantonsgericht Luzern mit dem Fall.

Derzeit wird in der Schweiz eine Verschärfung des Sexualstrafrechts diskutiert. Mehrere Luzerner Strafrechtsprofessoren unterstützen diese. Mehr dazu findest du hier.

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2 Kommentare
  1. Remo, 30.12.2021, 21:42 Uhr

    Bewährung? Bei einer solchen Tat? Der soll die 19 Monate absitzen, sonst lernt er nichts.

    0 👍 Gefällt mir 3 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 3 👎 Daumen runter
    1. Remo, 31.12.2021, 09:53 Uhr

      Danke für den Daumen runter. Anscheinend sind hier Leute unterwegs, die ein solches Verhalten eines Mannes noch in Ordnung finden oder meinen, dass man einen solchen Kriminellen mit Samthandschuhen anfassen soll. Armselig.
      Ich bin klar für Null Toleranz!

      3 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 2 👎 Daumen runter

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