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Isa, garantiert kompliziert Sie sind zu geil – da hat ihr Seelenleben keinen Platz

In der neuesten Kolumne geht's um Catcalling, anzügliche Sprüche und Grapscher.

Fremde Hände am Po. Die Lippen eines andern auf meinen, ungefragt und ungewollt. Grenzen von Frauen werden immer wieder überschritten. Diese Dauergeilheit anderer widert zentralplus Gesellschafts-Redaktorin Isabelle Dahinden an, wie sie in ihrer neuesten Kolumne schreibt.

«Wir sind so geil, da ist kein Platz für unser Seelenleben.»

Pääm. Das hat irgendeine gescheite Frau in irgendeiner Trash-TV-Sendung gesagt. Eine Welt, in der alle horny sind und jeder mit jedem Körperflüssigkeiten austauschen will. Jedenfalls, ganz ehrlich: Sie hat mich damit zum Nachdenken gebracht, diese Frau.

Bock auf Sex zu haben, ist okay. Oder keinen Bock auf Sex zu haben. Sex ohne jegliche Gefühle ist okay, wenn das klar kommuniziert wird und für die involvierten Personen stimmt. Whatever. Was nicht okay ist: Die Grenzen anderer zu überschreiten.

Wer als Frau durch diese Stadt läuft, wird von oben bis unten abgescannt. Dieses Geiern anderer geht mir total gegen den Strich. Ich fühle mich durch dieses permanente Anglotzen wie ausgezogen, nackt. Wer als Frau durch diese Stadt läuft, kriegt Wörter, Pfeiff- und Kussgeräusche an ihren Kopf geworfen. Wer als Frau durch hiesige Clubs abtaucht, kriegt fremde Hände auf ihren Po geklatscht. Ungebetene Lippen auf ihren Mund gedonnert. Alles ungefragt und ungewollt. Ohne dass ich irgendwelche Signale ausgesendet habe, die darauf schliessen liessen, dass ich das gewollt hätte.

Was geht in diesen Köpfen ab?

Warum tut man das, was geht in diesem verdammten Köpfen ab? Was ist die Intention dahinter? Die steht sicherlich drauf, die will das doch auch? Machtspielchen?

Diese Dauergeilheit anderer widert mich echt an. Ekelhaft. Es gibt Tage, an denen machen mich solche Dinge sprachlos. In den Nächten machen mich diese Erfahrungen vor allem eines: unsicher. Weil immer wieder Grenzen überschritten werden. Grenzen, die ich nicht kommunizieren und signalisieren müsste, sondern jedem klar sein sollten. Und doch immer wieder nicht respektiert werden.

Als ich noch jung war und nicht wusste, dass dies immer wieder passiert und so quasi zu einer Normalität für mich wird, habe ich mich auf Diskussionen eingelassen, warum ich das nicht möchte. Ich habe Typen, die mir ihre Pratzen an meinen Po gegriffen haben, eine gescheuert. Ich habe mir den Ausgang vermiesen lassen und mich auf den Nachhauseweg gemacht. Angeekelt war ich jedes Mal. Wenn ich mich umgedreht habe und in das Gesicht eines noch nie gesehenen Typen blickte. Versteht mich nicht falsch: Auch Frauen können diese Grenzen überschreiten. Habe ich sogar selbst einmal erlebt.

Mein Körper – keine Einladung für gar nichts

Es ist mein Körper, der von anderen nicht dauernd beglotzt, bewertet, kommentiert werden muss. Es ist mein Körper, der nicht objektifiziert und betascht werden will.

Klar kann man jetzt sagen: Hab dich doch nicht so. Ist doch halb so tragisch. Nix passiert. Aber: Solche Dinge sind nie okay. Vor allem werden Frauen immer müder, haben irgendwann keinen Bock mehr, sich bei jedem Grapscher zu wehren. Aus den anfänglichen Diskussionen und dem «Spennsch eigentli?!» wurde ein dezentes Augenrollen meinerseits.

Das Problem dabei: Umso mehr ein Grapscher als normal angesehen wird – von denen, die das tun – umso selbstverständlicher werden solche Übergriffe. «Verbale Belästigung und andere Verhaltensweisen, die Frauen objektifizieren, können einen Nährboden für grössere Übergriffe bilden», wie es die Leiterin der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» kürzlich festgehalten hat. Und: «Es geht uns alle etwas an.»

Es sind einfach zu viele Geschichten. Geschichten von mir, von meinen Freundinnen. Wie fast jede von uns in einer Gasse schon mal von einem Typen in eine Ecke gedrängt wurde. Wie eine Bekannte von mir nach einer Party an irgendeiner Bushaltestelle aufgewacht ist. Zuletzt hat man sie mit einem Typen aus dem Club laufen sehen. K.-o.-Tropfen waren im Spiel.

Kein Wunder, begleitet uns Frauen die permanente Angst, nachts alleine nach Hause zu laufen. Kein Wunder finden Frauen in ihren WhatsApp-Verläufen die Nachricht «Schreib mir, wenn du zu Hause bist» en masse.

Ob anzügliche Witze, Grapschen und Co.: Lasst das. Das will nämlich niemand von uns. Auch du nicht.

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