Sie rettete Tiere und Menschen – und musste darum ins Spital
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Bewahrten die Bewohner vor Schlimmerem: Tatjana Röösli (34) und Lebenspartner Alvaro Di Labio (37) mit ihren beiden Hunden. (Bild: bic)

Beherztes Eingreifen bei Littauer Wohnungsbrand Sie rettete Tiere und Menschen – und musste darum ins Spital

4 min Lesezeit 02.11.2018, 14:45 Uhr

Dass es beim Brand einer Wohnung in Littau am letzten Sonntag «nur» zu hohem Sachschaden kam, ist dem beherzten Eingreifen einer Hausbewohnerin zu verdanken. Sie hatte mehrere Personen rechtzeitig evakuiert und einen Hund aus der brennenden Wohnung gerettet. Als Heldin möchte die 37-Jährige aber nicht bezeichnet werden.

Tatjana Röösli ist gerade dabei, zusammen mit Familienangehörigen den Garten vor ihrer Wohnung in Littau wieder herzurichten. Der Wohnungsbrand in ihrem Wohnblock vom letzten Sonntagabend hat Spuren hinterlassen (zentralplus berichtete). Asche der verbrannten Sonnenstore und Trümmerteile haben den Goldfischteich und die Blumenbeete verschmutzt sowie das Dach des Schildkrötengeheges demoliert.

Dass der Brand bis auf den grossen Schaden einigermassen glimpflich ausgegangen ist, ist zu einem grossen Teil der 37-Jährigen zu verdanken. Denn sie hatte am frühen Sonntagabend als Erste bemerkt, dass die Wohnung auf der zweiten Etage in Brand geraten war.

Zufall verhinderte Schlimmeres

Dass sie den Brand überhaupt entdeckt hatte, ist auch dem Zufall geschuldet. «Eigentlich war geplant, dass ich an diesem Abend zusammen mit meiner Fasnachtsgruppe am nächsten Sujet bastle. Da ich mich aber nicht so gut fühlte, blieb ich zuhause», erzählt Röösli.

Als sie um 17 Uhr auf der Terrasse vor der Wohnung eine Zigarette rauchen wollte, habe sie zuerst den Rauchgeruch und danach den dicken schwarzen Qualm wahrgenommen, der aus der Wohnung zwei Etagen höher quoll. «Ich bin sofort um den Block gerannt, um zu sehen, ob der Rauch noch an anderen Stellen austritt. Dann habe ich umgehend meinen Lebenspartner gerufen, welcher die Feuerwehr verständigte», erinnert sich Röösli.

Wie ferngesteuert sei sie anschliessend ins Haus gerannt, um Frau W., die Bewohnerin der Wohnung zu retten, falls sie sich noch darin aufhielt. «Ich klopfte wie eine Wilde an die Wohnungstür, aber Frau W. öffnete nicht», so Röösli.

Der Rauch verschmutze das gesamte Treppenhaus sowie andere Wohnungen.

Der Rauch verschmutze das gesamte Treppenhaus sowie andere Wohnungen.

(Bild: zvg)

Frau W. war in der Wohnung nebenan

Deshalb sei sie dann zur Wohnung nebenan gerannt, wo eine 92-jährige Frau lebt. Als sich die Tür öffnete, habe sie dann aber nicht schlecht gestaunt, sagt Röösli. «Vor mir stand nicht die betagte Frau, sondern Frau W., in deren Wohnung es brannte.» Die 92-jährige Frau war gar nicht zuhause.

«Wie sich herausstellte, hatte sie gut eine Stunde vor dem Brand das Haus verlassen und war auf dem Weg nach Zürich», sagt Tatjana Röösli. Dies hätten so auch die Behörden bestätigt. Wieso Frau W. in der Wohnung der betagten Frau war, weiss sie nicht. Jedenfalls sei es klar, dass sie das Haus nicht verlassen hatte, um eine Freundin zur Bushaltestelle zu begleiten (zentralplus berichtete).

Einen der Hunde gerettet

Sofort habe sie Frau W., die in Panik geriet und darum völlig von der Rolle war, den Schlüssel für die brennende Wohnung entrissen, um die beiden eingesperrten Hunde zu befreien. «Mit dem T-Shirt vor Mund und Nase ging ich in die Wohnung. Der Rauch war so dicht, dass ich mich kaum orientieren konnte», erzählt Röösli.

Zum Glück konnte sie einen der beiden Hunde nach wenigen Augenblicken finden und vor die Wohnungstür werfen. «Die alte Hündin konnte ich aber leider nicht mehr retten», bedauert Röösli. «Denn plötzlich erschien mein Lebenspartner und zerrte mich aus der bereits extrem heissen Wohnung.» Wie ihr die Feuerwehr mitgeteilt habe, betrug die Temperatur des Rauches zwischenzeitlich zirka 800 Grad.

Gehörlose Frau gerettet

Sie habe nur noch funktioniert, beschreibt Röösli die bangen Minuten vor dem Eintreffen der Feuerwehr. «Im Block wohnt auch eine gehörlose Frau, die vom Trubel im Treppenhaus natürlich nichts mitbekommen hatte. Klopfen und Schreien an der Tür nützte verständlicherweise nichts.»

Durch kräftiges «Herumriegeln» an der Türfalle habe sie es aber geschafft, die Bewohnerin auf sich aufmerksam zu machen. Als sie dann gemeinsam nach draussen gingen, lag inzwischen Frau W. im Treppenhaus auf dem Boden. «Wahrscheinlich ist sie wegen der ganzen Aufregung und des Stresses zusammengebrochen», vermutet Röösli.

Eine Nacht im Spital

Wegen ihres beherzten Eingreifens musste Tatjana Röösli eine Nacht im Spital verbringen. «Es gab den Verdacht einer schweren Rauchvergiftung und ich hatte Wasser auf der Lunge.» Der Brand habe sich ausserdem stark in ihrem Kopf eingebrannt, so Röösli. «Ich rieche ständig und überall Rauch und habe die ganze Woche schlecht geschlafen. Ich will aber keine Heldin sein», sagt Röösli. «Ich bin der Meinung, dass es meine Pflicht war, meinen Nachbarn zu helfen.

Zurzeit wohnt sie bei ihrem Bruder. Auch die anderen Hausbewohner seien bei Verwandten und Freunden untergekommen. Wann die Leute wieder in ihre Wohnung zurückkehren können, ist noch nicht klar. Warum es zum Brand kam, wird derzeit noch untersucht.

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