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Sie machen mit Airbnb ein gutes Geschäft, doch wie lange noch?
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Schöne teure Airbnb-Welt: Ein Altstadtapartment schlägt mit 419 Franken zu Buche. (Bild: jwy)

Kommerzielle Anbieter aus Luzern Sie machen mit Airbnb ein gutes Geschäft, doch wie lange noch?

6 min Lesezeit 22.07.2018, 05:13 Uhr

Mallorca und Bern machen es vor: Sie schieben Airbnb einen Riegel. Auch in der Touristenhochburg Luzern fordern Politiker eine Einschränkung von kommerziellen Angeboten. Tatsächlich gibt es auch hier Airbnb-Anbieter mit einer zweistelligen Anzahl von Wohnungen. Diese räumen ein, dass man so «ziemlich viel Geld machen» könne.

Darf’s eine «charming» Villa mit vier Schlafzimmern sein? Ein Luxusapartment im Herzen der Altstadt für 420 Franken die Nacht? Oder lieber ein urbanes Studio mit Neustadtfeeling? Wer sich durch das Airbnb-Angebot auf dem Platz Luzern klickt, erhält etliche «cozy bedrooms» an besten Lagen. 300 Einträge sind es in der Stadt mit gut 600 Betten. Das ist verglichen mit den 6’000 Hotelbetten in Luzern zwar immer noch eine Nische, aber eine stark wachsende.

Es sind längst nicht nur private Anbieter, die gelegentlich ein Zimmer oder ihre Wohnungen feilbieten, wenn sie verreisen. Immer häufiger stösst man auf professionelle User, die mehrere Apartments oder Studios an Toplagen gewerbsmässig anbieten. Mit Folgen.

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Druck auf Mieten steigt

Die eine Herausforderung ist, dass Airbnb-Anbieter gleich wie Hotels und Bed and Breakfasts Kurtaxen zahlen müssen. Die Stadt Luzern kontrolliert das und betreibt dafür einigen Aufwand (zentralplus berichtete).

Das andere Problem ist, dass in Touristenhochburgen immer mehr Wohnungen gar nicht mehr bewohnt, sondern permanent auf Airbnb vermarktet und zu einem x-Fachen des Mietpreises an Touristen vermietet werden.

Nun regt sich Widerstand: Palma de Mallorca hat Airbnb ab Juli 2018 kurzerhand verboten, weil die steigenden Mieten für die Einheimischen zum Problem wurden. So weit sind wir in Luzern nicht, aber auch hier melden sich Kritiker zu Wort.

Berner Modell für Luzern?

Die «Flut an kommerziellen Anbietern mit mehreren, ansonsten unbewohnten Unterkünften im Angebot» hat den SP-Politiker Cyrill Studer zu einem Vorstoss animiert. Er hat es nicht auf private Anbieter abgesehen, die gelegentlich Zimmer oder ihre Wohnung vermieten, sondern fordert eine Einschränkung professioneller Airbnb-Angebote nach Berner Vorbild. Dort unterbindet die Stadt seit Kurzem professionelle Airbnb-Angebote in der Altstadt. Dies, weil die Angebote den Wohnraum für Ortsansässige verdrängen oder unbezahlbar machen.

In Luzern litten vorab die Innen- und Altstadt unter dem Verdrängungsdruck, so Studer. Mit seinem Vorstoss will er den Stadtrat beauftragen, das Berner Modell für Luzern zu prüfen.

In Luzern stösst man auf einige kommerzielle Anbieter, die auf Airbnb mehrere Wohnungen anbieten.

In Luzern stösst man auf einige kommerzielle Anbieter, die auf Airbnb mehrere Wohnungen anbieten.

(Bild: jwy)

Cyrill Studer, Geschäftsleiter des Luzerner Mieterverbandes, gibt zwar zu, dass die Airbnb-Problematik in Luzern glücklicherweise noch nicht auf dem Niveau von Venedig oder Barcelona – oder eben Palma – ist. «Aber wir müssen den Fuss jetzt in die Tür kriegen, damit sich die Probleme von anderen Orten bei uns nicht wiederholen», sagt er. Denn die Voraussetzungen seien in Luzern als Tourismus-Hotspot gegeben, dass sich das Problem verschärfen könnte.

«Am Anfang waren alle überfordert mit dem Thema», so Studer. Man sei bereits froh, wenn Airbnb-Anbieter die Tourismusabgabe zahlen. «Aber damit allein ist es nicht getan, vielmehr darf keine Wohnraumverdrängung stattfinden.»

Allein in der Neustadt finde man Dutzende Wohnungen auf Airbnb. «Es spricht sich schnell rum, dass man damit ein Mehrfaches des normalen Mietzinses verdienen kann», so Studer.

420 Franken pro Nacht in der Altstadt

Man stösst schnell auf Airbnb-Anbieter, die in Luzern drei oder mehr Apartments vermieten – wir haben ein paar von ihnen angeschrieben. Da ist etwa User Patrik, der in Luzern 25 Objekte vermietet. Darunter gibt’s verschiedene Lofts und Apartments direkt am Hirschenplatz mitten in der Altstadt. Das «Luxury historic old town apartment» kostet etwa 419 Franken die Nacht, es bietet drei Schlafzimmer, zwei Badezimmer und acht Betten.

Auch der Luzerner User Daniel geschäftet gut auf Airbnb. Er vermietet sechs Apartments und trägt die Auszeichnung «Superhost», weil er von Gästen besonders gut bewertet wurde. Mit «Luxury», «comfy» und «modern» werden seine Objekte beschrieben, die zwischen 90 und 160 Franken pro Nacht kosten.

«Airbnb ist eine Konkurrenzansage an Hotels; wer seine Sache schlecht macht, geht unter.»

User Daniel

Daniel tritt zwar als Privatperson auf, bezeichnet sich aber als kommerziellen Anbieter. Er zahlt Kurtaxen und versteuert den Gewinn. Es hat so angefangen: «Ich habe meine eigene Wohnung auf Airbnb gestellt, als ich reisen war, und habe so ein Geschäftsmodell entdeckt», schreibt er. Heute vermietet er vier Apartments permanent, gelegentlich seine eigene Wohnung und die einer Freundin.

Er lobt die Sharing Community, den freien Markt und die neue Konkurrenz. Verbote und Einschränkungen jeglicher Art lehnt Daniel ab. «Airbnb ist eine Konkurrenzansage an Hotels; wer seine Sache schlecht macht, geht unter», so seine Losung. Auch als Nutzer, der geschäftlich oft auf Reisen ist, möchte er nicht mehr darauf verzichten.

Laut Daniel, der auch «normale» Mietwohnungen vertreibt, ist der Leerstand in der Stadt momentan relativ hoch, die Mietpreise würden eher sinken durch die «übertriebene Bauwut der Pensionskassen, Versicherungen und Baufirmen». Darum könne man Luzern nicht mit anderen Städten Europas vergleichen. Falls sich die Situation verschärfe, könne man Lösungen finden. «Aber Verbote bringen meistens andere Probleme mit sich», ist er sich sicher.

Sogar das Hotel Luzernerhof vermietet auf Airbnb Apartments.

Sogar das Hotel Luzernerhof vermietet auf Airbnb Apartments.

(Bild: jwy)

Auch ein Hotel ist auf Airbnb

Früher oder später stösst man auf Userin Sofia, wenn man auf Airbnb nach Luzern sucht. Sie vermietet 14 Studios und Apartments, die zwischen 90 und 300 Franken pro Nacht kosten. Sie tragen Namen wie «Residence zum Löwen» oder «Residence zur Musegg».

«Ich habe ziemlich viel Geld verdient mit Airbnb.»

Hotelierin Sofia Dittli

Interessant ist dabei: Hinter dem Nick Sofia steckt das Hotel Luzernerhof respektive dessen Mitinhaberin Sofia Dittli. Darauf angesprochen, legt sie Wert darauf, dass sie nicht mit dem Hotel auf Airbnb ist, sondern mit ihren weiteren Liegenschaften in der Nähe (abgesehen von einer Suite für 300 Franken). Sie gibt zu: «Ich habe ziemlich viel Geld verdient mit Airbnb, das ist eine super Sache, wenn man es richtig macht.» Die Gäste seien in der Regel sehr angenehm und sie habe sich einen guten Namen gemacht. Tatsächlich sind die über 400 Bewertungen fast ausschliesslich positiv.

Hotelverband unterstützt Verbote

Man könnte Dittlis Präsenz auf Airbnb als Pakt mit dem Teufel bezeichnen, hat doch die Hotellerie ihre liebe Mühe mit der dynamischen und schnell wachsenden Konkurrenz im Netz. Der Verband Hotelleriesuisse begrüsst Massnahmen wie die neuen Einschränkungen in Bern. Begrenzte Verbote könnten sinnvoll sein, sagte Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig kürzlich zur «Schweiz am Sonntag». Der Verband will so verhindern, dass professionelle Anbieter mit mehr als drei Objekten auf Airbnb den Hotels das Geschäft vermiesen.

Von Sofia Dittli hört man indes kein negatives Wort über die Online-Konkurrenz – im Gegenteil, sie ist begeistert von den Möglichkeiten von Airbnb. Sie zahle zudem gleich wie mit ihrem Hotel sämtliche Abgaben wie Kurtaxen oder Mehrwertsteuer.

Immerhin in einem Punkt ist Dittli mit SP-Politiker Cyrill Studer einig: «Ich bin nicht damit einverstanden, wenn man mit Airbnb den Luzernern die Wohnungen wegnimmt.» Sie sieht das Problem jedoch eher bei den kommerziellen privaten Anbietern als bei den Hotels.

Für Cyrill Studer ist es letztlich «ein zusätzliches Alarmzeichen», wenn inzwischen sogar Hotels gezwungen seien, auf die Konkurrenzplattform zu setzen.

Lesen Sie am Montag, was der Apartment-Vermieter Patrik Berisha zu den Forderungen sagt.

Eine Suite im Hotel Schweizerhof gefällig? Auch dies findet man auf Airbnb.

Eine Suite im Hotel Luzernerhof gefällig? Auch dies findet man auf Airbnb.

(Bild: jwy)

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