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Sie holten zahlreiche Rockgrössen nach Cham – nun noch Bob Geldof
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Das Erfolgs-Quartett von «Live in Cham (v.l.n.r.): Martin Kaufmann, Markus Stoller, Christoph Walker und Polo Fischer. (Bild: sib)

«Live in Cham» feiert einen der letzten Höhepunkte Sie holten zahlreiche Rockgrössen nach Cham – nun noch Bob Geldof

5 min Lesezeit 07.09.2018, 15:05 Uhr

2005 schickte sich ein Quartett an, Cham in der Konzertlandschaft gross zu machen. Ende Jahr ist nun Schluss. Doch bevor Wehmut aufkommen kann, gilt es den Auftritt von Bob Geldof im Lorzensaal über die Bühne zu bringen. Hoffentlich geht es mit dem irischen Rockstar nicht so wie mit dem Ex-AC/DC-Drummer.

«Meist kommen die Spezialwünsche erst vor Ort. Bob Geldof hat einzig den Wunsch geäussert, dass er einzeln mit einer Limousine abgeholt werden möchte – während der Rest der Band per Car hierherkommt», erzählt Martin Kaufmann. Er bildet zusammen mit Polo Fischer, Markus Stoller und Christoph Walker das Quartett, das dafür zuständig ist, dass sich die irische Rocklegende am Samstag im Chamer Lorzensaal die Ehre gibt.

Dies geschieht im Rahmen der Konzertreihe «Live in Cham», welche das Quartett vor über 14 Jahren ins Leben gerufen hat. Seither haben sie zahlreiche Stars und Rockgrössen für Auftritte zumeist im grossen Steirersaal des Restaurants Kreuz gewinnen können: Barclay James Harvest, Manfred Mann’s Earth Band, Ten Years After, The Hooters, Mungo Jerry oder Nina Hagen, die am 20. Oktober unabhängig von «Live in Cham» in der Chollerhalle auftritt. Dazu nationale Grössen wie Stiller Has oder Polo Hofer.

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Laut Kaufmann sei es gar nicht so schwierig, an die Musiker heranzukommen. «Auf deren Website kann man einen ersten Kontakt herstellen. Das Problem ist eher, dass sie von uns einen finanziellen Vorschlag verlangen, wie viel wir zu zahlen bereit sind.» Nach etwas Feilschen reiche es dann oder eben nicht. «Aber an die ganz Grossen kommt man schon nicht via Internet», schiebt er nach.

Wo ist der ehemalige AC/DC-Drummer?

Ursprünglich war auch geplant, Anfang Mai den ehemaligen AC/DC-Schlagzeuger Phil Rudd nach Cham zu lotsen. Doch: «Er ist nicht gekommen und wir wissen nicht einmal, weshalb», sagt Markus Stoller, der für Finanzen und Technik zuständig ist. «Vielleicht sitzt er auch im Gefängnis oder ist wieder einmal abgestürzt.» Rudd habe die gesamte Tournee abgesagt. «Wir haben erst die Hälfte des Geldes gesehen und rennen nun entsprechend dem Rest hinterher», sagt Kaufmann.

Unter Umständen war die Absage aus künstlerischer Sicht kein so grosser Verlust, wenn man an Rudds Konzert im Kaufleuten exakt ein Jahr zuvor denkt. Nach weniger als 50 Minuten war der Spass bereits vorbei.

«Es ist toll, wenn dir Ten Years After Anekdoten von Woodstock erzählen.»

Martin Kaufmann, Organisator «Live in Cham»

Sie hätten das Risiko eben nie gescheut und auch Künstler verpflichtet, vor denen sie im Vorfeld gewarnt worden seien, so Christoph Walker. Doch Probleme hätten sie nie gehabt. Im Gegenteil. Nach ihren Highlights aus über einem Jahrzehnt «Live in Cham» gefragt, nennen sie die persönlichen Gespräche mit den Musikern bei Pizza und Bier.

Geschichten vom Woodstock

«Es ist schon etwas Besonderes, wenn dir beispielsweise die Jungs von Ten Years After Anekdoten vom Woodstock erzählen», erklärt Kaufmann nicht ohne Stolz. Doch mussten es nicht immer internationale Namen sein, wie Stoller betont. Auch Les Sauterelles mit Toni Vescoli oder der im vergangenen Jahr verstorbene Hanery Ammann, der unter anderem Polo Hofers «Alperose» geschrieben hat, hätten einen faszinierenden Einblick in die Musikwelt gewährt.

Rechts hinten: Eine Erinnerung an Nina Hagen, die im vergangenen Jahr im Lorzensaal auftrat.

Rechts hinten: Eine Erinnerung an Nina Hagen, die im vergangenen Jahr im Lorzensaal auftrat.

(Bild: sib)

Den ganzen Begegnungen und Geschichten zum Trotz: «Live in Cham» wird es nur noch dieses Jahr geben. Zu Ende geht die Reise am 24. November mit einem Doppelkonzert der Bluesmusiker Aynsley Lister und des Adligenswilers Dominic Schoemaker (zentralplus berichtete).

Die Meinungen innerhalb des Quartetts gehen auseinander, ob sich bereits jetzt Wehmut einstellt. «Im Moment nicht besonders. Noch haben wir den Fokus voll auf das nächste Konzert gelegt. Das wird dann wohl erst beim letzten Auftritt kommen», sagt Stoller.

Rock’n’Roll-Feeling in Cham

Kaufmann hingegen betont, dass bereits etwas nostalgische Gefühle entstehen können, wenn man an die vielen schönen Momente zurückdenke. «Ich habe das Gefühl, wir konnten dieses Rock’n’Roll-Feeling schon ein bisschen spüren und in die Region bringen.» Aber man solle eben auch aufhören, solange es noch passt, ergänzt Polo Fischer.

«Es gibt nicht den einen Grund, weshalb wir einen Schlussstrich ziehen.»

Martin Kaufmann

Walker sagt, es habe auch Mitglieder gegeben, die versucht hätten, sie umzustimmen. Doch sei klar, dass es «Live in Cham» nur noch dieses Jahr geben wird. Aber warum eigentlich?

Keine Gefahr, ins Loch zu fallen

«Es gibt nicht den einen Grund, weshalb wir einen Schlussstrich ziehen», so Kaufmann. Vielmehr hätten sie entschieden, dann aufzuhören, wenn einer das Gefühl habe, dass Schluss sei. «Es war uns wichtig, dass wir vier das machen. Wir haben uns entsprechend nicht darum bemüht, einen Nachfolger zu finden. Das ist aus unserer Sicht auch gar nicht möglich», betont Walker. Das Beziehungsnetz könne man nicht einfach weitergeben.

Ein grosses Loch werde es jedoch nicht geben. Sie alle hätten eigene Geschäfte und entsprechend genug zu tun. Kaufmann beispielsweise verdient seine Brötchen in der Druckerbranche. Fischer führt in Cham ein Malergeschäft.

Mungo Jerry dokumentierten ihren Aufenthalt in Cham 2016:

Auf die Frage, ob es in der Zeit von «Live in Cham» auch Künstler gegeben habe, die sie nicht verpflichten konnten, kommen Kaufmann auf Anhieb die ganz grossen Namen wie Sting, Robert Plant oder Deep Purple in den Sinn, bei denen man es gar nicht erst versuchen müsse.

Steppenwolf waren zu teuer

Doch nach einem Schluck Kaffee kommt ihm dann doch ein Name in den Sinn, um den sie vergeblich gebuhlt haben: Steppenwolf, durch ihren Song «Born To Be Wild» weltberühmt geworden. «Allerdings verlangten sie 100’000 Franken und wollten zudem eingeflogen werden – das konnten wir nicht stemmen», sagt Kaufmann. Und auch Stoller fällt mit Simple Minds noch eine Band ein, die sie auf der Liste gehabt hätten.

Zur Einstimmung auf den Samstag:

Zurück zum Samstag. Zurück zu Bob Geldof, dem Mann, der mit den Boomtown Rats, den Live-Aid-Konzerten und Songs wie «I Don’t Like Mondays», «This Is the World Calling» oder «The Great Song of Indifference» Musikgeschichte geschrieben hat.

Übernachtung in Risch

Es sei so weit alles organisiert. Am Abend davor hat er noch ein Konzert in Schaffhausen, deswegen werden die Limousine und der Bus nötig. Als Übernachtungsmöglichkeit für den sozialpolitisch engagierten Musiker haben sie das Hotel Waldheim in Risch ausgewählt. «Nur beim Aufbau müssen wir noch schauen, dass wir alles hinkriegen», ergänzt Fischer.

Ob für den Abschied im November etwas Besonderes geplant ist, lassen die vier offen. Walker dazu: «Wichtig ist, dass es ein schöner Abend mit gelungenen Konzerten wird und alle glücklich nach Hause gehen.»

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