Sicherheitsgurte im ZVB-Bus: Es gibt sie zwar, sie werden aber nicht benutzt
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In den Linienbussen der ZVB hat es teils Gurte – dies, weil die Fahrzeuge manchmal für Privatfahrten eingesetzt werden. (Bild: Beat Holdener) (Bild: Beat Holdener)

Kein Obligatorium Sicherheitsgurte im ZVB-Bus: Es gibt sie zwar, sie werden aber nicht benutzt

2 min Lesezeit 05.05.2021, 05:00 Uhr

In den Linienbussen der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) sind immer häufiger Sicherheitsgurten zu finden. Müssen sich die Passagiere künftig anschnallen? zentralplus hat nachgefragt.

In Reisecars gibt es sie, in Postautos – und auch im Flix-Bus: Sicherheitsgurte, welche die Fahrgäste benutzen sollten, um sicher von A nach B zu kommen. Auch in den Bussen der ZVB sind sie teils zu sehen. Gilt auf Bergstrecken wie Oberägeri-Raten neuerdings eine Anschnallpflicht?

ZVB-Sprecherin Karin Fröhlich winkt ab. Die ZVB würde über die Tochterfirma Zugerland Mobil Extrafahrten anbieten. «Bei Extrafahrten ausserhalb des Liniennetzes mit Zugerland Mobil werden Busse mit Sicherheitsgurten eingesetzt. Deshalb sind innerhalb der ZVB-Flotte seit Jahren immer einige Fahrzeuge entsprechend ausgestattet», so Fröhlich.

Sicherheit vs. Kapazität

Im öffentlichen Personenverkehr gibt es kein Obligatorium für Sicherheitsgurte – und es ist auch kein solches geplant. «Eine Gurtentragpflicht würde das Angebot von Stehplätzen ausschliessen», erklärt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). Anders gesagt: Gilt eine Anschnallpflicht, dürfen Passagiere aus rechtlichen Gründen nicht während der Fahrt im Bus stehenbleiben. Die Gurtpflicht würde deshalb die Kapazität der Busse «massivst beschränken». Und das bei zum Teil äusserst kurzem Aufenthalt der Passagiere im Bus, was «kaum praktikabel ist», findet Rohrbach.

Es handelt sich gemäss Astra-Sprecher um eine klassische Güterabwägung. «Der Gesetzgeber nimmt ein tieferes Sicherheitsniveau zugunsten hoher Leistungsfähigkeit und somit Attraktivität der ÖV-Busse in Kauf», erklärt Rohrbach. Bei längeren Busfahrten – zum Beispiel auf Überlandstrecken – empfiehlt das Astra, allenfalls vorhandene Gurten freiwillig zu nutzen. «Gerade auf alpinen Postautostrecken, wo man länger im Bus sitzt und die Fahrzeuge oft reisecarähnlich ausgestattet sind», meint Rohrbach.

In Luzern gibt’s Unfälle im Wochentakt

Diese Praxis hat sich aus Sicht des Astra bewährt. «Die Unfallstatistik liefert auch keine Gründe, dies zu ändern», so der Sprecher. Wie oft sich Passagiere in Zuger Bussen verletzen, ist allerdings unbekannt. Sprecherin Karin Fröhlich sagte 2019 gegenüber zentralplus, Anfahr- und Stoppunfälle seien «sehr selten und würden nicht einmal separat ausgewertet». Generell habe man sehr tiefe Unfallzahlen.

Anders ist die Situation bei den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL): Im Durchschnitt zählten sie in den vergangenen Jahren rund 60 Anfahr- und Stoppunfälle, was mehr als einem solchen Unfall pro Woche entspricht.

Mitarbeit: Carlo Schuler und Beat Holdener.

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