Sicherheit: Kanton Luzern will einen «Cyber-Koordinator»
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Der Kanton Luzern will sich auf Cyber-Gefahren besser vorbereiten. (Bild: Shutterstock)

Tägliche Angriffe aus dem Netz Sicherheit: Kanton Luzern will einen «Cyber-Koordinator»

3 min Lesezeit 2 Kommentare 29.06.2021, 15:00 Uhr

Die Luzerner Regierung macht sich Sorgen, welche Auswirkungen ein gross angelegter Cyber-Angriff auf die Bevölkerung im Kanton haben könnte. Um der Gefahr vorzubeugen, soll eine «Cyber-Koordinatorin» her. Die Stelle wird in den nächsten Monaten ausgeschrieben.

Cyber-Attacken sind allgegenwärtig. Dass bekannte Firmen wie die Ruag und die Hirslanden-Kliniken angegriffen wurden, ist bekannt. Die Dunkelziffer betroffener Kleinunternehmen dürfte aber hoch sein.

Nicht nur der Luzerner Regierung macht das Sorgen, sondern auch der Bevölkerung: «Viele Leute befürchten, die nächste Krise nach der Corona-Pandemie könnte ein Blackout über mehrere Tage wegen eines Cyber-Angriffs sein», sagte Paul Winiker am Dienstag an einer Pressekonferenz. An dieser wurde eine Sicherheitsanalyse vorgestellt, die der Kanton 2018 in Auftrag gegeben hatte.

Tagelanger Stromausfall würde über 200 Millionen kosten

Die Experten kommen in ihrem Bericht zum Schluss, dass ein tagelanger Stromausfall eine der wahrscheinlichsten Katastrophen ist, die dem Kanton Luzern droht. Gemäss der sogenannten «Risikoanalyse Kataplan» – wie der Bericht heisst – würde ein solcher einen Gesamtschaden von über 200 Millionen Franken verursachen.

Als Auslöser werden primär Naturereignisse befürchtet, also orkanartige Winde, Hochwasser, Erdbeben und Erdrutsche. Aber: «Nicht auszuschliessen sind Bedrohungen durch gezielte Anschläge mit terroristischem Hintergrund auf die Infrastruktur der Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber», heisst es im Bericht.

Der Kanton Luzern will aufrüsten

Auch ein Cyber-Angriff könnte einen Ausfall der Informations- und Kommunikationstechnik bewirken. Dagegen ist der Kanton Luzern aus Sicht der Regierung bislang noch nicht ausreichend gewappnet. Sicherheitsdirektor Paul Winiker will deshalb die neue Stelle eines «Cyber-Koordinators» schaffen, der sich voll und ganz diesem Problem widmet. «Es gibt sehr viele Akteure und Einfallstore in diesem Bereich», so Winiker an der Pressekonferenz. «Jemand muss jederzeit den Überblick haben und Cyber-Gefährdungen kennen.»

Folgende Aufaben soll die Cyber-Koordinatorin übernehmen:

  • Vermeidung eines Angriffs durch geeignete Massnahmen
  • Finanzielle Schadensbegrenzung / Vermeidung von Reputationsschäden
  • Nach einem Angriff: Wiederaufnahme des Betriebs organisieren
  • Sensibilisierung und Schulung der Kantonsmitarbeitenden – inklusive der Durchführung entsprechender Übungen

Mehr Ressourcen auch bei der Polizei

Die Stelle wird in den nächsten Monaten ausgeschrieben. Wie viel sie kosten wird, wollte Winiker auch auf Nachfrage eines Journalisten nicht beziffern. Dies werde dem Aufgaben- und Finanzplan zu entnehmen sein, noch sei nichts «in Stein gemeisselt.» Angedacht ist, dass die neue Stelle im Justizdepartement angesiedelt wird und die Cyber-Koordinatorin ihre Arbeit nächstes Jahr aufnimmt. «Parallel wollen wir dem Parlament eine Verstärkung der Cyber-Abteilung bei der Luzerner Polizei vorschlagen», kündigte Winiker an.

Kantonale Gefährdungs- und Risikoanalyse Kataplan

Was früher als «mögliche Gefährdung» eingestuft wurde, ist im letzten Jahr mit der Covid-19-Pandemie bittere Realität geworden. Die Gefahr, dass weitere Risiko-Szenarien der Kantone eintreten, besteht – das hat uns die Erfahrung gelehrt. Der Luzerner Regierungsrat hat nun eine neue kantonale Gefährdungs- und Risikoanalyse ausarbeiten lassen, um sich zu wappnen.

Die 15 relevanten Gefährdungen teilt der Kanton in drei Kategorien ein:

  • Naturbedingt: Erdbeben, Trockenzeit/Hitzewelle, Hochwasser, Unwetter
  • Technikbedingt: Stromausfall, Ausfall Informations- und Kommunikationstechnologien, KKW-Unfall, Unfall Verteilinfrastruktur Erdgas-/Erdölprodukte
  • Gesellschaftsbedingt: Epidemie/Pandemie, Andrang Schutzsuchender, Tierseuche, Verunreinigung Trinkwasser, Terroranschläge

Pro relevante Gefährdung besteht nun ein «Gefährdungsdossier». Es enthält Interventionskonzepte, personelle und materielle Ressourcenplanungen sowie Ausbildungen und Übungen.

22 Sicherheitsmassnahmen werden bereits umgesetzt. 101 weitere Massnahmen werden von den jeweils verantwortlichen Organisationen im Tagesgeschäft umgesetzt, wie der Kanton in einer Medienmitteilung schreibt.

Zu den zehn Massnahmen, in welche auch die Regierung einbezogen wird, gehört neben der Schaffung der Stelle einer Cyber-Koordinatorin die Überprüfung der Leistungsaufträge des Zivilschutzes.

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2 Kommentare
  1. Hegard, 29.06.2021, 20:01 Uhr

    Die Postfinanz macht es richtig.Sie lässt Hacker öffentlich zu,um Fehler
    und Schwachstellen zu beheben.
    Bin aber erstaunt darüber,denn Sie ist nicht mal fähig,die Pension pünktlich auszuzahlen.

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  2. Hegard, 29.06.2021, 19:52 Uhr

    Sehr erstaunlich diese
    Einsicht.Anscheinend sind gewisse Leute aufgewacht und sehen ein,das die letzte Abstimmung über die Digitaliesierung sehr Naiv war,aber zum Glück nicht angenommen wurde.
    Sie sehen jetzt auch zB wie gefährlich ein Stromaus Fall wäre.usw nicht nur der Zahlungsverkehr Auch der Bund geht sehr Naiv damit um.
    Um cyberattaken abzu wehren brauchts eine Armee.Zb.die Grossmächte habe schon lange eine Hacker Armee.

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