Showdown bei der FDP: Wen schickt die Partei ins Rennen?
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Rolf Born, Jim Wolanin und Fabian Peter (v.l.n.r.) buhlen um die Gunst der FDP-Delegierten. (Bild: jal)

Drei Kandidaten für Luzerner Regierungsratswahlen Showdown bei der FDP: Wen schickt die Partei ins Rennen?

8 min Lesezeit 27.06.2018, 05:03 Uhr

Wer tritt in die Fussstapfen von Regierungsrat Robert Küng? Die drei Kantonsräte Jim Wolanin, Rolf Born oder Fabian Peter buhlen um einen Platz auf dem FDP-Ticket. Inhaltlich unterscheidet sich das Trio kaum – und gerade deshalb dürfte es an der Delegiertenversammlung diesen Donnerstag zum Kopf-an-Kopf-Rennen kommen.

Am Donnerstag geht es bei der FDP um die Wurst. Die Delegierten erküren, wer Ende März 2019 ins Rennen um ein Amt im Regierungsrat steigt. Denn der amtierende FDP-Vertreter, Robert Küng, tritt nicht mehr an.

Drei Männer wollen den Willisauer beerben: Rolf Born, Jim Wolanin und Fabian Peter. Wer von den dreien es schafft, hängt auch davon ab, ob die FDP einen oder zwei Sitze anpeilt. Die Geschäftsleitung will mit einem Zweierticket an den Start gehen, doch das ist noch nicht in Stein gemeisselt. Es ist davon auszugehen, dass ein Antrag für eine Einerkandidatur an der Versammlung in Sempach die Debatte über die Zahl der Kandidaten entfacht.

Born, Wolanin und Peter tragen alle ein durch und durch liberales Gewand, das sich nur in Nuancen von den anderen unterscheidet. Sie alle stehen ein für die Luzerner Tiefsteuerstrategie, für einen schlanken Staat und Eigenverantwortung der Bürger. Alle drei sitzen für die FDP im Kantonsrat und alle drei sind in ihrer Gemeinde politisch aktiv. Und alle drei bestätigen, dass ihre Positionen in Sachfragen kaum voneinander abweichen.

Dennoch unterscheiden sich die drei Politiker. Zum einen naturgemäss hinsichtlich ihrer Biografie. Zum anderen hinsichtlich ihrer Standpunkte zu einzelnen Fragen. Darüber hinaus bevorzugen zudem alle eine andere Direktion, wie sich im Rahmen der «Road Show» zeigte, an der sich die drei in den letzten Wochen den Parteimitgliedern präsentierten.

Die drei Kandidaten im Überblick (mehr Infos durch Klicken auf Fotos):

Rolf Born – der erfahrene Teamplayer

Rolf Born wollte bereits vor acht Jahren in die Regierung, unterlag in der internen Ausmarchung damals aber Robert Küng. Nun will der Verteidiger des FC Kantonsrat in die Offensive. Der 55-Jährige hat die politische Ochsentour absolviert, die nun von der Wahl in die Kantonsregierung gekrönt werden soll.

Seine Erfahrung ist denn auch sein grösster Pluspunkt gegenüber den zwei deutlich jüngeren Gegenkandidaten. Der passionierte Fussballer sagt selber: «Wenn man Valon Behrami oder Yann Sommer auswechselt, kommt auch keine Nachwuchshoffnung auf den Platz, sondern jemand mit Spielerfahrung wie Denis Zakaria oder Roman Bürki.» Wenn es darum geht, die Kantonsverwaltung mit Kaderangestellten zu führen, bringe er als Präsident der zweitgrössten Gemeinde des Kantons einen Vorteil mit.

Rolf Born aus Emmen nennt FDP-Urgestein Franz Steinegger als Vorbild.

Rolf Born aus Emmen nennt FDP-Urgestein Franz Steinegger als Vorbild.

(Bild: jal)

Seine politischen Visionen entsprechend traditionell liberalen Anliegen. Rolf Born möchte neue Arbeitsplätze ansiedeln, die Bürokratie zurückfahren und eine unternehmensfreundliche Steuerpolitik etablieren. Auch die Sicherheit im Kanton ist ihm wichtig, dafür ist der Oberst im Generalstab auch in Emmen zuständig. Müsste er wählen, wäre sein Wunschdepartement entsprechend die Justiz- und Sicherheitsdirektion. «Als Generalist bin ich aber bereit und in der Lage, jede Direktion zu führen», sagt er.

«Wichtig ist, dass man das Verständnis für alle Regionen hat und Lösungen für alle sucht – und nicht, wo man selber wohnt.»

Rolf Born, FDP-Regierungsratskandidat

Als politisches Vorbild bezeichnet er Franz Steinegger, Polit-Urgestein und langjähriger Präsident der FDP Schweiz. «Sei es Hochwasserkatastrophe oder Landesausstellung: Franz Steinegger hat auch schwierige Aufgaben mit ruhiger Art bewältigt und bei den Menschen Vertrauen schaffen können.» In einer schwierigen Lage sieht der Gemeindepräsident von Emmen den Kanton indes nicht. Born betont, dass es Luzern – entgegen anders lautender Schlagzeilen – gutgehe. Es werde viel investiert und die Arbeitslosigkeit sei tief. Der 55-Jährige ist allerdings der Meinung, dass der Regierungsrat mehr als Team auftreten sollte. «Zurzeit ist nicht immer eine gemeinsame Stossrichtung spürbar, der einheitliche Auftritt fehlt manchmal etwas.»

Mit Rolf Born würde – nach Marcel Schwerzmann (Kriens), Paul Winiker (Kriens) und Reto Wyss (Rothenburg) – ein weiterer Regierungsrat aus der Agglomeration stammen, was ihm manche als Nachteil auslegen. Der Jurist misst dem allerdings nicht allzu hohe Bedeutung zu. «Wichtig ist, dass man das Verständnis für alle Regionen hat und Lösungen für alle sucht, und nicht, wo man selber wohnt.» Als Präsident des Verbands Luzerner Gemeinden und als ehemaliger Fraktionschef habe er den Beweis erbracht, dass ihm das gelinge, so Born.

Als Fussballfan ist er überzeugt, dass der FCL im Jahr 2022 wieder Schweizer Meister wird. Und seine Prognose für die Nominationsversammlung am Donnerstag? Da spielt er den Pass für einmal weiter – das müssten die Delegierten entscheiden.

Fabian Peter – der bodenständige Familienunternehmer

Bodenständig und gradlinig – mit diesen Worten bewirbt sich Fabian Peter. Es ist derselbe Slogan, der ihn 2015 in den Kantonsrat brachte. Sich neu erfinden, das passt nicht zu ihm. «Authentisch zu bleiben ist mir sehr wichtig», sagt der Gemeindeammann von Inwil. Darauf angesprochen, was ihn von seinen zwei Konkurrenten abhebt, nennt er denn auch keinen inhaltlichen Standpunkt, sondern vielmehr seine offene Art, auf Menschen zuzugehen.

Der 41-Jährige vertritt den KMU-Flügel innerhalb der Partei. Er führt mit seinem Bruder zusammen seit zehn Jahren einen Familienbetrieb im Sanitär- und Heizungsbereich. «Ich habe das Unternehmertum im Blut und möchte das auch in die Regierung einbringen», sagt Peter. Nicht nur beruflich ist er in der Bau-, Umwelt- und Energiebranche zu Hause, sondern auch politisch. So ist er etwa im Vorstand des Verbands Luzerner Gemeinden für diese Themen verantwortlich. So erstaunt es kaum, dass er am liebsten die Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektion von Robert Küng übernehmen würde. «Dort bringe ich absolut am meisten Fachkompetenz mit», sagt Fabian Peter.

Fabian Peter aus Inwil schätzt die Werte des Schwingsports.

Fabian Peter aus Inwil schätzt die Werte des Schwingsports.

(Bild: jal)

Er sieht sich als Bindeglied zwischen Stadt und Land und zwischen den Generationen. Für ihn ist klar, dass die politischen Behörden ein Abbild der Bevölkerung und entsprechend gemischt sein sollten. Deshalb bedauert er, dass die FDP keine Frau für eine Kandidatur gewinnen konnte. Vielfältig sind auch seine politischen Vorbilder. «Geht es um den Auftritt, imponiert mir Barack Obama: Er kann sich mit grosser Überzeugung und Strahlkraft ausdrücken», sagt Fabian Peter. Inhaltlich orientiert er sich gerne an alt Bundesrat Kaspar Villiger.

«Geht es um den Auftritt, imponiert mir Barack Obama: Er kann sich mit grosser Überzeugung und Strahlkraft ausdrücken.»

Fabian Peter, FDP-Regierungsratskandidat

Harte Kritik am Kurs der aktuellen Regierung kommt ihm nicht über die Lippen. Verbesserungspotenzial ortet er indes in der Kommunikation. «Es ist wichtig, ein gutes Gespür zu haben», sagt Fabian Peter. «Ich denke etwa an die Spange Nord: Dort hätte die Regierung früher erkennen müssen, dass das Projekt politisch heikel wird und sie das Gespräch mit den Betroffenen suchen muss.» In solchen Situationen müsse man auch mal vom Standardvorgehen abweichen. «In der Politik kann man Vertrauen schnell verspielen – es wieder herzustellen, ist einiges schwieriger.»

Auch privat schlägt der zweifache Familienvater harmonische Töne an: Fabian Peter jodelt im Chörli Freudejuuzer. Es ist seine Erholung, dort lässt er «die Seele bambeln». Rund ums Sägemehl ist er ebenfalls oft anzutreffen. Der OK-Präsident des kantonalen Schwingfests 2015 in Inwil schätzt nicht nur den Sport, sondern auch die Kultur der Schwinger, wie er sagt. «Man pflegt eine gute Kameradschaft, reicht sich die Hand und ist ehrlich miteinander – das sind auch Werte, die ich vertrete.» Ob er seine zwei Konkurrenten am Donnerstag auf den Rücken legt, lässt Fabian Peter offen. «Ich gehe guten Mutes nach Sempach.»

Jim Wolanin – der dynamische Selfmademan

Viel zu Hause war Jim Wolanin in den letzten Wochen nicht. Der 40-Jährige tourt unentwegt durch die FDP-Landschaft, hat ein Werbevideo gedreht und ist auf den sozialen Medien der Aktivste der drei Kandidaten. «Die Leute sollen sehen, wer ich bin und was ich mache», begründet er. Und die Partei soll sehen, wie engagiert er ist. Denn die Kadenz wird er weiter hoch halten, sollte er nominiert werden. «Ich möchte nicht nur ein Gesicht auf einem Plakat sein, denn auch die Wähler wollen einen fassbaren Menschen in der Regierung.»

Jim Wolanin präsentiert sich gerne als Selfmademan. «Mir ist nichts geschenkt worden, ich habe mir alles selber erarbeitet», sagte er kürzlich an einem Parteianlass in Adligenswil. Der selbstständige Unternehmensberater hat sich darauf spezialisiert, bei Firmen und Organisationen die Strukturen zu analysieren. Auch beim Kanton Luzern möchte er dort ansetzen, man müsse «intelligent sparen statt mit dem Rasenmäher». Auf diesem Weg ortet er beim Kanton noch weiteres Sparpotenzial. Gleichzeitig betont der Sozialvorsteher von Neuenkirch: «Ich will nicht der Supersparminister sein.» Aber ohne den Spardruck wäre manch sinnvoller Entscheid – beispielsweise das Sozialversicherungszentrum – nicht zustande gekommen, ist er überzeugt. 

Jim Wolanin aus Neuenkirch will nicht als Supersparminister wahrgenommen werden.

Jim Wolanin aus Neuenkirch will nicht als Supersparminister wahrgenommen werden.

(Bild: jal)

Jim Wolanin ist ein Zahlenmensch. Insofern erstaunt es wenig, dass – wenn er ganz frei wählen könnte – die Finanzdirektion sein Favorit wäre. «Das würde mir entsprechen», sagt Wolanin, «aber klar, ich nehme, was es gibt.»

«Wenn schon der Geschlechtermix nicht stimmt, dann sollte es wenigstens einen Generationenmix geben.»

Jim Wolanin, FDP-Regierungsratskandidat

Mit seiner Kandidatur will er auch zu einer Verjüngung im Regierungsrat beitragen. «Ich höre oft: Wenn schon der Geschlechtermix nicht stimmt, dann sollte es wenigstens einen Generationenmix geben», sagt der 40-Jährige. Durch sein Alter spreche er auch junge Menschen an und bringe einen anderen Hintergrund mit. Er weist aber auch darauf hin, dass er nicht ungewöhnlich jung ist, auch Marcel Schwerzmann sei bei seiner Wahl 42-jährig gewesen. Jung ist auch Christian Lindner, Chef der wiedererstarkten deutschen FDP, dessen Auftreten Jim Wolanin beeindruckt. «Er ist klar und konsequent für die liberalen Werte eingestanden und hat die Partei – trotz Gegenwind – so wieder gross gemacht.»

Wolanin ist in Biel aufgewachsen und lebt seit fast 20 Jahren im Kanton Luzern. Zu seinem politischen Werdegang, der in der Jugend kurzzeitig über die SP führte, sagt er: «Ich bin nicht durch die Familie in die FDP hineingeboren, sondern habe mich vor langer Zeit bewusst und aus Überzeugung für die Partei entschieden.» Darüber hinaus wäre es in seinen Augen ein schlechtes Zeichen an die Jungen, wenn man in diesem Alter nicht etwas versuchen könne, ohne dass einem das Jahrzehnte später noch vorgeworfen werde.

Zum Ausgleich ist Jim Wolanin gerne in der Natur, geht mit seiner Frau spazieren oder mit seinen Söhnen fischen. Ob er sich auch einen Platz auf dem FDP-Ticket angeln kann? «Das ist schwierig zu sagen, das Rennen ist sehr offen.»

Ein weiterer Punkt also, in dem sich die drei FDP-Kandidaten einig sind.

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