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SGV-Schiff Diamant: Fels reisst Löcher in den Rumpf
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Die MS Diamant während der Taufzeremonie am 4. Mai. (Bild: Pascal Gut)

Havarie auf dem Vierwaldstättersee SGV-Schiff Diamant: Fels reisst Löcher in den Rumpf

3 min Lesezeit 07.12.2017, 23:28 Uhr

Ein Unfall, der an jenen der Titanic erinnert. Das Vierwaldstättersee-Schiff MS Diamant schrammte am Donnerstagabend mit 163 Passagieren an Bord über einen Felsen und schlug Leck. Ohne fremde Hilfe wäre das Schiff gesunken. 

Nach Angaben der Kantonspolizei Nidwalden und der Schiffsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) ereignete sich der Unfall gegen 21.10 Uhr wenige Hundert Meter östlich der Schiffstation Kehrsiten-Bürgenstock vor der Nordflanke des Bürgenstocks. Das Schiff lief bei einer Extrafahrt auf Grund und nahm durch Lecks am seitlichen Rumpf massiv Wasser auf. Das Schiff war über einen Felsen geschrammt

An Bord waren 163 Gästen eines Firmenanlasses im Bürgenstock Resort. Diese konnten das Schiff ebenso wie die Crew unverletzt verlassen.

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Die Pumpen kamen mit Lenzen nicht mehr nach

Die backbordseitig (also links) beschädigte MS Diamant wurde dann am Freitag morgen nach Luzern überführt. Das Schiff war soweit flott gemacht worden, dass es selber fahren konnte. Dennoch wurde es durch die «Winkelried» und kleinere Boote eskortiert.

Zuvor hatten in der Nacht Feuerwehren an der Station Kehrsiten-Bürgenstock das Wasser abgepumpt, das unter anderem in der Küche fast mannshoch stand. Neben den schiffseigenen Pumpen waren auch externe Geräte der Feuerwehr im Einsatz. Die waren nötig, denn drei von zehn Schotträumen waren geflutet. Hätte die Feuerwehr nicht eingegriffen, wäre die Diamant gesunken (siehe Kasten).

Nächtlicher Grosseinsatz der Retter

Ein halbes Dutzend Taucher suchten den Rumpf nach Lecks ab. Schweisser und Feuerwehrleute dichteten sie ab. Im Einsatz standen die Polizei, die Seepolizei, verschiedene Feuerwehren und technische Spezialisten – insgesamt an die 100 Leute.

 

Tiefgang von nur 1,4 Metern

Offizielle Angaben zum Unfallhergang sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erhältlich. Die Untersuchung findet durch die Polizei, Staatsanwaltschaft und die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) statt.

Da die «Diamant» einen Tiefgang von nur 1,4 Metern hat und die Löcher an der Seite auftraten, drängt sich die Vermutung auf, dass das Schiff zu nahe dem Ufer entlang gefahren ist. 

Der Stolz der SGV

Die MS Diamant ist das jüngste Schiff der Vierwaldstättersee-Flotte und der Stolz der Schifffahrtsgesellschaft. Das Motorschiff kostete gut 15 Millionen Franken und hat als einzige SGV-Einheit drei Decks. Es feierte seien Jungfernfahrt im vergangenen Mai und wurde von der SGV-Werft, der Shiptec AG, gebaut.

Warum die Schiffsbänke aus Holz sind

Wer sich bei einer Dampferfahrt auf dem Vierwaldstättersee schon gefragt hat, warum alle Sitzbänke auf den Aussendecks aus Holz sind, findet den Grund in der Titanic-Katastrophe aus dem Jahr 1912. Nachdem das Schiff im Nordatlantik mit einem Eisberg zusammengestossen und gesunken war, wurden die Sicherheitsvorschriften auch in der Schweiz verbessert. 

Da ein alter Vierwaldstättersee-Raddampfer sinken würde, wenn der Maschinenraum vollläuft, muss er mehr Rettungsmittel mitführen, als er Passagiere befördern kann. Die Holzbänke gelten als Behelfs-Rettungsmittel und sollen im Notfall schwimmen, damit sich die Passagiere daran festhalten können, bis Helfer ankommen. Primär wird allerdings auf Rettungsinseln und Schwimmwesten gesetzt.

Knapp an der Katastrophe vorbei

Ein modernes Motorschiff wie die die Diamant hingegen muss nur für einen Teil der Passagiere Westen und Rettungsinseln mitführen. Denn die Schweizer Vorschriften verlangen, dass sie so gebaut sein müssen, dass die beiden grössten, benachbarten Schotträume mit Wasser volllaufen können, ohne dass das Schiff sinkt. Man nennt dies zweifache Schwimmfähigkeit. 

Bei der MS Diamant waren indes gestern Nacht nicht nur zwei Schotten defekt, sondern drei. Es trat mehr Wasser ein, als die schiffseigenen Pumpen abführen konnten, weswegen ohne Eingreifen der Feuerwehr das Schiff nach einer Weile nicht mehr schwimmfähig gewesen und gesunken wäre. 

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