Selecta-Automat treibt Baarerin zur Weissglut
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Dieser Selecta-Automat sorgt bei einer Anwohnerin für schlaflose Nächte. (Bild: wia)

Einwohnerin ärgert sich über lautes Scheppern Selecta-Automat treibt Baarerin zur Weissglut

4 min Lesezeit 6 Kommentare 19.03.2021, 14:08 Uhr

Ein Snackautomat sorgt in Baar für Unmut und schlaflose Nächte. Jedenfalls bei einer Anwohnerin, die in unmittelbarer Nähe wohnt. Bei der Polizei, der Gemeinde und Selecta selber sei die Frau bereits vorstellig geworden. Ihr Ärger bleibt jedoch bis heute.

In der Altgasse in Baar steht seit August 2020 an der Bushaltestelle, gleich neben dem Friedhof, ein Selecta-Automat. «Die Firma Selecta hat die Gemeinde angefragt, ob sie dort einen Selecta-Automaten aufstellen darf. Die Abteilung Sicherheit/Werkdienst der Einwohnergemeinde hat dem Anliegen zugestimmt – auch in der Absicht, einen Mehrwert für die Baarer Bevölkerung zu schaffen», so die Gemeinde Baar. So weit, so unspektakulär.

Nur: Nicht alle freuen sich über Gummibärchen und Hanf-Eistees, die es hier auch nach Ladenschluss zu kaufen gibt. So hat sich eine direkte Anwohnerin vor kurzem an zentralplus gewandt. Sie sei mittlerweile richtig verzweifelt, sagt sie.

«Der Snackautomat sorgt nämlich seit seiner Inbetriebnahme für die permanente Störung meiner Nachtruhe», erklärt die Baarerin. Dies nicht nur durch das Einwerfen von Münzen, das Klappern und Quietschen der Klappe sowie das «Herabdonnern» der Getränkedosen, sondern auch wegen der zumeist Jugendlichen, die abends vor dem Automat reden, grölen und auch auf diesen eintreten und einschlagen.

Wegen Selecta-Automat «aus dem Schlaf gerissen»

Gerade in der Nacht sei dies besonders gut hörbar. Im Januar und Februar sei die Frau an zwei Nächten «trotz geschlossenem Fenster aus dem Schlaf gerissen» worden. Dies, weil sich je zwei Personen am Automat zu schaffen gemacht und versucht hatten, diesen umzukippen. 10 bis 15 Minuten habe der Spuk gedauert. Ansonsten käme es zwei bis drei Mal pro Woche zu kleineren Störungen.

Da die Störungen nur jeweils fünf bis fünfzehn Minuten dauern würden, käme auch die Polizei jeweils erst, wenn die Unruhestifter bereits weg seien.

Sie habe die Sachlage mehrmals der Gemeinde Baar und der Firma Selecta AG geschildert und an Rücksichtnahme und Vernunft appelliert, das habe jedoch nichts gebracht. Überhaupt fragt sich die Baarerin, ob es denn überhaupt nötig sei, dass man Selecta-Automaten in Wohngebieten aufstelle.

Gegenüber vom Automat stehen mehrere Wohnblöcke. (Bild: wia)

Der zuständige Baarer Gemeinderat Zari Dzaferi erklärt auf Anfrage: «Für Selecta-Automaten kommen frequentierte öffentliche Räume wie Bahnhof, Bushaltestellen, Parkanlagen oder etwa öffentliche Plätze in Frage. Richtlinien von Seiten Gemeinde, Kanton oder Bund zur Standortwahl liegen keine vor.» Aus Sicht von Selecta sei die Bushaltestelle beim Friedhof ein attraktiver Standort, so der Gemeinderat. Aus diesem Grund habe die Gemeinde mit Selecta einen Vertrag abgeschlossen. Die Firma bezahle der Gemeinde den Strom sowie eine Standortmiete. Eine analoge Vereinbarung hätten Gemeinde und Selecta auch für einen Automaten bei der Bushaltestelle Lättich.

Gemeinde hat nur eine kritische Rückmeldung erhalten

«Zum Selecta-Automaten an der Altgasse sind lediglich Reklamationen der besagten Person eingegangen», sagt Dzaferi. Weitere Reaktionen habe die Gemeinde Baar nicht erhalten. Mit der betroffenen Person habe die Abteilung Sicherheit/Werkdienst mehrmals in Kontakt gestanden – persönlich vor Ort, telefonisch und per E-Mail.

«Aufgrund ihrer Rückmeldung schaltet die Firma Selecta neu das Licht am Automaten abends aus. Zudem wurde von der Firma eine Dämmmatte beim Ausgabeschacht eingebaut, um die Emissionen zu verringern», erklärt der Gemeinderat.

Für Selecta ist der Fall abgeschlossen

«Man sagt, man hätte eine Dämmmatte installiert», gibt sie zu bedenken. Das stimme jedoch nicht. Sie finde keinen Unterschied zwischen diesem und anderen Automaten. Immerhin sei nun die helle Beleuchtung des Selecta-Automaten ausgeschaltet worden. «Das grelle Licht schien unter den Storen durch», so die empörte Anwohnerin.

Insbesondere gegen die Firma Selecta teilt sie zünftig aus. «Wenn Sie bei der Firma Selecta anrufen, wird man per se gleich erst einmal ‹mundtot› gemacht», behauptet sie. Auch sei ihr mit Schadensersatzklage gedroht worden, so die Betroffene. «Ich finde dieses Verhalten echt unverschämt», fährt sie fort.

Zu diesen Vorwürfen äussert sich Selecta zunächst nicht. Auf Nachfrage schreibt Sprecherin Sarina Künzli: «Wir distanzieren uns klar von dieser Drohung. Diese wurde so nicht ausgesprochen. Wir handeln stets im Sinne unserer Konsumenten – dies zeigt auch, dass wir bereits im November 2020 Anpassungen am Automaten vorgenommen haben.»

Die Anpassungen seien «selbstverständlich auf unsere Kosten» umgesetzt soren. «Somit war dieser Fall für uns abgeschlossen.»

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6 Kommentare
  1. Rolf Albisser, 20.03.2021, 15:09 Uhr

    Das Problem ist ja scheinbar das «Grölen» und rüpelhafte «Benehmen» der sich vor Ort treffenden Personen und nicht das Herausziehen der Schubladen oder Entnehmen der gekauften Produkte.
    Da sollten die Polizei oder Securitas ein Auge draufwerfen und entsprechende Massnahmen treffen.

  2. Büezer, 20.03.2021, 09:00 Uhr

    Also wer vom Münzeinwurf aus dem Schlaf gerissen wird, hat tagsüber definitiv zuwenig gearbeitet.

    1. Rolf Albisser, 20.03.2021, 15:10 Uhr

      Sie haben noch nicht ganz begriffen um was es geht.

  3. Michel von der Schwand, 19.03.2021, 15:14 Uhr

    Wehe man stört des Bünzlis Nachtruhe, dann wird der gesamte Abwehrstab in Übung versetzt. Kiffen könnte da etwas Abhilfe schaffen.

    1. Lion, 19.03.2021, 17:35 Uhr

      Bist si auch ein Automatenfreak?

  4. B Suter, 19.03.2021, 14:40 Uhr

    Das „Herabdonnern der Getränkedosen“! Man stelle sich vor, man wird „Aus dem Schlaf gerissen“ und das sogar zwei mal! Unmenschlich diese Situation!
    Dass trotz Corona, Arbeitslosigkeit und Klimaerwärmung doch noch Platz ist für einen Artikel über eine Einzelperson, die der Münzeinwurf eines Selectaautomaten stört, zeigt wir gut es uns eigentlich geht.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.