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Selbst die Visitenkarten sind ihm ausgegangen: So geht’s dem Profikuschler
  • Gesellschaft
Mit ihm wird professionell gekuschelt: Markus Mühlbacher. (Bild: jal)

Medienrummel um Luzerner Markus Mühlbacher Selbst die Visitenkarten sind ihm ausgegangen: So geht’s dem Profikuschler

4 min Lesezeit 02.12.2019, 12:08 Uhr

Er ist der einzige Profikuschler der Schweiz: Markus Mühlbacher. zentralplus hat als erstes über den Luzerner berichtet und eine regelrechte «Medien-Lawine» ausgelöst. Dass er als Pionier von dem einen oder anderen als «schräger Vogel» betrachtet wird, kratzt ihn nicht.

Man hätte es erahnen können: Der erste Profikuschler der Schweiz wird für Aufsehen sorgen.

Markus Mühlbacher hat sich in Deutschland zum Profikuschler ausgebildet und bietet seither in Luzern professionelles Kuscheln an (zentralplus berichtete). Nachdem zentralplus darüber berichtet hat, nahm «20 Minuten» den Ball auf. Und sogar ein Rock-Radio-Sender aus der Ostschweiz.

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«Ich habe gar nicht alle Medienanfragen annehmen können», sagt Mühlbacher gegenüber zentralplus. «Einige musste ich aufs nächste Jahr vertrösten.» 

Nach den Medienberichten seien die Besucherzahlen auf seiner Webseite explodiert. Schreibt man ihm eine Mail, erhält man als automatische Antwort: «Aufgrund vieler Anfragen dauert es im Moment etwas länger als üblich …» Mühlbacher erhielt mehrere Anfragen für Kuschelsessions. «Es ‹tschäderete› regelrecht», so der 54-Jährige.

Die Visitenkarten sind ihm ausgegangen

Sogar auf der Strasse werde er erkannt. Oder er spüre die Blicke auf sich. «Letztens stand ich mit meinem Velo bei Rotlicht vor einer Ampel», erzählt Mühlbacher. «Die Leute in einem Auto schauten zu mir und tuschelten.» Oder «kuschel-tuschelten», wie er scherzend anfügt.

Letztens sei er in einem Laden in der Stadt länger von einer Frau angeschaut worden. Mühlbacher fragte sie schliesslich: «Wir kennen uns nicht, oder?» Diese habe erwidert: «Nein, aber ich habe etwas über dich gelesen.» Danach sei ein offenes Gespräch entstanden, Mühlbacher hätte sogar seine Visitenkarten hinterlassen können – wenn er noch welche gehabt hätte. Momentan hat er jedoch keine mehr.

Er spüre, dass es für andere völlig normal sei, wenn er offen übers Kuscheln spreche. Auch das Gegenüber erzähle so von seinen Erfahrungen.

Schräg ist, was fremd ist

Er hat kein Problem, wenn man ihn nun kennt und über ihn gesprochen wird. «Je mehr man übers professionelle Kuscheln spricht, desto mehr kommt es aus der Tabu-Ecke und desto normaler wird es auch», sagt Mühlbacher.

Die Reaktionen seien zum Grossteil positiv. Für manche mag die Idee noch schräg sein – was sich auch beim Selbstversuch von zentralplus zeigte (zentralplus berichtete)

«In 20 Jahren wird professionelles Kuscheln vermutlich völlig normal sein.»

Markus Mühlbacher, Profikuschler

Er sei nunmal «der Erste». Es sei ihm egal, wenn er als Pionier vom einen oder anderen als «schräger Vogel» betrachtet werde. Er selbst sei vor über 30 Jahren als «alternativer, grüner Hippie» belächelt worden, als er mitgeholfen habe, die heutige Pro Velo zu gründen.

Er fügt an: «Vor 20 Jahren wurden die Yogis auch belächelt und als weltfremde Esoteriker abgestempelt. Heute macht beinahe jeder Yoga.» Beim professionellen Kuscheln sieht er sich auch in dieser Rolle. Er ist überzeugt: «In 20 Jahren wird es vermutlich völlig normal sein.»

Kuschelanfragen von 22- und 76-Jähriger

Seit den Medienberichten seien bei ihm mehrere Buchungen eingegangen. Mit einer Dame kuschle er nächste Woche bereits zum dritten Mal. Die Jüngste sei 22 Jahre alt, die älteste 76-jährig. Seine Kuschelkunden kommen aus Luzern und Zug, aber auch aus dem Aargau, Zürich und Solothurn. «Das Bedürfnis nach Nähe und professionellem Kuscheln in einem geschützten Rahmen ist definitiv da», meint Mühlbacher.

«Frauen sagen oft zu mir, dass sie von ihrem Partner nur dann berührt werden, wenn er Sex möchte.»

Die Gesellschaft müsse davon wegkommen, dass jede Berührung automatisch zu Sex führen müsse. «Die Menschen, die sich bei mir eine Kuschelsessions buchen, sind in ihren Beziehungen häufig unglücklich. Frauen sagen oft zu mir, dass sie von ihrem Partner nur dann berührt werden, wenn er Sex möchte», erzählt Mühlbacher.

Bei ihm ist das anders. Wer mit ihm kuschelt, wird «achtsam und absichtslos» berührt. Das professionelle Kuscheln findet in einem geschützten Rahmen statt. Ein zweiseitiger Kuschelvertrag wird unterschrieben, der festhält: Busen, Intimzone und Küssen sind absolut tabu.

Er will von Berührungsarbeit leben

Mühlbacher will nun sein Angebot erweitern und in anderen Städten wie Zürich und Basel aktiv werden. Neben dem öffentlichen Kurs «Healing Touch» möchte er sich vermehrt dem Thema Paararbeit konzentrieren. Wenn es beispielsweise in einer Beziehung kriselt, will Mühlbacher herausfinden, wo das Problem liegt. Ob in der Kommunikation, geänderten Lebensumständen oder Bedürfnissen. Danach zeigt er dem Paar Kommunikations- und Berührungsübungen, die ihnen beim Bewältigen einer Krise helfen sollen.

Mühlbacher ist überzeugt, dass das Kuscheln gut tut – auch mit einem Fremden. Es gehe um die Energien, die dabei fliessen, das Öffnen des Herzens und der Seele. «Eine Kundin sagte letztens zu mir: ‹Du hast meine Seele zum Schweben gebracht›.» Solche Rückmeldungen sind es, die ihn antreiben.

Markus Mühlbacher auf seiner «Kuschel-Wiese».

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