Selbst die Coronakrise vertreibt diese Luzernerin nicht aus Neuseeland
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Jolanda Odermatt in ihrem Zuhause in Auckland, Neuseeland. (Bild: mst)

Lockdown in Downunder Selbst die Coronakrise vertreibt diese Luzernerin nicht aus Neuseeland

4 min Lesezeit 1 Kommentar 06.09.2020, 12:00 Uhr

Jolanda Odermatt wanderte vor über 20 Jahren ans andere Ende der Welt aus. Dort fühlt sie sich mehr zu Hause als je zuvor. Daran können auch zwei Lockdowns und eine Entlassung nichts ändern.

Kaum ein Land hat so schnell und hart auf die Bedrohungen des Coronavirus reagiert wie Neuseeland. Ende März verfügte die Regierung einen Lockdown. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich rund 100 Personen mit dem Virus infiziert. Bis Mitte Mai dauerte der erste Lockdown, der von der Bevölkerung äusserst gut mitgetragen wurde.

Drei Monate später, mitten im neuseeländischen Winter, brach das Virus erneut aus. Ein zweiter Lockdown wurde durchgesetzt, allerdings «nur» über Auckland, die mit knapp 1,7 Millionen Einwohnern grösste Stadt des Landes. Die Stadt war im August während etwas mehr als zwei Wochen vom Rest des Landes abgeschottet. Hautnah miterlebt hat dies alles auch die Luzernerin Jolanda Odermatt.

Zuerst Stress, dann der Schock

Die Stadtluzernerin wanderte 1999 als 26-Jährige ans andere Ende der Welt aus, wo sie seit mehreren Jahren in Auckland lebt und als Reiseberaterin tätig ist. Diese Branche wurde auch in Neuseeland stark von der Covid-Krise getroffen. «Während des ersten Lockdowns hatten wir wegen Annullationen und Umbuchungen enorm viel zu tun», sagt sie im Gespräch mit zentralplus. «Während andere gelangweilt zu Hause waren und neue Hobbys suchten, hatte ich immer viel zu tun.»

«Irgendwie hatte ich zu Beginn des Jahres, noch vor Corona, ein Gefühl, dass etwas an diesem Jahr nicht stimmt.»

Jolanda Odermatt

Im Mai kam dann allerdings der Schock für die 47-Jährige: Ihr Arbeitgeber geriet in finanzielle Not und musste Angestellte entlassen. Da Jolanda Odermatt noch neu im Betrieb war, musste sie als eine der Ersten gehen. «Das war schon hart. Vor allem, weil niemand wusste, was danach geschehen wird. Aber irgendwie hatte ich zu Beginn des Jahres, noch vor Corona, ein Gefühl, dass etwas an diesem Jahr nicht stimmt.» Wie Recht sie damit haben sollte!

Pläne auf Eis gelegt

Deswegen schob sie auch den Kauf für Flugbillette in die Schweiz – sie wollte zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder in die Heimat reisen – auf die letzte Minute hinaus. «Eigentlich wollte ich im April spontan in die Schweiz. Doch daraus wurde bekanntlich nichts», sagt sie mit einem Lachen. Diese Pläne sind nun vorerst auf Eis gelegt.

Jolanda Odermatt, die im Tribschenquartier aufwuchs und in Hergiswil die Lehre zur Köchin absolvierte, nimmt die abgesagten Pläne locker, denn sie hat in Neuseeland ihre neue Heimat gefunden. «So schön die Schweiz ist: Ich habe mich dort irgendwie nie richtig zu Hause gefühlt. Als ich vor über 20 Jahren nach Neuseeland kam, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich zu Hause bin.»

«Als ich vor über 20 Jahren nach Neuseeland kam, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich zu Hause bin.»

Was Neuseeland für sie so speziell macht, könne sie nicht genau erklären: «Als ich damals am Flughafen in Auckland landete – es hatte geregnet und es lag Nebel in der Luft – hatte ich einfach ein gutes Bauchgefühl.» Und das ist geblieben. Nach wie vor schätzt sie das «Land der langen weissen Wolke», wie es die Ureinwohner nennen, und sie kann es sich nicht vorstellen, in einem anderen Land zu leben oder zurück in die Schweiz zu ziehen.

Den Kontakt zu Familie und Freunden in der Schweiz hält Jolanda Odermatt trotzdem aufrecht. Sie telefoniert wöchentlich mit ihren Eltern. «Und jetzt, während der Covid-Krise, hat auch der Kontakt zu meinen Freunden in Luzern wieder zugenommen.»

Bratwurst, Aufschnitt, Raclette

Anders als viele Auslandschweizer hängt Jolanda Odermatt nicht mehr stark an ihrer Heimat. Einzig ein paar wenige «Souvenirs» aus der Schweiz stehen in ihrer Wohnung, die sie mit einer Mitbewohnerin in einem Vorort im Westen von Auckland teilt.

«Typisch schweizerisch an mir ist eigentlich nur noch, dass ich viele Schweizer Gerichte koche.»

«Ich habe auch nur selten Kontakt zu anderen Auslandschweizern in der Region», sagt sie. Davon gibt es einige. Rund 8000 Auslandschweizer sind in Neuseeland registriert. «Typisch schweizerisch an mir ist eigentlich nur noch, dass ich viele Schweizer Gerichte koche.» Bratwurst, Aufschnitt, Raclette. Nicht alle Zutaten sind dabei immer einfach aufzufinden. Doch als gelernte Köchin weiss sich Odermatt zu helfen.

So viel gearbeitet wie noch nie

Die 47-Jährige fand nach dem ersten Lockdown und der damit einhergehenden Entlassung im Mai bald eine neue Stelle, erneut in der Tourismusindustrie. Eine Fluggesellschaft brauchte wegen der Covid-Krise dringend Unterstützung für Kundenanfragen. «Vor und während des zweiten Lockdowns in Auckland, von Mitte bis Ende August, hatte ich also erneut wieder viel zu tun», erklärt sie.

«Im vergangenen halben Jahr habe ich wohl so viel gearbeitet wie noch nie.» Deswegen ist Jolanda Odermatt auch froh, wenn die befristete Arbeit für die Fluggesellschaft in wenigen Tagen vorbei ist. «Dann mache ich einmal Pause», freut sie sich.

Wie es danach beruflich für sie weitergeht, lässt sie offen. «In Neuseeland ist das alles viel flexibler als in der Schweiz.» In der Schweiz bleibe man normalerweise auf dem beruflichen Pfad, den man eingeschlagen habe. In Neuseeland finde man auch in anderen Branchen leichter eine neue Stelle. Um neue Arbeit kümmert sie sich entsprechend momentan noch nicht: «Vieles in meinem Leben ist durch Zufall passiert. Irgendwie geht es immer weiter.»

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1 Kommentare
  1. Ruth-Walter Odermatt, 20.09.2020, 12:26 Uhr

    Ja….der Bericht freut uns!!
    Die Zeit rennt…es ist unsere Tochter.
    Besucht haben wir sie, in Neuseeland, zum letzten Mal 2009-2010!!!
    Sie hat ihre neue Heimat gefunden und das gönnen wir ihr von Herzen!!!!
    Es ist eine lange Reise und finanziell fehlt auch das nötige Geld.
    Doch hoffen wir nach der Corona Krise auf ein baldiges Wiedersehen mit Jolanda in der Schweiz!!!!!!

    Der Bericht hat uns sehr gefreut!!!

    Euch auch eine gute Zeit mit freundlichen Grüssen
    Ruth und Walter Odermatt

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