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Seit 20 Jahren setzen sie sich für die Homöopathie ein
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Das Gründerehepaar: Martine Cachin Jus und Mohinder Singh Jus (Bild: Peter Oswald/PD)

Gesundheit Seit 20 Jahren setzen sie sich für die Homöopathie ein

7 min Lesezeit 02.05.2013, 11:00 Uhr

Zug ist in Sachen Alternativmedizin Pionierkanton. Treibende Kraft dahinter ist unter anderem die SHI Homöopathie Schule, die nun seit zwei Jahrzehnten besteht. Hat sie seit ihrer Gründung das Zuger Gesundheitswesen verändert? Ja, findet der Schulleiter. Politiker und Fachleute sagen, die Institution habe vor allem die Bildungslandschaft im Kanton aufgewertet.

Von aussen präsentiert sich das braun-orange Gebäude nicht unbedingt wie eine Schule. Doch täglich gehen an der Steinhauserstrasse 51 in der Stadt Zug Studierende ein und aus: Sie lernen an der SHI Homöopathie Schule. Die Bildungsstätte, die zurzeit 62 Studierende im Bildungsgang Homöopathie und 25 in Tierhomöopathie sowie 50 Dozierende zählt, feiert dieses Wochenende ihr 20-Jahr-Jubiläum. Die Gründer und damit tragenden Köpfe der SHI sind Mohinder Singh Jus und seine Frau Martine Cachin Jus. Sie haben die Schule vor zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen und sind stolz auf das Erreichte.

Auch der FDP-Ständerat und ehemalige Zuger Gesundheitsdirektor Joachim Eder bezeichnet die Geschichte der Institution als Erfolgsstory. «Das Zuger Haus der Homöopathie ist dank seiner guten Arbeit weit über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Steinhauserstrasse 51 ist ein eigentlicher Dreh- und Angelpunkt der klassischen Homöopathie.» Die Schule habe ein wichtiges Fundament in der Aus- und Weiterbildungslandschaft für die Homöopathie gelegt. «Diese Leistung ist in der Schweiz sicher einmalig. Die Schule gab und gibt als Taktgeberin für die Komplementärmedizin wertvolle Impulse», sagt er.

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Der Kanton Zug als Pionier

Eder setzte sich in den vergangenen Jahren immer wieder für die SHI ein, die Mitglied der Höheren Fachschule für Naturheilverfahren und Homöopathie (HFNH) ist.

Mit Erfolg: Der Zuger Regierungsrat sprach im September 2007 die kantonale Anerkennung des vierjährigen Bildungsgangs Homöopathie aus. Im Oktober konnte erstmals der Titel «Diplomierter Homöopath/Homöopathin HFNH» vergeben werden. Ein Meilenstein für die Schule. Bis 2009 hat der Kanton Zug drei weitere Ausbildungsgänge der HFNH staatlich anerkannt.  «Der Kanton Zug hat die Alternativmedizin bereits seit einigen Jahren im Gesundheitsgesetz verankert. Auch in dieser Hinsicht ist er also ein Pionierkanton», sagt HFNH-Präsident und CVP-Kantonsrat Martin Pfister.

Zug profitiert

Zwei Jahrzehnte nach deren Gründung scheint die SHI nun fester Bestandteil von Zug zu sein. Hat die Bildungsinstitution das Gesundheitswesen im Kanton verändert? «Ja, ich glaube schon», sagt Mohinder Singh Jus. Die SHI habe auf jeden Fall das Gesundheitssystem in Zug bereichert. «Und wir haben dazu beigetragen, dass der Beruf des Homöopathen wahrgenommen wird.»

Rudolf Hauri, Leiter des Medizinalamts des Kantons Zug, meint: «Die Schule zeigt einerseits die Vielfalt des Gesundheitswesens, andererseits trägt sie konkret zur Bedeutung des Bildungsplatzes Zug bei.» Die Schule fördere zudem das Ansehen der Homöopathie und spiele damit im Gesundheitswesen insgesamt eine Rolle, ergänzt der Kantonsarzt.

Ständerat Joachim Eder vertritt die Meinung, dass «die SHI den Bildungsstandort Zug in einem immer wichtiger werdenden Bereich aufgewertet hat».

«Ärzte sind offener»

Und wie gross ist der Einfluss der Komplementärmedizin auf die Schulmedizin im Kanton? Dazu hat Karin Julia Stadlin, Präsidentin der Ärztegesellschaft des Kantons Zug, eine klare Meinung. «Die Weiterentwicklung der Schulmedizin wie etwa neue Therapien, Medikamente und Operationen wird nicht beeinflusst», sagt sie – dies gelte für die ganze Schweiz, nicht nur für Zug.

Stadlin erwähnt aber auch, dass alternative Heilmethoden durchaus Eingang in die Behandlungszimmer einzelner Ärzte gefunden haben. «Es gibt Ärzte, die voll hinter der Komplementärmedizin stehen oder gar eine Zusatzausbildung absolvieren. Andere wiederum bevorzugen nur einzelne Methoden. Ich als Geburtshelferin habe im Gebärsaal auch schon gute Erfahrungen mit alternativen Behandlungsmethoden gemacht», sagt Stadlin. 

Das sind Worte, die Schulleiter Mohinder Singh Jus gerne hört. Er will nämlich nicht von einem Konkurrenzkampf zwischen Schul- und Komplementärmedizin sprechen. «Es ist nicht die Komplementärmedizin, die die Schulmedizin verändert, sondern die Patienten.» Die Nachfrage nach alternativer Medizin im Allgemeinen und Homöopathie im Besonderen habe zu einem Haltungswechsel bei vielen Ärzten geführt. «Sie sind offener als zuvor.»

Vision: Spitäler machen mit

Jus wünschte sich deshalb eine vermehrte Kooperation mit Institutionen im Gesundheitswesen. «Meine Vision von Zug als Pionierkanton ist, dass die Komplementärmedizin in Kliniken und Spitälern Einzug hält.» Martin Pfister würde es ebenfalls begrüssen, wenn in öffentlichen und privaten Spitälern und Kliniken vermehrt Praktikumsmöglichkeiten für alternativmedizinische Therapeuten in Ausbildung angeboten würden.

«Wir tun jedenfalls gut daran, mit den Polarisierungen und Extrempositionen aufzuhören. Das gilt für beide Seiten», sagt Joachim Eder dazu. Denn für ihn gibt es kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als auch. «Schul- und Komplementärmedizin haben ihre Berechtigung und Grenzen.»

Kantonsarzt Rudolf Hauri merkt diesbezüglich an, dass viele Therapeuten stark von Lehrmeinungen geprägt seien, die gelegentlich diametral der Schulmedizin gegenüber stehen würden. «Ich denke da zum Beispiel an die Glaubenskriege zum Thema Schutzimpfung.»

Was bringt die Zukunft?

Die Zukunft hält also noch einiges Entwicklungspotenzial offen. Ständerat Eder weiss auch schon, wo angepackt werden sollte. «Die Komplementärmedizin behandelt den Menschen ganzheitlich und geht auch auf sein Wesen und seine Psyche ein. Deshalb liegt es auf der Hand, dass diese Methode gerade in der Gesundheitsförderung und Prävention interessante Perspektiven bietet», sagt Eder.

Martin Pfister wiederum spricht die Schulung der Berufsleute an. «Viele Patienten suchen bereits heute zuerst einen Naturheilpraktiker oder einen Homöopathen auf, bevor sie zum Hausarzt gehen. Die Verantwortung der alternativmedizinischen Therapeuten nimmt deshalb bei zunehmendem Hausärztemangel tendenziell zu», sagt Pfister. Das wiederum habe Auswirkungen auf die Qualität der Ausbildung.

Ein Thema, das auch der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri anspricht. «Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Komplementärmedizin sind heute sehr liberal und lassen viel Entwicklungsspielraum.» Zunehmend wünschten sich deshalb gewisse Anbieter Regulierungen für bestimmte Methoden.

Der Kampf geht in Bern weiter

Deshalb setzt sich die Höhere Fachschule für Naturheilverfahren und Homöopathie seit rund zehn Jahren für einen eidgenössisch anerkannten Abschluss auf Level Höhere Fachschule (HF) ein, sagt Pfister. «Ein anerkanntes Diplom ist wichtig für die Patientensicherheit und für die Glaubwürdigkeit der Alternativmedizin als Teil des Gesundheitswesens. Wir sind überzeugt, dass dafür die Höhere Fachschule der richtige Weg wäre.»

Unterstützung erhält die HFNH von Joachim Eder. Der Ständerat präsidiert zusammen mit Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP, Thurgau) die Parlamentarische Gruppe für Komplementärmedizin. «Die Komplementärmedizin wird zwar ernst genommen. Sie ist bei gesundheitspolitischen Überlegungen der Zukunft aber zu wenig manifest», sagt Eder. Hier brauche es noch mehr Überzeugungsarbeit – auch von Seiten der Komplementärmedizin. «Diese muss sich klar und unmissverständlich von Quacksalbern und Scharlatanen distanzieren.»

Kantonsarzt Rudolf Hauri meint zu diesem Punkt: «Problematisch wird es, wenn anstelle von erfolgreichen, wissenschaftlich belegten Therapien der Schulmedizin alternative Methoden eingesetzt werden. So etwa zur Behandlung von Krebsleiden.»

Zwischenlösung wird unterstützt

Bis der Bund HF-Diplome für Berufsleute aus dem Bereich Komplementärmedizin vergibt, wird es aber noch länger dauern. Deshalb strebt die HFNH zusammen mit anderen Verbänden der Alternativmedizin als anerkanntes Diplom die Höhere Fachprüfung an. Damit können sich die nichtärztlichen Therapeuten, von denen in der Schweiz mindestens 15’000 tätig sind, mit einem eidgenössischen Diplom nachqualifizieren.

«Wir gehen diesen Weg mit», sagt Pfister. «Das kantonal anerkannte HF-Diplom behalten wir jedoch bei. Und wir sind überzeugt, dass auch der Bund in ein paar Jahren dem eidgenössisch anerkannten HF-Diplom zustimmt», bleibt er zuversichtlich.

Teure Komplementärmedizin?

Obwohl Opposition absehbar ist. Gegner von eidgenössisch anerkannten HF-Diplomen für Komplementärmediziner stellen sich unter anderem auf den Standpunkt, dass alternative Heilmethoden das Gesundheitswesen unnötig verteuern und die Krankenkassen belasten (siehe Box). Ist dieser Vorwurf gerechtfertigt?

«Es gibt keine Studie, die ein klares Ja oder Nein belegt. Es ist nämlich eine Sache des Blickwinkels», sagt der Zuger Kantonsarzt dazu. «Berücksichtigt man nur die Leistungen, welche über die obligatorische Grundversicherung vergütet werden, dann lautet die Antwort Nein.» Denn nur wenige Leistungen seien kassenpflichtig. Hauri: «Aus volkswirtschaftlicher Sicht werden jedoch alle Leistungen, auch die der Zusatzversicherungen, miteingerechnet. Hier wird es teurer.» Eine Entlastung finde sicherlich keine statt.

Ständerat Eder hingegen ist der Meinung: «Der ganzheitliche Ansatz in der Medizin, der auch die Selbstheilungskräfte des Menschen berücksichtigt, ist kostengünstiger.» Gleichzeitig brauche es aber auch mehr Eigenverantwortung bei den Patientinnen und Patienten. «Ich denke, dass unsere Volkswirtschaft mittel- bis langfristig von der Komplementärmedizin profitieren wird. Dies muss auch in unserem Kanton den Verantwortlichen auf allen Ebenen noch stärker bewusst werden.»

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