«Sein Herzblut, sein Humor, seine Sturheit»
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«Armin Meienberg hatte Instinkt, Chuzpe und ein enorm grosses Herz», sagt Pablo Haller über seinen verstorbenen Freund. (Bild: Renato Regli)

Ein Nachruf auf Armin Meienberg «Sein Herzblut, sein Humor, seine Sturheit»

5 min Lesezeit 14.04.2015, 17:41 Uhr

Armin Meienbergs früher Tod erschüttert Luzerns Kulturszene. Freunde und Kollegen sind fassungslos. Doch sprachlos sind sie nicht. Denn über Armin Meienberg gibt es vieles zu sagen.

Die IG Kultur Luzern nimmt Abschied von einer ihrer prägendsten Figuren: «Armin, dein Tod bewegt uns alle sehr. Du hinterlässt eine unermesslich grosse Lücke. Wir werden dein Engagement für die Kultur und unser Team, sowie deinen kreativen Geist, deine Kochabende und die geselligen Stunden mit dir nie vergessen.»

Armin Meienberg, der 51-Jährige Präsident der Luzerner IG Kultur ist letzten Samstag an einem plötzlichen Herzstillstand verstorben. Über sieben Jahre hat sich Meienberg als Vereinspräsident für die Kultur in der Zentralschweiz eingesetzt und dabei vieles in Bewegung gesetzt. Er gehörte zu den engagiertesten Kulturmenschen der Region Luzern, sind sich seine Kollegen einig. Die Luzerner Kulturszene zeigt viel Anteilnahme und sendet ihr Mitgefühl an Meienbergs Frau und seine beiden Kinder. «Armin ist für sie – und für uns alle – viel, viel zu früh gegangen», so Pia Fassbind, die Meienberg sehr nahe stand.

Förderer und Verbündeter

Seine Arbeit und seine Person hinterlässt Spuren in Luzern und seiner Kulturszene. Dies zeigt sich auch durch die grosse Bestürzung, die bei Kollegen und Freunden herrscht.

Die Geschäftsleiterin der IG Kultur, Edina Kurjakovic, war von Anfang an beeindruckt von Meienbergs Herzblut für die Kultur: «Wir haben seit knapp elf Monaten zusammen gearbeitet. In dieser Zeit habe ich Armin als einen Mentor, einen unglaublichen Netzwerker aber auch einen Vereinspräsidenten mit offenen Ohren erlebt. Sein Wesen und sein Wissen fehlen mir.»

Catherine Huth, die ehemalige Geschäftsleiterin der IG Kultur, hat jahrelang eng mit Meienberg zusammengearbeitet und in ihm dabei auch einen Freund gefunden. «Armin war mein ganz grosser Freund, Mentor, Förderer und Herausforderer, Verbündeter, mein Gegenüber und Berater, alles in einem und ich könnte einen Roman schreiben, wäre ich nicht so traurig und fassungslos.» Sie hätten viel zusammen geteilt. «Wir haben zusammen gekämpft, uns gestritten, gelacht – und auch viel erreicht.»

«Ohne ihn hätte ich so vieles nie gemacht und gekonnt.»
Catherine Huth, ehemalige Geschäftsleiterin der IG Kultur Luzern

Ihn habe so vieles ausgemacht, zählt Huth auf: «Seine Ideen, seine Spontanität, seine Sturheit, sein Durchhaltewillen, sein Herzblut, seine Grosszügigkeit, sein Humor, seine Intelligenz, seine Klugscheissereien, seine Begeisterungsfähigkeit, sein Wissen und seine Belesenheit, sein Können, seine Tatkraft und Umtriebigkeit, sein Kochen, seine liebevolle Aufmerksamkeit, seine Geschichten und nicht zuletzt auch seine herausfordernde Art. Ohne ihn hätte ich so vieles nie gemacht und gekonnt.»

Geniesser und Macher

Auch Regisseurin Annette Windlin kannte Meienberg gut: «Bei ihm habe ich immer gespürt: Wenn er etwas machte, dann tat er es mit Seele. Er konnte sich sehr für Dinge begeistern.» Seine Liebe zur Türkei fällt Windlin dabei auch sofort ein: «Er konnte einem etwas derart schmackhaft machen. Er hat so viel von Istanbul geschwärmt, man musste einfach dahin reisen.»

«Armin Meienberg hatte Instinkt, Chuzpe und ein enorm grosses Herz.»
Pablo Haller, Poet und Verleger

Brigitte Heinrich vom Vorstand der IG Kultur betont, Meienberg sei jemand gewesen, der Leute zusammengeführt habe, der mit allen Menschen habe arbeiten können. Und auch Windlin fügt an: «Er war einfach ein unverkrampfter Mensch, gmögig und ein Geniesser und gleichzeitig war er ein Macher mit vielen Visionen für die Luzerner Kultur und ihre Möglichkeiten.»

Der Luzerner Poet und Verleger Pablo Haller stand Meienberg ebenfalls sehr nahe. «Armin Meienberg hatte Instinkt, Chuzpe und ein enorm grosses Herz. Eine integrative Persönlichkeit, bloss beim Kochen kannte er kein Erbarmen. Seine intelligente Kreativität wird fehlen, wie auch sein scharfer Humor. Vor allem aber seine Herzlichkeit.»

Gastgeber und Brückenbauer

Auch Stadträtin Ursula Stämmer erinnert sich gerne an Meienbergs offene Art: «Persönlich beeindruckte mich Armin Meienberg mit seinen kreativen Ideen, die nur so sprudelten, mit seiner Spontaneität und besonders mit seinen Kochkünsten. Er pflegte die Gastfreundschaft und servierte unkonventionell ein selbst gekochtes Menü zu einer Mittagssitzung in seinem Atelier.»

«Er wird Lücken, aber auch Spuren hinterlassen.»
Ursula Stämmer, Stadträtin Luzern

Auch für sein ausserordentliches Engagement und seine Vermittlungstätigkeit zwischen Kulturinstitutionen und Verwaltung der Stadt Luzern bleibe er dem Stadtrat unvergessen. «Armin Meienberg gelang es, Brücken zwischen den unterschiedlichen Anliegen im Kulturbereich zu bauen. Er tat es unaufgeregt, pragmatisch und unermüdlich. Er wird Lücken, aber auch Spuren hinterlassen», so Stämmer.

Zum Gedenken

Der Trauergottesdienst findet am 1. Mai 2015, um 10.00 Uhr, in der Kirche St. Karl statt. Die Urnenbeisetzung ist anschliessend, um 11.45 Uhr, im Friedental.

«Er hat sehr viele Projekte initiiert, mitentwickelt und auch umgesetzt», sagt auch Heinrich. Und das in den verschiedensten Bereichen. Meienberg leitete zudem auch die Grafik-Agentur «Springrolls – Form mit Inhalt» in Luzern. So entwickelte er Konzepte, Texte und Webauftritte für das Theater Werk Luzern oder auch das Lucerne Festival und auch für das Gästival hat er sich eingesetzt. Die Idee, eine Seerose als Plattform für das Festival zu bauen, stamme von ihm.

Netzwerker und Zuhörer

Vor allem beim Lucerne Festival hinterlässt er mit dem Intendanten Michael Häfliger und dem Dramaturgen Mark Sattler zwei weitere enge Vertraute, die ihn vermissen werden: «Er war ein wunderbarer Freund, kreativer Arbeitskollege, genialer Gastgeber und Koch. Armins Gabe war es, als ein phänomenaler Netzwerker Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzuführen. Seine Liebe zur Kultur und zu seinen Protagonisten war ansteckend; immer neugierig auf der Suche liess er uns an seinen Entdeckungen Anteil nehmen. Die unvergesslichen Begegnungen mit ihm waren hochgradig inspirierend und haben besondere Lebens- und Arbeitsfreude vermittelt. Armin fehlt uns.» 

«Armin war ein umtriebiger Mensch im besten Sinne», sagt auch Pia Fassbind, die mit Meienberg einen guten Freund verliert. «Er brannte für die Kultur, für seine Projekte, für seine Ideen. Er war angetrieben von einer Dringlichkeit, die einzigartig ist. Er ist durchs Leben gerast – und genau so hat er es nun auch verlassen.»

Er sei ein guter Zuhörer gewesen und habe immer ein offenes Ohr gehabt, wenn der Schuh drückte. «Wenn es nicht so lief, wie es sollte, genehmigten wir uns dann und wann einen Mispel-Schnaps. Dann konnten wir übers Leben hadern und gleichzeitig auch im geteilten Leid wieder lachen. Er hatte einen wunderbaren Sinn für schrägen, feinsinnigen Humor. Nun bin ich unsagbar traurig, dass ich nie mehr mit Armin einen Schnaps trinken kann. Prost, lieber Armin, ich genehmige mir heute einen Mispel-Schnaps auf Dich!»

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