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Seid glücklich und meldet Euch!
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Dieser Wohnwagen wird nächsten Samstag auf dem Bahnhofplatz Luzern stehen und für Glücksgefühle besorgt sein – hoffentlich. (Bild: zvg)

Standaktion in Luzern Seid glücklich und meldet Euch!

5 min Lesezeit 2 Kommentare 18.05.2015, 18:34 Uhr

Es gibt alle möglichen Meldestellen – etwa für Schwarzarbeit, Geldwäscherei oder Findeltiere. Nun wird es erstmals in Luzern eine für Glücksmomente geben. zentral+ wollte wissen, ob man Glück konservieren kann und ob es Sinn macht, Zufriedenheit «amtlich» beglaubigen zu lassen.

Ein jeder sei seines eigenen Glückes Schmied, heisst es so schön. Und geteiltes Glück ist auch doppeltes Glück. Damit ist der Einzelne nicht auf sich allein gestellt, wenn es um die eigene Zufriedenheit geht. Glück ist jetzt sogar teilbar: Deshalb steht am nächsten Samstag auf dem Bahnhofplatz ein kleiner, nostalgischer Wohnwagen, der nichts weniger sein will als die erste «Zentralschweizer Meldestelle für Glücksmomente».

«Das Glück wartet darauf, wahrgenommen zu werden», erklärt Cécile Malevez-Bründler aus Sarnen, verantwortliche Betreiberin der Meldestelle. Der Wohnwagen dient als «Büro» und soll Passanten anlocken, die ihre schönsten Glücksmomente erzählen können. Diese werden auf einer online Plattform (www.gluecksmomente-teilen.ch) publiziert.

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Wider die Hektik

Das tönt schön und gut – aber braucht es so etwas tatsächlich? Auf jeden Fall, findet Cécile Malevez. «Glücklich sein und Freude haben sind sehr fragile Gefühlszustände. In der heutigen Zeit, in der die Hektik und die Informationsflut gross sind, gehen solche Emotionen oftmals unter.» Indem man diese Gefühlsmomente erzähle und aufschreibe, nehme man sie stärker wahr. Letzte Woche hat die Rentnerin Hummelorchideen gefunden, welche sehr selten sind. «Das ist ein Wunder der Natur und hat mir einen besonderen Moment des Glücks beschert.» Aber auch einen schönen Abend mit guten Freunden zu verbringen sei für sie ein Ereignis, das ihr Zufriedenheit gebe.

Cécile Malevez, Betreiberin der Meldestelle für Glücksmomente.

Cécile Malevez, Betreiberin der Meldestelle für Glücksmomente.

(Bild: zvg)

Ein kritisch geschulter Geist wird angesichts solcher Beschreibungen skeptisch. Ist hier ein Esotherikgrüppchen, eine religiöse Sekte oder sind gar Weltverbesserungs-Aktivisten am Werk? Malevez winkt ab. Hinter der Aktion steckt der Verein «Innovage», der 2006 vom Migros-Kulturprozent und der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit gegründet worden ist. Es geht also alles mit rechten Dingen zu. Mit der Internetplattform werde eine kostenlose Methode geschaffen, das persönliche Glück kunzutun, zu teilen und zu vermehren, heisst es in einer Mitteilung von «Innovage».

Nicht schönreden, aber vom Schönen sprechen

Mit der Meldestelle soll laut «Innovage» ein Gegenpol geschaffen werden zu einer defizitorientierten Rhetorik. «Only bad news are good news», nur schlechte Nachrichten sind gute Meldungen – dies der gesellschaftliche Tenor. «Das scheint vor allem auch in den Medien ein weit verbreitetes, ungeschriebenes Gesetz zu sein», sagt Cécile Malevez. Deshalb gibt es in St. Gallen bereits seit 2003 eine erste solche Meldestelle. In der Ostschweiz sind bisher Tausende solcher Glücksgeschichten eingetragen worden. Malevez betont, dass man keinesfalls die Probleme und Herausforderungen der Menschheit schönreden wolle. «Aber es geht darum, auch mal vom Schönen im Leben zu reden.»

Wer glücklich ist, lebt länger

Das Angebot stösst insbesondere bei der älteren Generation auf Interesse. So wirbt etwa das Luzerner Forum60plus, welches die Interessen der älteren Menschen vertritt, für die Meldestelle. Weniger tauglich ist sie indes bei Menschen, welche unter psychischen Problemen leiden. «Wer mit Depressionen zu kämpfen hat, wird bei uns keine wirkliche Hilfe erhalten», ist sich Malevez bewusst. Das Angebot sei für die «normal-gesunde» Bevölkerung gedacht.

«Durch das gezielte Sammeln auf unserer Plattform schulen wir die Wahrnehmung für die guten Momente im Leben.»

Cécile Malevez, Meldestelle für Glücksmomente

Also doch ein Papiertiger, der kaum zu mehr Glück verhilft? Nein, meint Malevez, die übrigens ehrenamtlich die Meldestelle betreiben wird. Natürlich könne man sich auch auf sozialen Plattformen wie Facebook über das Glück austauschen. «Aber durch das gezielte Sammeln auf unserer Plattform schulen wir die Wahrnehmung für die guten Momente im Leben.» Die Auseinandersetzung mit dem Glück sei sehr wichtig, betont sie und verweist auf die österreichische Glückstrainerin Heide-Maria Smolka. Diese ist der Ansicht, dass glückliche Menschen kreativer seien und komplexe Problemstellungen besser lösen könnten. Zudem hätten sie bessere Abwehrkräfte und seien insgesamt gesünder. Smolka verweist auf Studien, welche belegen, dass glückliche Menschen eine höhere Lebenserwartung hätten. Und sie betont, dass Glücksmomente ansteckend seien.

Selbst für Menschen mit psychischen Problemen könne eine solche Aktion hilfreich sein, meint die Glückstrainerin und widerspricht damit Cécile Malevez. «Es macht immer Sinn, wenn man auf die kleinen Glücksmomente im Leben achtet.» Smolka hat auf ihrer Website selber auch eine ähnliche Meldestelle eingerichtet. Sie betont, dass es wichtig sei, auf viele kleine Begebenheiten, die zufrieden machen, zu achten. «Die Forschung zeigt, dass die Häufigkeit der Glücksmomente wichtiger ist als die Intensität des Glücks.» Was also wirklich zufrieden macht, sind nicht die grossen Momente im Leben, sondern die vielen kleinen Dinge.

Luzerner stehen an der Spitze

Der Wohnwagen wird nur für einen Tag in Luzern stehen, was bleibt, ist die Internetplattform. Diese wird sicher schon bald rammelvoll sein von Geschichten, die vor Glück nur so strotzen, denn: Schliesslich wimmelt es in der Schweiz – und insbesondere in der Zentralschweiz – nur so von zufriedenen Menschen. Diese positive Botschaft ist für einmal aus den Medien zu entnehmen, die sonst doch nur für die «Bad News» zuständig sind. Demnach sind die Schweizer die glücklichsten Menschen der Welt, dies hat der «World Happiness Report 2015» in New York ergeben. Die Verfasser der Studie haben auf Faktoren wie Einkommen, Lebenserwartung, soziales Netz und gefühlte Freiheit geachtet. Da haben die Eidgenossen offenbar die Nase vorn. Und innerhalb der Schweiz gelten die Innerschweizer als die besonders Glücklichen. Die Meldestelle wird sich also nicht über mangelnde Kundschaft beklagen können.

 

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2 Kommentare
  1. Tonino Bucher, 09.11.2018, 14:41 Uhr

    «INNOVAGE IM KKLB» MIT MONICA GUBSER & BEAT BÜHLMANN
    Ein Glücksmoment für mich und mehr als 50 Teilnehmer. Wir haben am 5. November einen interessanten Nachmittag erlebt. Monica Gubser und Beat Bühlmann haben uns sehr eindrücklich ihren den 3. Lebensabschnitt geschildert. Fazit: mit Humor und Neugier ist es schön älter zu werden.

    Und es gibt bald noch mehr an jedem 2. Montag zu erleben:

    http://www.kklb.ch/kklb/innovage-im-kklb

    http://www.innovage.ch/standorte/zentralschweiz

  2. Tonino Bucher, 09.11.2018, 14:40 Uhr

    «INNOVAGE IM KKLB» MIT MONICA GUBSER & BEAT BÜHLMANN
    Ein Glücksmoment für mich und mehr als 50 Teilnehmer. Wir haben am 5. November einen interessanten Nachmittag erlebt. Monica Gubser und Beat Bühlmann haben uns sehr eindrücklich ihren den 3. Lebensabschnitt geschildert. Fazit: mit Humor und Neugier ist es schön älter zu werden.

    Und es gibt bald noch mehr an jedem 2. Montag zu erleben:
    http://www.kklb.ch/kklb/innovage-im-kklb
    http://www.innovage.ch/standorte/zentralschweiz