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Sechs junge Luzerner rufen Lebensmittel-Bus ins Leben
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Eliane Müller, Mirjam Landwehr, Peter Bürgisser, Martin Janser, Celine Müller und Tobias Ammann (von links nach rechts) mit einem Modul ihres mobilen Verkaufsstandes. (Bild: bic)

Mit mobilem Verkaufsstand in die Quartiere Sechs junge Luzerner rufen Lebensmittel-Bus ins Leben

5 min Lesezeit 3 Kommentare 07.09.2019, 11:30 Uhr

Mit einem selber entworfenen mobilen Verkaufsstand wollen sechs junge Luzernerinnen und Luzerner nachhaltige und unverpackte Produkte in die Luzerner Aussenquartiere bringen. Damit möchten sie einen Beitrag zur Quartierentwicklung leisten. Um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen, verzichten sie sogar auf einen Lohn. 

Im eigenen Quartier rasch, unkompliziert und erst noch nachhaltig einkaufen: Diese Idee wollen sechs junge Luzernerinnen und Luzerner in die Tat umsetzen. Mit ihrem selber entwickelten mobilen Verkaufsstand wollen sie ab nächstem Frühjahr die Leute an verschiedenen Orten in der Stadt Luzern mit alltäglichen Produkten wie Lebensmittel und Kosmetika versorgen (siehe Karte). Auch am Wochenmarkt auf dem Helvetiaplatz wird der kleine Laden wohl anzutreffen sein. 

Geschäftsführerin des Projekts mit dem Namen «Nachschub» ist Mirjam Landwehr. «Der Fokus liegt auf Gebieten, wo der tägliche Einkauf nicht in Gehdistanz zu erledigen ist», erklärt sie die Beweggründe. Insbesondere ältere Leute sollen davon profitieren. «Laut der Stadt gibt es im Hirtenhof-Quartier rund 650 Menschen, die 80 oder älter und teils nicht mehr so mobil sind. Deshalb stehen solche Aussenquartiere bei uns im Fokus», so Landwehr, die für die Grünen im Grossen Stadtrat sitzt. Dies gehe Hand in Hand mit den Zielen des Stadtrates, die Quartiere künftig stärker in die Stadtentwicklung miteinzubeziehen. Bei den Behörden sei man folglich auf offene Ohren gestossen. 

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Auch das Fahrzeug stammt aus der Region

Der Kern des Projekts liegt allerdings in der Nachhaltigkeit. «Wir sind sechs gute Freunde, die einander schon länger kennen und alle im Luzerner Unverpackt-Laden an der Zürichstrasse einkauften, bis dieser vor etwa eineinhalb Jahren schloss. Uns war sofort klar, dass die Stadt deshalb einen neuen Laden braucht, in dem man die Produkte ohne unnötige und vor allem unökologische Verpackung kaufen kann», sagt Landwehr. So weit möglich sollen alle Artikel aus der Region oder zumindest aus der Schweiz stammen.

«Wir können uns vorstellen, dass wir für diese Firmen die Auslieferung in die Quartiere übernehmen.»

Mirjam Landwehr, Geschäftsführerin «Nachschub»

Rund 200 Produkte sollen künftig feilgeboten werden. Unverpackte Teigwaren oder Milchprodukte im Glas werden ebenso verkauft wie Kosmetikartikel und Flüssigseife oder Essig, die man beide direkt aus einem Kanister abfüllen kann. Ob auch frisches Gemüse und Obst offen angeboten werden, ist momentan noch nicht klar. 

Das Problem: Wenn es nicht verkauft werde, komme es allenfalls zu Foodwaste und man bleibe auf den Kosten sitzen, sagt Landwehr. Man prüfe aktuell eine Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten, ob individuelle Gemüse-Abonnements angeboten werden könnten. «Wir können uns vorstellen, dass wir für betreffenden Firmen die Auslieferung in die Quartiere übernehmen und die Leute ihre Ware dann bei uns abholen können.» 

Befindet sich noch im Bau: Der Lastwagen für den Transport der Waren wird derzeit in Triengen zusammengesetzt. (Bild: Zug)

Damit man dem nachhaltigen Konzept ganzheitlich Rechnung tragen kann, setzt «Nachschub» auch beim Fahrzeug voll auf diese Karte. So lassen die Jungunternehmer zurzeit einen kleinen Elektrolastwagen nach ihren Bedürfnissen zusammenbauen. Dies geschieht in einer spezialisierten Firma in Triengen. Die meisten Einzelteile stammten jedoch aus den USA, muss Landwehr einräumen.  

«Sollte am Ende des Tages etwas übrig bleiben, werden wir das Geld spenden.»

«Wenn wir genügend Geld zusammenbringen können, werden wir später eine Photovoltaikanlage auf dem Autodach installieren, damit wir unseren Ökostrom gleich selber produzieren können», blickt Landwehr in die Zukunft. 86’000 Franken werden für das Fahrzeug und die Entwicklung der Inneneinrichtung aufgewendet – fast alles besteht aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen wie Holz. Rund ein Drittel des Projekts wird durch Fördergelder finanziert. Der Rest soll über ein Crowdfunding und Genossenschaftsbeiträge zusammenkommen. 

Bunt zusammengewürfelte Truppe arbeitet im Ehrenamt

Dass sie dereinst ein solches Projekt lancieren würden, hätten die sechs bis vor kurzer Zeit nicht gedacht. Denn niemand von ihnen stammt aus der Verkaufs- oder Lebensmittelbranche. Vier Architekten, eine Politologin und eine Sozialarbeiterin bilden das illustre Sextett. Martin Janser, verantwortlich für die Finanzen, hat bereits sein eigenes Architekturbüro gegründet. «Sein Know-how beim Aufbau einer Firma hat uns sehr geholfen», sagt Geschäftsführerin Landwehr. 

Damit das Projekt auch mittelfristig finanzierbar ist, wurde eine Genossenschaft gegründet. Präsidiert wird sie von Tobias Ammann. «Im Moment sind wir auf der Suche nach Mitgliedern. Mit einem Anteilschein von 1’000 Franken ist man dabei. Dafür erhält man 3 Prozent Rabatt auf jeden Einkauf», erklärt er. Bei Austritt wird der Betrag wieder eins zu eins vergütet. 

Die sechs Freunde arbeiten ehrenamtlich für das Projekt. Einzig die eine Person, die den Laden täglich betreuen wird, erhält einen Lohn. Es wird auch kein Gewinn angestrebt. «Sollte am Ende des Tages dennoch etwas übrig bleiben, werden wir das Geld spenden», sagt die Geschäftsführerin. Mindestens ein Jahr lang soll das Projekt nun laufen. Danach ziehe man Bilanz und schaue, ob es betriebswirtschaftlich weitergehen könne. Denn zuerst müssten das Leasing für den Elektrolastwagen und der zinslose Kredit zurückbezahlt werden. 

Man sei sich bewusst, dass es nicht einfach werde, sagen die Beteiligten unisono. Sie glauben aber fest daran, dass es klappt und sie sich eine Stammkundschaft aufbauen können. Denn die Einzigartigkeit des Projekts sei überzeugend und die Nachfrage nach unverpackten Produkten sei in Luzern vorhanden. Ähnliche Projekte in anderen Schweizer Städten hätten ausserdem gezeigt, dass das Ganze durchaus machbar sei. 

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3 Kommentare
  1. lisa,, 09.09.2019, 16:24 Uhr

    Man nimmt einen alten Bus baut ihn um wie der Conny bei RTL, und Kühlaggregate. Das wichtigste sind Brot Gemüse, Salat und Aufschnitt, wenig Fleisch, das andere wo die Nachfrage da ist, ergiebt sich. Ein kleines Formular abgeben an die Kundschaft, auf dem sie ihre Anliegen draufkritzeln können.

  2. Jörg Müller, 09.09.2019, 08:41 Uhr

    Sehr tolle Idee. Denke an Gehbehinderte, die nicht mehr gut Laufen können. Früher in den 60jgern kam ja der Migros und Coop Wagen, da musste ich oft was holen, wenn meine mich Mutter mich schichte, der Milcher kam auch noch. wir hatten ein Milchbüechli. Wünsche viel Erfolg,

  3. Hans Peter Weber, 08.09.2019, 11:28 Uhr

    Cool Idee, meldet Euch.
    Gruss
    Hans Peter