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Sechs Gründe, warum Babbels Bayern-Gene zu wirken beginnen
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Und drin ist er: Hier besiegt der FCL am 27. Oktober 2016 im Cup den FC Köniz im Penaltyschiessen. (Bild: meienberger-photo.ch)

Analyse zum guten Lauf des FC Luzern Sechs Gründe, warum Babbels Bayern-Gene zu wirken beginnen

7 min Lesezeit 11.11.2016, 05:00 Uhr

Schlecht spielen und doch gewinnen – oder in knappen Spielen kurz vor Schluss den Ausgleich erzielen! In Deutschland nennt man das Bayern-Dusel, in der Schweiz scheint der FC Basel dieses Gen zu haben. Was ist dran an diesem Gerücht? Und hat Markus Babbel endlich die Formel gefunden, um die FCL-Spieler mit dem Bayern-Gen zu infizieren? zentralplus hat nachgeforscht. Und ist guten Mutes.

Bayern scheint mehr Glück als andere Teams in Deutschland zu haben. Es gibt Spiele, in denen die Münchner schlecht (oder schlechter als der Gegner) spielen und trotzdem gewinnen. Oder, sie können ein hart umkämpftes Spiel gegen den ärgsten Widersacher in der Liga (in den letzten Jahren Dortmund) entweder kurz vor Schluss ausgleichen, oder aber die Gegner schiessen nur an den Pfosten statt ins Tor. Viele Jahre war der heutige FCL-Trainer Markus Babbel mittendrin im Verein von der Säbener Strasse in München. Und man hoffte bereits bei seinem Amtsantitt an der Horwerstrasse in Luzern, dass er den Spielern dieses Gen einpflanzen kann.

FCL kann auf Dusel zählen

Wenn man die jüngsten Resultate zum Anlass nimmt, ist die Entwicklung diesbezüglich äusserst positiv – überzeugend gegen den FC St. Gallen gewonnen, dann gegen Köniz im Penaltyschiessen alle Elfmeter verwertet und zuletzt gegen Lausanne (3:2 nach 0:2-Rückstand) und gegen YB (Ausgleich in der Nachspielzeit) spät noch Punkte geholt.

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FCL-Spieler herzen Topscorer Marco Schneuwly nach seinem Ausgleichstreffer zum 2:2 gegen YB in der 92. Minute (Bild: Dominik Stegemann).

FCL-Spieler herzen Topscorer Marco Schneuwly nach seinem Ausgleichstreffer zum 2:2 gegen YB in der 92. Minute (Bild: Dominik Stegemann).

Doch schon vorher gab es Spiele, welche der FCL mit viel Dusel noch zu seinen Gunsten drehen konnte. Wer erinnert sich nicht an die achtmaligen «Marco … Schneuwly»-Schreie von Stadionspeaker Thomas Erni am letzten Heimspiel der vergangenen Saison, als die Nr. 15 des FCL in der 92. Minute noch den Ausgleich realisierte und so dem FCL gegen Sion den dritten Platz sicherte? zentralplus nennt die sechs Gründe, wie Babbel bisher etwas vom Gen einbringen konnte – aber auch, warum bisher offensichtlich noch nicht die ganze Dosis verabreicht wurde.

1. Gier

Ein Wort, welches man immer wieder aus dem Mund von Markus Babbel hört. Es braucht die absolute Gier, um zu gewinnen. Ist man in Führung, sollte man das nächste Tor anstreben. Wenn man sich nämlich zurücklehnt, so eine bekannte Fussballregel, gibt man dem Gegner Raum und lässt ihn zu nahe an den eigenen Strafraum kommen. Die logische Folge ist entsprechend, dass man ab und zu ein spätes Tor kassiert und so ein Spiel verliert oder die drei sicher geglaubten Punkte in einen einzigen umwandelt.

Viele Teams haben bestimmt schon beide Seiten erfahren, aber kein anderes Team so extrem wie die Bayern: 1999 haben sie gegen Manchester United in der Nachspielzeit noch zwei Tore bekommen und so das Spiel noch 2:1 verloren. Auf der anderen Seite haben sie im 2001 im allerletzten Ligaspiel in der 91. Minute ein Gegentor erhalten. Schalke war zu diesem Zeitpunkt Meister. Oliver Kahn, Torhüter (und wohl der letzte grosse Charakter, den dieses Spiel gesehen hat), trieb seine Vorderleute nochmals an und siehe da – in der 95. Minute gelang dem deutschen FCB noch ein Tor, welches die Meisterschaft sicherte. Schalke ging an diesem Tag als 4-Minuten-Meister in die Geschichte ein.

Unverwechselbar: Die deutsche Goalielegende Oliver Kahn.

Unverwechselbar: Die deutsche Goalielegende Oliver Kahn.

(Bild: zVg)

Die oben genannten Beispiele des FCL gegen Sion, Lausanne und YB zeigen genau diese Gier, bis zum Abpfiff alles für einen Punktgewinn zu tun! Jedoch geht es nicht ohne …

2. Goalgetter

Marco Schneuwly ist die lebende Torgarantie des FCL. Bereits 10 Tore gehen auf sein Konto der aktuellen Spielzeit, 16 Tore waren es letzte Saison, 17 die Saison davor, soeben wurde er von den «Blick»-Lesern zum Fussballer des Monats Oktober gewählt. 1989, als der FCL zum ersten und (leider) zum bisher einzigen Mal den Meisterpokal stemmen durfte, hiess diese Torgarantie Peter Nadig. Kubilay Türkyilmaz, der leider ein viel zu kurzes Gastspiel auf der Allmend hatte, war bekannt für seine «uninspirierten Auftritte» – aber wurden ihm nach 85 Minuten etwas zu viel Platz gelassen, dann war er zur Stelle und machte das Ding rein.

Kubilay Türkyilmaz jubelt im Dress der Schweizer Nationalmannschaft.

Kubilay Türkyilmaz jubelt im Dress der Schweizer Nationalmannschaft.

(Bild: zVg)

Jedes Team braucht einen solchen Spieler. Alan Shearer sagte am Ende der vergangenen Saison zu den Titelaspirationen von Arsenal (und zu Stürmer Olivier Giroud): «Jedes Team, welches Meister werden will, benötigt einen Stürmer, welcher 20 Tore pro Saison schiessen kann.» In England ist die Liga natürlich etwas ausgeglichener als in der Schweiz, aber die These lässt sich sehr gut übertragen. Nebst einem guten Sturm benötigt man auch eine …

3. Abwehr

Auch hier lässt sich eine alte Fussballer-Weisheit zu Rate ziehen: Mit einem Sturm gewinnt man Spiele – aber mit einer Abwehr gewinnt man Meisterschaften. Natürlich hört man bei den FCL-Fans ein «Ja, aber …». Jedoch ist genau das der Punkt: Es wurden durch individuelle Abwehrfehler viele Spiele verloren.

In praktisch jedem Spiel während der sechs Spiele dauernden Niederlagenserie im Frühling wurden durch individuelle Fehler verloren. Und auch in den fünf Spielen, welche vor dem St.-Gallen-Match mit nur einem Punkt belohnt wurden, hatte bei den FCL-Fans wohl nur eine Person Schuld daran – es ist unumstritten, dass Ricardo Costa bisher noch nicht seine Form gefunden hat.

Hat bislang enttäuscht: Ricardo Costa (links) im Zweikampf gegen den Lausanner gegen Kwang Pak.

Hat bislang enttäuscht: Ricardo Costa (links) im Zweikampf gegen den Lausanner gegen Kwang Pak.

(Bild: meienberger-photo.ch)

Doch, auch wenn man eine gute Abwehr und einen herausragenden Sturm hat, benötigt man eine gute …

4. Physis

Gerade die bereits erwähnten letzten Spiele beim FCL haben gezeigt, dass eine gute Physis ebenfalls Punkte einfahren kann. Gegen Lausanne sah es so aus, als sei das Spiel nach 70 Minuten zu Gunsten des Gegners gelaufen. Die Differenz in der physischen Verfassung nach diesem Zeitpunkt war frappant: Lausanne musste wohl aufgrund von Müdigkeit aufhören, die Luzerner Hintermänner bei jedem Ball zu bedrängen. Luzern, auf der anderen Seite, konnte – trotz 120 Minuten gegen Köniz nur drei Tage zuvor – noch eine Schippe drauflegen und das Spiel bekanntlich noch drehen.

27. Oktober 2016: FCL-Spieler lassen sich nach dem Sieg im Cupspiel gegen Köniz von den Fans feiern.

27. Oktober 2016: FCL-Spieler lassen sich nach dem Sieg im Cupspiel gegen Köniz von den Fans feiern.

(Bild: meienberger-photo.ch)

Die Grundlage dieser Physis wird jeweils im Sommer oder in der Winterpause gelegt. Dann werden auch Transfers getätigt – wenn man einem Spieler ab und zu mal eine Pause gönnen kann, ist er im nächsten Spiel wieder dabei. Fussballer erwähnen immer wieder, dass sie am liebsten jedes Spiel von Anfang an bestreiten. Entsprechend ist eine solche Pause auch eine Motivation und ein Zeichen, dass ein anderer Spieler ebenfalls einen Stammplatz einnehmen könnte. Hier ist auch ein weiterer Punkt von Bedeutung, die …

5. Einstellung

Gerade die knappen Siege lassen die Trainer mit einer Aussage im folgenden Stil ausklingen: «Heute hatten wir Glück, aber wir müssen noch an X arbeiten.» Hier kann X durch jegliche taktische, persönliche oder auch physische Eigenschaft ersetzt werden, welche im Spiel davor vermisst wurde. Solche Einstellungen lassen die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die Spieler sollten dank der bereits erwähnten Gier die Motivation haben, sich jede Woche zu verbessern. Doch zu guter Letzt braucht man auch noch das …

6. Glück des Tüchtigen

Der Golfer Jerry Barber hat mal gesagt: «Je härter ich trainiere, desto mehr Glück habe ich im Spiel!» Diese Einstellung trifft auf viele Sportler zu. Es wird David Beckham nachgesagt, dass er damals in der Jugendabteilung bei Manchester United nach den offiziellen Trainings noch Freistösse geübt hat, bis er die Bälle aufgrund der Dunkelheit nicht mehr hinter dem Tor gefunden hat. Später wurde er als einer der besten Freistossschützen seiner Zeit bezeichnet. Es ist diese Gier, mehr zu trainieren und auch nach mehreren Aluminiumtreffern (wie gegen St. Gallen) noch einmal Vollgas zu geben und weiter den Torerfolg zu suchen.

David Backham in Action

David Backham in Action.

(Bild: zVg)

Motivieren durch Bestrafen

Es scheint, als hätte Markus Babbel bereits einigen Spielern das Sieger-Gen einimpfen können. Gerade er als Trainer hat die Aufgabe, die Spieler zu motivieren und zu Höchstleistungen zu treiben. Auch scheint er alles für den Erfolg des FCL zu tun – die Freistellung von Vabrec im Januar 2015, die Verbannung von Kryeziu auf die Tribüne für das Sion-Spiel aufgrund einer zwanzigminütigen Verspätung beim Teamzusammenzug am Morgen oder auch die gleiche Sanktion gegen einen genesenen Puljic für das Match gegen YB sind Zeugen davon.

zentralplus masst sich natürlich nicht an, das Fussballgeschäft besser zu kennen als die sportliche Führung des FCL. Nimmt man jedoch die genannten Punkte zum Anlass, so müsste eine verbesserte Abwehr der Hauptfokus für die Natipause sein. Hier kann die Motivation und das Vertrauen der sportlichen Leitung helfen – oder aber Neuverpflichtungen im Winter.

Markus Babbel und Remo Gaugler freuen sich in Vaduz über den Sieg.

Markus Babbel und Sportscout Remo Gaugler freuen sich in Vaduz über den Sieg.

(Bild: meienberger-photos.ch)

Auf alle Fälle geben die jüngsten Ergebnisse die Hoffnung, dass der FCL tatsächlich mit dem Sieger-Gen infiziert wurde. Bleibt zu hoffen, dass Babbel das Gen bei den Spielern ganz einimpfen kann, bevor ein anderer, finanzstärkerer Klub seine Dienste sichern kann – gerüchteweise ist ja der FC Ingolstadt am FCL-Coach interessiert.

Vor der Winterpause gibts für die FCL-Mannen noch vier Möglichkeiten zu Punkten: Gegen Lugano, Thun, Vaduz und Sion. zentralplus bleibt am Ball!

UPDATE: Am 13. November wurde bekannt, dass Maik Walpurgis neuer Trainer beim FC Ingolstadt wird. Babbel bleibt dem FCL also noch etwas erhalten.

Hinweis: Sie mögen den FC Luzern? Wir auch. Und deshalb haben wir all unsere FCL-Storys in einem schmucken Dossier vereint!

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