Die sechs brennendsten Fragen und Antworten zum neuen kantonalen Super-Büro
  • Politik
So soll sich der Ausblick aus dem neuen Verwaltungsgebäude dereinst präsentieren.

Prestige-Bau am Seetalplatz Die sechs brennendsten Fragen und Antworten zum neuen kantonalen Super-Büro

5 min Lesezeit 3 Kommentare 11.08.2020, 16:13 Uhr

Mit dem neuen Verwaltungskomplex auf dem Seetalplatz plant der Kanton Luzern einen grossen Wurf. Doch welche Auswirkungen haben die gut 1’300 neuen Arbeitsplätze auf den Verkehr? Kann sich der Kanton das Projekt überhaupt leisten? Und welchen Einfluss hat Corona auf die Planung?

Am Dienstag hat der Kanton Luzern die Pläne für das neue Verwaltungsgebäude am Seetalplatz in Emmenbrücke vorgestellt (zentralplus berichtete). Rund 1’300 Kantonsangestellte sollen ab 2025 auf der heutigen Brache arbeiten.

Vorgesehen ist eine moderne Arbeitsumgebung mit Ruheräumen, vielen Sitzungszimmern und Open-Space-Arbeitsplätzen. Die aktuellen meist Einzel- oder Zweierbüros werden also zu Grossraumbüros. Wir haben die sechs wichtigsten Fragen und Antworten zum Projekt zusammengetragen.

Kann sich der Kanton Luzern das überhaupt leisten?

Die Finanz- und Steuerpolitik sind seit Jahren das am heftigsten und emotionalsten diskutierte Thema in der Luzerner Politik. Und die Coronakrise dürfte das Ihre dazu beitragen, dass dies trotz besser werdenden Abschlüssen noch eine Weile so bleibt. Kann sich der Kanton den Neubau also überhaupt leisten?

Immerhin rechnet man alleine für den Bau mit 135 Millionen Franken. Inklusive Planung und weiterer notwendiger Ausgaben dürfte das Projekt gut 160 Millionen kosten. Darin enthalten ist auch der Projektierungskredit, der im Herbst vom Kantonsrat abgesegnet werden muss.

«Wegen Corona haben wir natürlich Mindereinnahmen und höhere Ausgaben zu verkraften», sagte Finanzdirektor Reto Wyss (CVP) anlässlich der Medienkonferenz in einem der Container auf dem Seetalplatz. Man lanciere derzeit aber nicht zig Projekte, sondern treibe diejenigen voran, die seit Langem geplant sind. Dazu gehört auch das neue Verwaltungsgebäude. «Mit dem Bau können wir in der herrschenden schwierigen Situation neben anderen Vorteilen ausserdem etwas für die Wirtschaft in der Region tun», so Wyss.

Wie wird das Ganze verkehrstechnisch erschlossen?

1’300 Kantonsangestellte müssen künftig an den Seetalplatz pendeln. Kommt es da nicht zu einem Verkehrschaos? Auch das verneint der Finanzdirektor. «Es wird auf dem ganzen Areal nur 100 Parkplätze geben. Davon werden einige von den Fahrzeugen der Verwaltung, von der Polizei oder von Besuchern belegt sein.» Wer direkt vor das Büro fahren will, wird künftig also mit dem ÖV oder dem Velo anreisen müssen.

Die Hauptverantwortlichen des Projekts auf dem Seetalplatz: Roland Haas (Leiter Dienststelle Personal), Regierungsrat Reto Wyss und Gesamtprojektleiter Franz Müller (von links nach rechts).

Weil in Zukunft die verschiedenen Abteilungen örtlich konzentriert sind, fallen auch die Wege zwischen den verschiedenen Standorten weg und die Abläufe sollen effizienter werden. Und die Bürgerinnen und Bürger erhalten bei Anliegen im Gegensatz zu heute eine zentrale Anlaufstelle.

Was passiert mit den jetzigen Büros?

Die Verwaltung ist derzeit an 30 Standorten einquartiert. Diese Räumlichkeiten in der Stadt Luzern stehen künftig also anderen Mieterinnen zur Verfügung. Wyss denkt dabei sowohl an Private wie auch Firmen. «Die Stadt erhält durch unseren Umzug an den Seetalplatz die Möglichkeit, neue und vor allem gute Steuerzahler anzusiedeln.»

Der Kanton, der momentan vielerorts eingemietet ist, kann durch den Umzug laut Wyss Mietkosten von 7,7 Millionen Franken im Jahr sparen. Darin enthalten sind auch wegfallende Unterhaltskosten. Schlussendlich werde die Erfolgsrechnung des Kantons gegenüber heute um insgesamt 5,7 Millionen entlastet.

Geht auch der Regierungsrat nach Emmenbrücke?

Nein. Die Regierung wird ihre Sitzungen weiterhin im Regierungsgebäude an der Bahnhofstrasse abhalten. Auch die engsten Mitarbeiter werden weiterhin dort arbeiten. Er könne sich aber vorstellen, Plenumssitzungen mit den Dienststellenleitern seines Departements künftig in Emmenbrücke abzuhalten, wodurch nur eine Person die Reise antreten müsse.

«Die Möglichkeit des modernen und flexiblen Arbeitens lässt es auch zu, dass sich ein Regierungsrat in den Pausen an einem Arbeitsplatz niederlässt und von dort aus arbeitet», so Wyss.

Gibt es auch ein Plätzchen für das Kantonsgericht?

Das Luzerner Kantonsgericht will zügeln, weil die Räumlichkeiten am Hirschengraben nicht mehr zeitgemäss sind. Geht es nach dem Regierungsrat, sollen die Urteile künftig am Kasernenplatz im Gebäude des heutigen Naturmuseums gesprochen werden. Das neue «Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft» soll dafür ins alte Zeughaus am Musegghügel ziehen.

«Auch wenn Corona tragische Folgen hat, so hat uns die Pandemie im positiven Sinn doch vor Augen geführt, was heute in Bezug auf die Arbeitsweise möglich ist.»

Reto Wyss, Regierungsrat

Doch gegen die Pläne regt sich Widerstand. Unter anderem vom Quartierverein Kleinstadt und den dort ansässigen Gewerblern, die einen Wegfall der Touristenströme und weniger Laufkundschaft befürchten (zentralplus berichtete). Hält sich der Kanton also offen, dereinst auf seinen Entscheid zurückzukommen und möglicherweise das Gericht im neuen Verwaltungsgebäude einzuquartieren?

«Nein, diese Option haben wir nicht in die Überlegungen miteinbezogen. Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Lösung am Kasernenplatz finden. Denn das Gericht soll im Kantonshauptort angesiedelt sein», so Reto Wyss. Von den Befürchtungen der Gewerbler habe er bisher nichts vernommen. «Es gibt einfach eine Verschiebung. Die Distanz zwischen den beiden Standorten ist aber derart klein, dass mir diese Argumentation ein bisschen problematisch erscheint.»

Inwiefern ist Corona eine Chance für das Projekt?

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde aufgrund der Coronakrise immer wieder über das Homeoffice diskutiert. Auch beim Kanton arbeiteten mehrere Tausend Angestellte von zuhause aus. Wird man die gemachten Erfahrungen ins Projekt einfliessen lassen?

«Auch wenn Corona tragische Folgen hat, so hat uns die Pandemie im positiven Sinn doch vor Augen geführt, was heute in Bezug auf die Arbeitsweise möglich ist. Nämlich fast alles», hielt der Finanzdirektor fest. Auch wenn man nicht komplett auf Homeoffice wird umstellen können. Dass die Mitarbeiterinnen von 8 bis 17 Uhr im Büro sein werden, sei künftig dennoch wohl eher die Ausnahme.

Vor dem Hintergrund der sich verändernden Arbeitswelt habe sich der Regierungsrat auch dazu entschieden, die sogenannte «Work-Smart-Charta» zu unterzeichnen. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, flexible Arbeitsformen aktiv zu fördern.

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3 Kommentare
  1. AHugentobler, 12.08.2020, 12:49 Uhr

    Grossraumbüro? Nur 100 Parkplätze? Der Kanton darf als Arbeitgeber nicht unattraktiver werden, sonst findet er die nötigen Fachkräfte nicht mehr. Das Projekt ist klar abzulehnen.

    1. CScherrer, 13.08.2020, 14:00 Uhr

      Die Attraktivität eines Arbeitgebers hat wohl kaum etwas mit Parkplätzen zu tun. Davor kommen Sozialleistungen, Flexibilität, Home Office etc.
      Alles andere verursacht nur Stau.

  2. CScherrer, 12.08.2020, 07:59 Uhr

    Stellt sich trotzdem immer noch die Frage, ob dieses Projekt nicht einfach überdimensioniert ist. Mit der Schaffung von Open-Space Arbeitsplätzen und der Möglichkeit von Home Office bin ich mir nicht sicher, ob dies alles wirklich zu Ende gedacht ist. Zudem kommt nicht die ganze Verwaltung in diesem Gebäude unter. Das WAS Luzern zügelt nach Kriens auf das Eichhof-Areal und wird 120 Millionen kosten. Also baut der Kanton für fast 300 Millionen neue Verwaltungsgebäude.

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