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Sechs Biere ab Zapfhahn: Das alte Tramhüsli ist parat
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Die Pflanzen wachsen aus Industrie-Containern, wie es zu Emmen passt. (Bild: jwy)

In Emmen eröffnet der neue Gastro-Treffpunkt Sechs Biere ab Zapfhahn: Das alte Tramhüsli ist parat

4 min Lesezeit 02.04.2019, 15:45 Uhr

Am Donnerstag eröffnet in Emmen das umgebaute Tramhüsli: Das einstige Wartehäuschen ist jetzt eine Kaffeebar mit 1920er-Feeling. Die Betreiber locken mit eigener Kaffeerösterei, Emmer Bier in sechs Varianten und einem Kulturprogramm.

Wenn all die Buvetten und Sommerbars den Gastro-Sommer einläuten, will auch das Tramhüsli nicht abseits stehen: Das ikonische Häuschen mit dem Turm gleich neben der Viscosistadt in Emmen nimmt am Donnerstag, 4. April, seinen Betrieb auf (siehe Box).

Aus der alten Trafostation mit Wartehäuschen ist ein kultureller und gastronomischer Treffpunkt entstanden, der von der IG Arbeit Luzern betrieben wird. Sie führt bereits das Restaurant «Nylon 7» in nächster Nähe.

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Im Tramhüsli gibt es vom Kaffee bis zum Apéro das gängige Angebot. Das Bier kommt von der lokalen Kleinbrauerei MNBrew und wird in sechs Sorten gezapft – unter anderem gibt’s das neue Tramhüsli-Bier.

Marco Wymann heisst der Leiter des Gastroangebots, er stiess neu zur IG Arbeit. Von Montag bis Samstag wird er mit seinem Team vor Ort sein. Als Spezialität für den Magen wird es Poké-Bowls geben, ein hawaiianisches Gericht. Zudem kleine und grosse Burger, Sandwiches und andere Snacks.

Im Video erklärt Marco Wymann das Angebot:

 

Rund 30 Personen passen ins kleine Lokal, mehr Platz gibt es im Freien: Einerseits unter dem neuen, grossen Vordach, aber auch auf dem Vorplatz stehen Tische und Stühle neben Blechcontainern, die zu Pflanzenkübeln umgenutzt werden. Gleich daneben steht ein WC-Häuschen, das zugleich als Unterstand für wartende Bus-Passagiere dient.

«Als Emmer Bürger habe ich doppelt Freude, dass wir etwas beitragen können für den Aufschwung in diesem Teil von Emmen», sagt Marc Pfister, Geschäftsführer der IG Arbeit. Die soziale Institution wird hier 8 Arbeitsplätze für bis zu 16 Menschen mit psychischer Beeinträchtigung anbieten. Das Tramhüsli sei ein Beispiel, wie man Inklusion leben kann: «Menschen mit und ohne Beeinträchtigung arbeiten zusammen», so Pfister.

Die Bar im Tramhüsli liegt genau unter dem Turm.

Die Bar im Tramhüsli liegt genau unter dem Turm.

(Bild: jwy)

Bänke wie im Wartesaal

Das alte Tramhüsli wurde vor 90 Jahren als Unterstand für Tram- und Busfahrer gebaut, diente zugleich als WC-Häuschen und CKW-Gebäude. Später kam ein Kiosk dazu und es wurde zum Treffpunkt, wo «Viscösler» und Mitarbeiter der Eisenwerke ein- und ausgingen. Nun soll das Hüsli mit seinem Vorplatz diese Bedeutung wiedererlangen.

Eröffnung Tramhüsli

Am Donnerstag, 4. April (8 bis 21 Uhr), und Freitag, 5. April (17 bis 21 Uhr), wird das Tramhüsli als Treffpunkt eröffnet. Der erste Kaffee respektive das erste Bier geht aufs Haus. Am Samstag, 17. August, steigt ein Tramhüsli-Fest. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 7.30 bis 22 Uhr, Freitag bis 0.30 Uhr, Samstag 16 bis 0.30 Uhr.

Das Gebäude wurde nicht nur modernisiert, sondern auch optisch wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Man fühlt sich in die Zeit zurückversetzt, als hier zwischen 1927 und 1961 am Centralplatz noch Trams verkehrten – sonst gibt’s kaum mehr Zeugen mehr von dieser ÖV-Epoche.

Die rechteckige Bar steht genau unter dem Turm, in den man von unten blicken kann. Dort ist jetzt die ganze Gebäudetechnik und der Boiler untergebracht. Die Bar ist mit Holz verkleidet, den Wänden entlang sind Holzbänke montiert, die den Charakter eines Wartesaals wiederherstellen.

«Das Tramhüsli soll zum Lieblingsort für die Emmer Bevölkerung werden.»

Marc Pfister, IG Arbeit

«Wir haben die Holzlättli-Bänke mit Materialien und Farben kombiniert, die jener Zeit des Wartsaals entsprechen», sagt Architekt Hardi Bisig. Auch sonst wurde auf Schnickschnack im geschützten Gebäude verzichtet – Beton, Holz und Messing dominieren.

Im Video: Der Architekt über den Umbau:

 

Zum Tramhüsli und seinem Aussenplatz gehört neu auch das angrenzende Industriegebäude «702A»: Dort sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, ab Sommer betreibt die IG Arbeit hier eine eigene Kaffeerösterei und die lokale Kleinbrauerei MNBrew wird hier ihren Rampenverkauf anbieten.

Zudem wird der Raum kulturell genutzt und steht für verschiedenste Anlässe wie kleinere Konzerte zur Verfügung. Nicht nur professionelle Kultur, sondern das gesamte Emmer Kulturleben soll Platz finden. «Das Tramhüsli soll zum Lieblingsort für die Emmer Bevölkerung werden – und für alle, die hier studieren und arbeiten», schwebt es Marc Pfister von der IG Arbeit vor.

Patric Fasel von der MNBrew will die Bierkultur mit der normalen Kultur verbinden: Das fängt mit den Etiketten der Ale-Biere an, die von Künstlern gestaltet werden. «Wir wollen ein vielfältiges kulturelles Programm, nicht nur im 702A, sondern auf dem ganzen Areal bieten.» Wer will, kann das ganze Areal mieten, etwa für einen Flohmarkt oder andere Anlässe.

Das Tramhüsli von der Strasse aus gesehen, bald sind die Bauabschrankungen weg.

Das Tramhüsli von der Strasse aus gesehen, bald sind die Bauabschrankungen weg.

(Bild: jwy)

Noch fehlt Geld

Das 1927 gebaute Tramhüsli war einst durch einen Abriss gefährdet, weil es der Neugestaltung der Strasse im Weg stand. Dann wurden die 250 Tonnen verschoben und gerettet. Eine Stiftung wurde gegründet und schliesslich brachte ein Crowdfunding fast 100’000 Franken ein.

Insgesamt kostet das Projekt rund 1,6 Millionen Franken, dazu war die Stiftung auf Fremdfinanzierung angwiesen. Ein Crowdfunding brachte 100’000 Franken ein, Sponsoren halfen und der Tramhüsli-Verein zählt bereits 250 Mitglieder. Noch fehlen rund 200’000 Franken. Der Stiftungsrat sei aber zuversichtlich, dass er auch dieses Ziel erreicht. «Das Tramhüsli braucht weitere Unterstützung, und dieses Kleinod hat die Unterstützung verdient», sagt Stiftungsratspräsdient Urs Rudolf.

Mehr Bilder vom Tramhüsli in der Galerie:

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