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Schwitzen und kämpfen bis zum Beinahe-Kollaps
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Die Hitze macht das «Sauna Yoga» zu einer besonderen Herausforderung. (Bild: Symbolbild/Fotolia)

zentral+ testet Bikram Yoga in Luzern Schwitzen und kämpfen bis zum Beinahe-Kollaps

5 min Lesezeit 07.11.2015, 17:30 Uhr

26 Yoga-Übungen in 90 Minuten bei 40 Grad Raumtemperatur, das ist Bikram Yoga. Wer es heiss mag und sich gerne im Bikini zeigt, ist im «Sauna Yoga» richtig. zentral+ hat die Herausforderung angenommen – und ist den Grenzen nahegekommen.

Yoga – das ist die Trendsportart für Körper und Geist. Auch wenn man dabei durchaus an seine Grenzen kommen kann, hat Yoga doch eher den Ruf eines gemächlichen Sports, der auch für die weniger Trainierten bestens geeignet ist. Doch das muss nicht zwangsläufig der Fall sein, denn Yoga existiert in allen möglichen Ausführungen und Formen. zentral+ scheut sich nicht davor, die aussergewöhnlichsten davon zu testen – und ist dabei beim Bikram Yoga ordentlich ins Schwitzen geraten.

Bikram Yoga wird nämlich bei 40 Grad praktiziert und wird deshalb auch «Hot Yoga» oder alltagssprachlich «Sauna Yoga» genannt – und ist definitiv nicht für jedermann geeignet. Es sei denn, man mag es heiss. Und der Blutdruck spielt mit.

«Das erste Mal ist immer die Hölle.»
Teilnehmerin beim Bikram Yoga

«Hello, did you bring your swim clothes?», begrüsst mich Dax, ein thailändischer Yogi, als ich das Studio an der Brünigstrasse 16 in Luzern betrete. «Hä!?», denke ich mir, «ich geh doch zum Yoga und nicht zum Schwimmen …» Doch ich kann beruhigt sein, fast niemand ist im Bikini da, sondern eher in kurzer Sportkleidung, einige Frauen auch nur im Sport-BH. Das ist angesichts der Temperaturen, die während der Yogastunde herrschen, auch völlig legitim.

Aussergewöhnliche Yoga-Angebote in Luzern

Yoga basiert auf einer indischen Philosophie und verbindet geistige mit körperlichen Übungen. Es gibt viele verschiedene Formen des Yoga, oft mit einer eigenen Philosophie und Praxis. Auch in Luzern sind die Angebote vielfältig. zentral+ wird in loser Folge ausgefallene Yoga-Arten aus der Region testen und darüber berichten. Im Vergangenen haben wir bereits Erfahrungen im Nacktyoga gesammelt.

40 Grad, 90 Minuten und 26 Übungen

Bikram Yoga ist eine Form von Hatha Yoga, erfunden wurde es von Bikram Choudhury, der in seiner Jugend als Gewichtheber erfolgreich war und aufgrund einer schweren Verletzung zum Aufhören gezwungen war – und sich mit Bikram Yoga selbst heilte. Darauf gründete er zusammen mit seinem Guru Bishnu Gosh das Bikram Yoga. Grundpfeiler dieser Form von Yoga: Ein auf 40 Grad Celsius geheizter Raum, in welchem während 90 Minuten 26 Übungen – in Yoga-Sprache Asanas genannt – ausgeführt werden.

In der Garderobe komme ich ins Gespräch mit Alexandra, sie praktiziert Bikram Yoga schon seit mehreren Monaten. «Das erste Mal ist immer die Hölle», warnt sie mich vor. Der «warum tue ich mir das an?»-Gedanke kommt zum ersten Mal auf, ich bleibe aber mutig, lächle vor mich hin und beschwöre alle möglichen positiven Gedanken.

Ein wahrer Alleskönner

Ich denke auch an all die positiven Effekte, die Bikram Yoga haben soll: Es sollen gezielt alle Muskeln, Knochen, Bänder und Sehnen trainiert, der Blutkreislauf gefördert, Krankheiten und Verletzungen gelindert und vorgebeugt als auch auf einer mentalen Ebene die Willenskraft, Selbstdisziplin und Konzentration gestärkt werden. Ein wahrer Alleskönner!

Ich schnappe mir also eine Matte und betrete den gefürchteten Raum: Gar nicht so schlimm, in meiner Vorstellung hätte ich schon jetzt Schweissausbrüche erleiden müssen, es ist aber eher angenehm warm.

Wir sind insgesamt zwölf Teilnehmer, vorwiegend weiblich. Wie die anderen lege ich mich, bevor die Stunde beginnt, auf den Rücken, um zur Ruhe zu kommen. Das klappt zu gut, und ich ertappe mich immer wieder, wie ich fast eindöse. Mein Entspannungslevel ist also schon ziemlich hoch, sehr gut. Bevor ich ganz einnicke, betritt Beat den Raum und begrüsst uns.

Es wird schwummrig vor Augen

Es beginnt mit einer Atemübung, die er mir persönlich vorzeigt, und dann geht’s los: Immer langsam ein- und ausatmen, jedes Asana wird zweimal gemacht. Dies ist nicht meine erste Yogastunde und auch sonst bin ich immer wieder mal aktiv, aber die Hitze macht’s: Zweimal wird mir so schwummrig vor Augen, dass ich mich hinsetzen muss, jede weitere Aktivität wäre zu viel.

«Hier handelt es sich um die Heirat von Herz und Kraft.»
Beat, Yoga-Lehrer 

Mein eher tiefer Blutdruck ist nicht ganz unschuldig, besonders Übungen, bei denen der Kopf gegen den Boden zielt, mag er nicht so. Da hilft nur langsames Ausführen oder, wenn’s gar nicht mehr geht, pausieren. Es wird mir klar: Nicht umsonst warnen manche Mediziner vor dem Bikram Yoga.

Das Verrenken und Verbiegen kostet viel Konzentration, der Luftbefeuchter neben mir macht es nicht besser. Ob Adler oder Baum, Bogen oder Heuschrecke, die Übungen, die bei anderen so schön leicht und grazil aussehen, haben es in sich.

Der Körper ist klitschnass

Der Fokus liegt voll und ganz auf dem Atem, dem Durchhalten. Nur noch 30 Minuten! Es wird immer schwieriger, die Übungen korrekt durchzuführen – nicht weil die Kräfte schwinden, sondern weil mein Körper klitschnass ist. Trotz oder gerade wegen all den Anstrengungen geht die Zeit relativ schnell vorbei, das letzte Drittel wird gedehnt, was gedehnt und gestreckt werden kann.

Es wird geschwitzt und geatmet und vor allem nichts gedacht: Die Wärme lässt es gar nicht zu, dass man über andere Dinge nachdenken kann. Diese Komponente, die Verbindung von Körper und Geist ist grundlegend beim Yoga und gelingt an diesem Abend fast wie von alleine.

Bikram – alltagssprachlich auch Sauna Yoga genannt – gibt es auch in Luzern.

Bikram – alltagssprachlich auch Sauna Yoga genannt – gibt es auch in Luzern.

(Bild: zvg)

Welche Energie bitte schön?

Bewundernd ist der positive Umgang mit Anstrengung der Yogis. So sagt Beat immer wieder Dinge wie «diese Übung ist besonders gut für eure Willensstärke», «hier handelt es sich um die Heirat von Herz und Kraft» oder «teilt eure Energie mit den anderen». Das löst in mir automatisch Reaktionen wie «aha, also wird es jetzt besonders streng», «juhu, Konditionstraining!» und «welche Energie bitte schön?» aus.

Diese positiven Formulierungen lenken die Gedanken aber immer mehr zu einem respektvollen Umgang mit dem Körper, zu Dankbarkeit, zu mehr Beweglichkeit in Körper und Geist, zu mehr Einklang.

Ein wunderbares Gefühl

Ich war selten so stolz, eine körperliche Ertüchtigung durchgezogen zu haben, und nehme die Verbindung von Körper und Geist, die uns im Alltag so oft abhanden kommt, intensiv wahr. Bikram Yoga sei «unübertroffen darin, Lebenskraft, Gesundheit und ein wunderbares Gefühl des Wohlbehagens zu finden», schreiben sie in ihrer Broschüre. Dem kann ich nur zustimmen. Dennoch bin ich mir noch nicht sicher, ob ich mich ein zweites Mal in die «Hölle» wage oder lieber auf der sicheren Seite im Hatha Yoga mit einer gewohnten Luftfeuchtigkeit bleibe.

Die beiden Yoga-Lehrer im Bikram Yoga Luzern: Beat Urech und Sathean Dax Dissopa (v.l.)

Die beiden Yoga-Lehrer im Bikram Yoga Luzern: Beat Urech und Sathean Dax Dissopa (v.l.)

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