«Schwiizermeischter!»: EVZ-Fans und Zuger Bevölkerung im Freudentaumel
  • Sport
  • EVZ
Feiern in der Menschenmasse: Was eigentlich im Moment undenkbar ist, fand am Freitag in Zug statt. (Bild: wia)

So wurde in der Kolinstadt gefeiert «Schwiizermeischter!»: EVZ-Fans und Zuger Bevölkerung im Freudentaumel

5 min Lesezeit 2 Kommentare 08.05.2021, 02:06 Uhr

Gestern Nacht war die Stadt Zug im Ausnahmezustand. Der Meistertitel des EVZ löste eine kollektive Euphorie aus, und ein Fest vor der Bossard-Arena, wie es auch in Vorcoronazeiten beeindruckt hätte.

Wie feiert man, wenn man nicht richtig feiern darf? Die Frage, die sich zentralplus anfangs der Woche in Hinblick auf den Eishockeyfinal und den potenziellen Sieg gestellt hat, wurde nun beantwortet. Und zwar mit einer etwas anderen Meisterfeier, die sich dennoch sehen lässt.

Doch von Anfang an. Wir schreiben den 7. Mai 2021, mit dem dritten Spiel der Zuger gegen Genf-Servette und zwei bisherigen Siegen ist der Pokal in Griffnähe. Die zuversichtlichsten und treusten Fans finden sich kurz vor 20 Uhr denn auch vor dem Stadion ein, kurz nach Spielbeginn zählt die Polizei ungefähr 250 Personen.

Es herrscht eine spannende Mischung zwischen gesittet und emotional, zwischen Teenagern, die mit Boombox angereist sind und gar nicht wissen, worum es hier geht, sowie jahrzehntelangen Fans, die ihren Meistertiteln nun endlich, nach 23 Jahren, zurückholen wollen.

Während die Masken während des ersten Drittels noch einigermassen über der Nase sitzen, verschwinden sie zunehmends, je lauter die Fans für ihren EVZ singen und johlen müssen. Und auch wenn ab und zu eine Leuchtpetarde in Flammen aufgeht und für glühende Stimmung sorgt, so bleibt die Polizei, die grosszügig gestreut um den Platz steht, auffallend cool.

Am Freitag auffallend cool: Die Zuger Polizei.

Nicht einmal wird im grösseren Stil interveniert, man lässt die Zuger gewähren, zeigt Vertrauen und Nachsicht. Was die Situation vor dem Stadion besonders spannend macht, ist der Fakt, dass es kein geplantes Public Viewing gibt. Viele der Fans verfolgen den Match auf ihren winzigen Handys. Fanclubs haben eine kleine Leinwand organisiert, auf der das Spiel übertragen wird. Dass das Bild immer mal wieder einfriert, wird zwar mit lauten Buh-Rufen quittiert, aber dennoch toleriert. Denn es gibt kaum Alternativen.

Ebenfalls schön anzusehen sind die Gruppen von EVZ-Fans, die sich um zwei IPads versammeln, ihr eigenes Bier mitgebracht haben und sich alleine schon freuen, zumindest in der Nähe des Stadions zu sein. Einige von ihnen sind gar von St. Gallen angereist, nur um dann 100 Meter vom Stadion entfernt in überschaubarem Rahmen mitzufiebern mit ihrem Club.

In gemütlichem Rahmen hat diese Gruppe gefeiert. Mit Pizza, Bier und Ipad.

«Wer ned gumped isch kein Zuger, hey, hey!» Fast alle sind Zuger. Hüpfen, als gäbe es kein Morgen. Das tut es auch nicht, zumindest nicht in dieser Saison. Denn zack. Das Spiel ist zu Ende. Les jeux sont faits. Der EVZ hat gewonnen, die Fans umarmen sich sehr uncoronakonform, klopfen sich auf die Schulter, manch einer hat Tränen in den Augen. Er schüttelt den Kopf. «So richtig angekommen ist der Meistertitel noch nicht. So lange haben wir gewartet. Ich muss das erst einmal setzen lassen», sagt ein Herr im alten EVZ-Trikot.

An der Bahnhofstrasse geht die Post ab

Die Innenstadt und das sonst belebte Seeufer sind während dem Spiel fast wie leergefegt. Einige Restaurants wie die Althausbar oder das Kurioz bieten Public Viewing für eine beschränkte Anzahl von Gästen. Der Hotspot ist aber das Grand Café an der Bahnhofstrasse. Dicht gedrängt verfolgen unzählige Fans das Spiel an den Bildschirmen, der Aussenbereich des Restaurants wird richtiggehend überrannt.

«So richtig angekommen ist der Meistertitel noch nicht. Ich muss das erst einmal setzen lassen.»

Ein Zuger Fan

Schon vor Spielbeginn setzen die frenetischen Fangesänge und Anfeuerungsrufe ein, wie man sie sonst im Stadion gewohnt ist. Böllerschüsse begleiten das Spielgeschehen, das Bier fliesst in Strömen. Auch hier ist die Polizei diskret präsent. Mit Absperrungen schützt sie die zahlreiche Fangemeinde vor dem Verkehr an der Bahhofstrasse. Von den Fans mit Jubel quitierte Böllerschüsse begleiten das Matchgeschehen. Je näher der Sieg rückt, umso mehr gehen die Emotionen hoch. Die Fans liegen sich in den Armen, die Freude über den bevorstehenden Erfolg steigert sich zur Euphorie.

Kinder im Pischi, Tränen in den Augen der Fans

Viele jedoch wollen mittendrin feiern, vor dem Stadion, in einer Menschenmenge, die es so weltweit im Moment kaum gibt. Mittlerweile dürften es weit über 500 Menschen sein, die sich vor dem Zuger Stadion eingefunden haben. Je näher es dem Ende zu geht, je klarer es wird, dass der EVZ endlich, endlich, nach rund zwei Dekaden wieder zum Meister gekrönt wird, je mehr Menschen versammeln sich.

Pandemie? Diese wird zugegebenermassen etwas vergessen an diesem historischen Freitagabend.

Viele von ihnen haben den letzten Meistertitel hautnah miterlebt, damals natürlich live im alten Stadion. Andere waren 1998, noch längst nicht auf der Welt. Kinder – sind sie im Pjyama? – wuseln herum, kein Wunder. Wer im näheren Umkreis der Bossard Arena wohnt, der hat keine Chance zu schlafen. Dann lieber dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wird. Immer wieder wird Feuerwerk in die Luft gejagt, noch bevor das Spiel zu Ende ist. Egal. Dass Zug gewinnt, wird immer offensichtlicher. 3:1, 4:1, 5:1. Unter dem Dach der Halle wird es so richtig laut.

Zuger Stapi gratuliert

«Sensationell!» So kommentiert Stadtpräsident Karl Kobelt die Leistung des EVZ unmittelbar nach dem Match. Im Namen des Stadtrates hat er der Mannschaft zu ihrem Titel sofort gratuliert. «Der Sieg ist souverän und verdient.» Die Stadträtinnen und Stadträte haben sich in ihrem Chat noch während dem Match ausgetauscht. «Wir sind alle in Feierlaune», so Kobelt «und wir freuen uns mit der ganzen Bevölkerung.» Der Stadtpräsident genehmigte sich zur Feier des Tages zurspäten Stunde noch ein Glas mit einer «grossen inneren Freude, dass es geklappt hat.» Sein Rat an die Zugerinnen und Zuger: «Lasst die Korken knallen!».

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

2 Kommentare
  1. Sepp Kirsch, 08.05.2021, 11:14 Uhr

    Natürlich darf und soll man dem EVZ zum verdienten Titel gratulieren!

    Jedoch ist es absolut unverständlich, dass die Polizei nicht stärker interveniert hat und z.B. die bekannten Lokalitäten von Anfang an gesperrt hat. Betrunkene, hupende Autofahrer mit riesigen Fahnen, mit 60 durch die 30er Zone und die Polizei schaut zu. Feuerwerk in der Menschenmenge, viel zu viele Leute vor den Restaurants, usw. Ein Hohn und eine Frechheit gegenüber allen, die sich aktuell einschränken müssen, nicht öffnen dürfen oder sich an penible Auflagen halten. Überall wird kontrolliert und gebüsst, aber beim Sport lässt man alles ohne die leiseste Kritik durch (kein Statement der Polizei, kein Aufruf den Ort zu verlassen, etc. Im Gegenteil wird offiziell mit einem Bild der Menschenmassen gratuliert…), die Kosten tragen darf dann wieder die Allgemeinheit.

    1. Niederberger Urs, 08.05.2021, 12:19 Uhr

      Welche Kosten?

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.