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«Schwieriger als erwartet»
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Erlebte schon bessere Zeiten: der Steg-Hauptsitz in Littau. (Bild: zvg)

Neuer Chef von Steg Electronics im Interview «Schwieriger als erwartet»

6 min Lesezeit 2 Kommentare 27.03.2015, 18:43 Uhr

Verstaubte Filialen, veraltete Infrastruktur, über 70 Personalabgänge in drei Jahren: Der neue Chef und Besitzer des Littauer Computerhändlers Steg sagt im Interview mit zentral+, warum er die Firma letzten Oktober trotzdem gekauft hat, wie er den Rückstand auf die starke Konkurrenz wieder aufholen will – und ob weitere Entlassungen oder Filialschliessungen drohen.

Der Computerhändler Steg Electronics mit Hauptsitz in Littau hat arg zu kämpfen. Seit längerem läuft der Geschäftsgang nicht nach Wunsch. Im Oktober letzten Jahres wurde die Firma mit ihren schweizweit 17 Filialen und aktuell 170 Mitarbeitern vom Schaffhauser Online-Elektrohändler PCP.CH (60 Mitarbeiter) übernommen. Dieser hat am Freitag per Medienmitteilung bekannt gegeben, dass bei Steg aus wirtschaftlichen Gründen zwölf Mitarbeiter entlassen werden müssen, sechs davon am Hauptsitz in Littau.  Zudem wird der bisherige Geschäftsführer Manfred Steinhardt nur noch beratende Funktion haben. Neu leitet Lorenz Weber die 1994 gegründete Firma. Weber ist Verwaltungsratspräsident der Muttergruppe PCP-COM. zentral+ wollte von ihm wissen, wie schlimm es um den ehemaligen FCL-Hauptsponsor Steg wirklich steht.

zentral+: Lorenz Weber, bislang hatte man den Eindruck, PCP.CH kenne keine Sorgen. Jahr für Jahr wuchs die Firma rasant, expandierte nach Deutschland, Österreich und in die Slowakei. 40 Millionen Franken setzt das 1998 von Ihnen als Kantischüler gegründete Projekt mittlerweile um. Kaum aber haben Sie die schlingernde Luzerner Firma Steg übernommen, müssen Sie erstmals Entlassungen und Umstrukturierungen bekannt geben. Haben Sie sich mit Steg übernommen?

Lorenz Weber: Es stimmt, bislang lief es für uns sehr gut. Aber man muss sehen: Mit Steg haben wir eine Firma übernommen, die viel grösser ist als wir. Und Steg ist nicht zu 100 Prozent gesund, die Firma hat Probleme am Markt, mit dem Umsatz und dem Gewinn. Der alte Eigentümer hat uns das Unternehmen verkauft mit der Hoffnung, dass wir die Firma wieder zum Erfolg zurück bringen. Sowas geht aber nicht in ein paar Monaten, sondern das dauert bis zu drei Jahre, bis der kranke Patient wieder gesund ist.

«Steg ist nicht zu 100 Prozent gesund, die Firma hat Probleme am Markt, mit dem Umsatz und dem Gewinn.»

Lorenz Weber, Geschäftsführer Steg und VR-Präsident PCP.COM

zentral+: Haben Sie die Probleme von Steg unterschätzt?

Weber: Uns war unter dem Strich bewusst, auf was wir uns einlassen. Allerdings zeigte sich die Situation nach der Übernahme doch etwas schwieriger als erwartet. Das Filialgeschäft von Steg ist ein ganz anderes Business als jenes von PCP.CH, das nur im Onlinebereich tätig ist. Der gesellschaftliche und technische Wandel führt dazu, dass immer mehr Leute Online bestellen und die Steg-Filialen deswegen weniger frequentiert werden.

Lorenz Weber, neuer Geschäftsführer von Steg Electronics sowie Verwaltungsratspräsident der Muttergruppe PCP.COM.

Lorenz Weber, neuer Geschäftsführer von Steg Electronics sowie Verwaltungsratspräsident der Muttergruppe PCP.COM.

(Bild: zvg)

zentral+: Als Ihre Firma PCP.CH letzten Oktober Steg aufkaufte, teilten Sie mit: «Ein Stellenabbau ist bei Steg nicht geplant.» Ein halbes Jahr später müssen nun doch zwölf Angestellte entlassen werden. Haben Sie damals die Situation falsch eingeschätzt oder sich nicht getraut, die Wahrheit zu sagen?

Weber: Wir haben damals keine Entlassungen geplant. Allerdings verliefen sowohl das Weihnachtsgeschäft 2014 als auch der Jahresstart bei Steg schlechter als erwartet.

«Sowohl das Weihnachtsgeschäft 2014 wie auch der Jahresstart bei Steg liefen schlechter als erwartet.»

Zudem wirkt sich die Eurokrise negativ aufs Geschäft aus: Viele Kunden warten mit dem Kauf neuer Geräte, weil sie hoffen, dass die Preise noch tiefer fallen. Das spüren wir sehr direkt. Insofern haben sich die Vorzeichen verändert und wir mussten, leider, unsere Pläne überarbeiten.

zentral+: Sie sprechen von 170 Steg-Mitarbeitern. Auf der Steg-Webseite jedoch steht, dass da 2012 rund 280 Mitarbeiter gearbeitet haben. Wurden schon in den letzten Jahren so viele Personen entlassen?

Weber: Aktuell haben wir 120 Mitarbeiter am Hauptsitz in Littau und 50 in den eigenen Filialen; plus weitere 50 in den Franchise-Filialen. Die Gesamtzahl wurde von anfangs 2012 bis heute also von 280 auf 220 um 60 Personen reduziert. Das meiste geht auf die Reorganisation, sprich Filialverkleinerung im Jahr 2013 zurück.

zentral+: Hat Steg überhaupt eine Chance auf dem Markt? Wenn die Filialen immer weniger frequentiert werden, ­sind zumindest weitere Schliessungen nötig, oder?

Weber: Derzeit ist das kein Thema. Wir überprüfen die Lage jedoch ständig. Sollte sich zeigen, dass Massnahmen notwendig sind, müssen wir natürlich reagieren. Wir glauben allerdings an die Filialen, sonst wären wir bei Steg nicht eingestiegen. Ich gehöre nicht zu den Propheten die sagen, in 20 Jahren gäbe es keine Filialen mehr. Es wird immer solche Läden geben. Natürlich müssen wir aber Anpassungen vornehmen.

«Die Läden müssen attraktiver sein als bislang. Es dürfen keine Kartons mehr rumstehen, die Produkte müssen ausgestellt und ausprobierbar sein.»

Die Läden müssen attraktiver sein als bislang. Es dürfen keine Kartons mehr rumstehen, die Produkte müssen ausgestellt und ausprobierbar sein. Zudem haben wir in allen 17 Filialen eigene Techniker, die Reparaturen durchführen können. Das bietet kaum einer unserer Konkurrenten an. Für uns ist dieser Punkt sehr wichtig, weshalb wir auch prüfen, bald Handyreparaturen anzubieten.

zentral+: Täuscht der Eindruck, dass Steg in den letzten Jahren die Entwicklung etwas verschlafen hat? Auch die Webseite kommt etwas gar verstaubt daher.

Weber: Dieser Eindruck täuscht nicht. In den letzten fünf Jahren wurde nicht alles richtig gemacht. Trotzdem ist die Entscheidung vom alten Eigentümer, jetzt mit PCP.CH zusammen zu arbeiten, sehr weise gewesen. Die Stärke von PCP.CH ist die Orientierung an der Onlinewelt sowie die eigene Betriebssoftware. Das ermöglicht uns, sehr schnell zu reagieren.

«In den letzten fünf Jahren wurde bei Steg nicht alles richtig gemacht.»

Heute kann man bei uns bestellen, und morgen wird geliefert – alles vollautomatisch. Diese modernen Strukturen wollen wir auch bei Steg einführen. Und ja, auch die Steg-Webseite wirkt etwas altmodisch. Den Anschluss an die aufkommenden neuen Internetshops hat man verpasst. Wir bringen nun die Modernität zurück, daran arbeiten wir mit Hochdruck.

zentral+: Wie wollen Sie das schaffen, schliesslich schläft die recht dynamische Konkurrenz wie «digitec.ch» oder «brack.ch» auch nicht?

Weber: Wir haben schon ein paar Sachen eingeführt. Seit Ende Februar etwa ist das Steg-Sortiment 50 Mal grösser als vorher. Neu können Kunden bei uns aus 250’000 Artikeln aussuchen. Damit gehören wir zu den grössten Anbietern in der Schweiz. Wir machen schon jetzt mit diesen neuen Produkten mehr Umsatz als mit den alten.

«Seit Ende Februar etwa ist das Steg-Sortiment 50 Mal grösser als vorher. Wir machen schon jetzt mit diesen neuen Produkten mehr Umsatz als mit den alten.»

Zudem mussten Steg-Kunden früher oft ein paar Tage warten, bis sie ihre Produkte in den Filialen abholen konnten. Neu werden alle Filialen täglich angefahren, weshalb der Kunde sein Produkt schon am nächsten Tag abholen kann. So können wir nicht nur mithalten, sondern vorne mitspielen. Wir wollen nicht nur nach, sondern vorbeiziehen.

zentral+: Neu verkaufen Sie bei Steg auch Haushalt- und Gartengeräte sowie Spielwaren. Ist nicht auch dieser Markt durch die Konkurrenz schon gut abgedeckt? «brack.ch» etwa hat bereits dasselbe getan.

Weber: Das sehe ich anders, dieser Markt ist noch nicht gesättigt, sondern erst im Kommen. «brack.ch» hat sein Segment auch erst vor ein paar Monaten entsprechend erweitert. Aber da wird sich noch einiges tun, das ist der Zeitgeist, das erwartet der Kunde. Wir werden zum Beispiel künftig bei Steg auch Kühlschränke und Waschmaschinen anbieten. Auch Telefonabos sollen in den Steg-Filialen bald angeboten werden. Können wir all diese Massnahmen wie geplant umsetzen, bin ich überzeugt, dass wir den Anschluss schaffen werden.

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2 Kommentare
  1. Rafael Wunderlin, 14.02.2020, 09:14 Uhr

    Den Laden dreimal umbauen bringt da auch nichts. Die Kundenfreundlichkeit ist einfach nicht gegeben. Wenn man etwas bei Steg bestellt, haben die nie etwas am Lager, oft kommt es auch nicht, mann muss nachbohren, einfach mühsam. Wenn man RMA einschickt geht das sehr lang.

  2. Werner Raymond Duss, 27.03.2015, 21:26 Uhr

    Vor etwa 10 Jahren habe ich da mal probiert etwas auf Rechnung für meinen Arbeitgeber zu bestellen (Grossfirma). Das war dann relativ mühsam und ging nur per Fax (!!). Brack.ch machte das dann mit speziellen Firmenaccounts wesentlich besser und seither war Steg für mich auch privat gestorben. Wer die Marktentwicklung selbstgefällig verschläft, der wird halt von der Konkurrenz gnadenlos versägt.

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