Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Schwarzarbeit in Zug? Sicher nicht
  • Politik
Was wird alles schwarz gebaut in Zug? Klar: Die Altstadt sicher nicht. Aber ehrlich, was denn nun? Der Kanton will es gar nicht wissen. (Bild: zvg (Montage zentral+) )

In Zug wird am wenigsten kontrolliert Schwarzarbeit in Zug? Sicher nicht

5 min Lesezeit 22.06.2015, 05:11 Uhr

Seit Jahren kämpft die Schweiz gegen Schwarzarbeit. Allerdings kämpfen einige Kantone heftiger als andere. Der Kanton Zug ist der faulste unter den Schwarzarbeitsbekämpfern. Und hat eine erfrischende Antwort darauf, weshalb das so ist.

In Zug wird viel gebaut. Und wo gebaut wird, gibt es Schwarzarbeit. Zumindest statistisch gesehen: In dieser Branche werden schweizweit am meisten Kontrollen durchgeführt. Trotzdem zeigt ein Bericht des Bundes: Der Kanton Zug führt mit Abstand am wenigsten Kontrollen durch.

Gerade mal 36 Betriebskontrollen pro 10’000 Arbeitsplätze wurden in Zug im letzten Jahr bei Zuger Betrieben durchgeführt. Im Schweizer Mittel sind es 172. Das zeigt der jährliche Bericht des Bundes zur Schwarzarbeit in der Schweiz.

Unterstütze Zentralplus

Der einwohnermässig vergleichbare Kanton Schwyz hat 158 Mal kontrolliert. Schaffhausen steht mit 401 Kontrollen an der Spitze. Während diese Kantone auch Bussen oder Gebühren ausgesprochen haben, hat Zug im Jahr 2014 keinen einzigen Betrieb gebüsst. Zum Vergleich: Baselland hat 137’738 Franken an Gebühren und Bussgeldern eingenommen. Und das, obwohl die Strafen für Betriebe bei Schwarzarbeit mit gerade mal 1000 Franken sehr tief angesetzt sind.

Alles halb so wild?

Das Thema Schwarzarbeit ist dem Kanton Zug offenbar nicht sehr wichtig: Er setzt schweizweit auch mit Abstand am wenigsten Inspektoren zur Überprüfung der Schwarzarbeit ein. Nur 0,2 Stellen pro 10’000 Betriebe stellt der Kanton Zug zur Verfügung und steht damit im Kantone-Ranking auf dem letzten Platz. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 1,1 Stellen pro 10’000 Betriebe. Baselland steht an der Spitze mit 2,9 Inspektoren.

Weshalb behandelt Zug die Schwarzarbeit so stiefmütterlich? Alles halb so wild, sagt Bernhard Neidhart, der Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit. Der Kanton Zug habe besondere Voraussetzungen, da er so klein sei: «Wegen der Grösse und der Kompaktheit des Kantons kommt der gegenseitigen Überwachung der Arbeitgeber untereinander eine zentrale Bedeutung zu», schreibt Neidhart. Der soziale Druck führe zu einer guten Kontrolle.

Anzahl verdächtiger Fälle vermindern – durch weniger Kontrollen

Der Kanton habe, anders als andere Kantone, keine spezialisierten Kontrolleure: «Im Gegensatz zum Kanton Zug haben die anderen Kantone zusätzliche, spezialisierte Kontrolleure gegen Schwarzarbeit eingestellt. Diese haben den Auftrag, vermutete Missstände zur definitiven Bearbeitung an eine der fünf beteiligten Amtsstellen weiterzuleiten.» Diese Amtsstellen hätten die Kompetenz, die mutmasslichen Vergehen zu beurteilen und nötigenfalls zu sanktionieren. «Im Kanton Zug führen diese Amtsstellen die Kontrolltätigkeit selbst aus.» So müssten keine zusätzlichen Stellen geschaffen werden, «womit die Anzahl mutmasslicher Vergehen, welche sich nicht erhärten, stark vermindert wird».

«Man muss nicht überall Gangster sehen.»

Giuseppe Reo, Unia-Sektion Zentralschweiz

Klar, wo weniger kontrolliert wird, vermindern sich die verdächtigen Fälle. Macht es sich der Kanton Zug da nicht etwas zu einfach? Nein, sagt der Sekretär der Unia-Sektion Zentralschweiz, Giuseppe Reo. «Man muss da nicht schwarzmalen, der Kanton Zug macht vieles richtig. Er ist uns auch ein guter Partner, wenn wir Inputs für Kontrollen bringen. Man kann ihm da wirklich keinen Strick draus drehen.» Die sozialen Kontrollen seien ein valides Argument, sagt Reo. «In Zug kennt man sich, und keiner wird das Risiko eingehen, schwarz Leute anzustellen. Das spricht sich schnell rum. Es ist nicht sehr sexy.»

«Wie will man die alle kontrollieren? Geht ja nicht»

Aber wenn der Kanton im schweizweiten Vergleich an letzter Stelle steht, dann stimmt doch was nicht. «Natürlich könnte man mehr unternehmen», sagt Reo. «Aber man muss einfach sehen, der Kanton ist so klein, da kommen Firmen aus den umliegenden Kantonen zum Einsatz. Die sind nicht in Zug gemeldet», sagt Reo. «Das führt zu einer Verzerrung.»

Man könne ja nicht ständig auf Kontrolle sein. «Man muss auch nicht überall Gangster sehen. Es gab Fälle, und wir von der Unia sind auf dem Terrain tätig. Aber wir haben noch nie erlebt, dass uns der Kanton eine Türe zugehalten hätte, wenn wir Kontrollen machen wollten. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum Kanton.» Trotzdem wolle auch die Unia noch mehr Kontrollarbeit leisten: «Wir möchten mehr detektivartige Untersuchungen führen und genauer hinschauen. Aber diese Arbeit ist nicht immer einfach.» Es sei klar: «Der Kanton Zug ist nicht mehr und nicht weniger betroffen als andere Kantone.»

Er tut allerdings viel weniger dagegen als alle anderen. Und das, obwohl nach einer Schätzung der OECD 6,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts in Schwarzarbeit erwirtschaftet werden. Darin liegt so viel steuerliches Potenzial, dass etwa in Zürich auch schon von politischer Seite der Wunsch laut wurde, der Schwarzarbeit stärker auf die Pelle zu rücken. Allerdings noch nicht in Zug.

Die anderen zählen jede E-Mail

Der Kanton Zug selber hat eine erfrischend einfache Antwort auf die Frage, weshalb er an letzter Stelle im Ranking steht: Die Daten des Bundes seien verzerrt. «Es obliegt jedem Kanton, wie er Buch führt. Einige Kantone führen jedes Telefonat und E-Mail als separate Kontrolle im Bericht ans Seco auf», schreibt Neidhart. Der Kanton Zug rechne mit sogenannten Fällen, also unabhängig davon, wie viele Kontrollen vor Ort, Telefonate oder E-Mails gemacht werden. «Es bleibt bei einem Fall. Diese Verzerrungen sind im Bericht nicht erläutert.»

«Ein Vergleich ist problematisch und in keiner Weise wirkungsorientiert.»

Bernhard Neidhart, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit Kanton Zug

Also alles in Butter? Der Bund hat da andere Vorstellungen: «Der Bericht gibt die Zahlen wieder, welche uns von den Kantonen gemeldet werden», sagt Antje Bärtschi vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). «Für alle Kantone gelten dieselben Vorgaben.»

Eine Verzerrung will sie nicht gelten lassen: «Die Definition gilt für alle Kantone.» Unter Betriebskontrolle sei eine Kontrolle zu verstehen, bei welcher innerhalb eines Betriebs die Einhaltung der Melde- und Bewilligungspflichten gemäss Sozialversicherungs-, Ausländer- und Quellensteuerrecht geprüft werde.

Gibts in Zug wirklich weniger Schwarzarbeit?

Neidhart vom Kanton Zug bleibt dabei: «Ein Vergleich ist problematisch und in keiner Weise wirkungsorientiert.» Der Kanton Zug wolle die Kontrollen nicht verschärfen: «Die obgenannte Art des Vollzugs hat sich bewährt. Es hat bis dato keinen Anlass gegeben, den Vollzug künstlich aufzubauschen.» Vom Bund wird es da auch keinen Druck geben: «Die Kantone kennen ihren Arbeitsmarkt am besten und legen entsprechend ihre Kontrollstrategie fest», sagt Bärtschi.

Gibt es denn im Kanton Zug tatsächlich weniger Schwarzarbeit als anderswo? «Über das Vorliegen von Schwarzarbeit gibt es naturgemäss keine erhärteten Zahlen», sagt Neidhart. «Der Bericht des Seco beschreibt lediglich die Aktivitäten der Kantone, und dies eben in verzerrender Art.»

Das ändert allerdings nichts an den Tatsachen: «Der Kanton Zug setzt weniger Ressourcen für die Bekämpfung der Schwarzarbeit ein als die anderen Kantone», sagt Bärtschi weiter. Und das wird sich wohl auch nicht ändern.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare