Schulen, Verwaltung und Asylzentren: Alle sollen Strom liefern
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Potenzieller Standort für eine Solaranlage: Die Kanti Zug am Lüssiweg. (Bild: zvg)

Zug will Millionen in Solardächer investieren Schulen, Verwaltung und Asylzentren: Alle sollen Strom liefern

3 min Lesezeit 3 Kommentare 27.11.2020, 12:28 Uhr

Für eine klimaneutrale Zukunft braucht es massive Investitionen in erneuerbare Energien. Der Kanton Zug will auf den Dächern seiner eigenen Gebäude ansetzen – und mehrere Millionen in Solaranlagen investieren. Die linken Parteien fordern mehr.

Die Schweiz baut um. Die Energieversorgung soll bis 2050 klimaneutral sein. Die am Donnerstag publizierten «Energieperspektiven 2050+» des Bundes zeigen, was es dazu braucht: Einen starken Ausbau der neuen erneuerbaren Energien in der Schweiz, insbesondere der Solar- sowie der Wasserkraft.

Investitionen in eine grünere Zukunft plant der Kanton Zug mit dem Projekt «Ökoplus». Er will in den nächsten Jahren 5,5 Millionen Franken für Solaranlagen und Ladestationen für Elektroautos ausgeben.

Solardächer auf knapp 20 Gebäuden

Die Solardach-Offensive geht zurück auf mehrere Vorstösse aus den Reihen der SP, ALG und GLP. Sie sind der Grund, weshalb das Hochbauamt bei kantonalen Gebäuden das Potenzial unter die Lupe genommen hat.

Eine 126-seitige Machbarkeitsstudie zeigt: Die technischen und wirtschaftlichen Bedingungen, um Solaranlagen rentabel zu betreiben, sind bei vielen Gebäuden gegeben. Von 23 untersuchten Objekten können 18 Anlagen wirtschaftlich betrieben werden: Das umfasst Verwaltungsgebäude, Kantonsschulen oder Asylzentren (siehe Karte).

Die Anlagen könnten knapp zwei Millionen Kilowattstunden pro Jahr produzieren – und damit jährlich rund 82 Tonnen CO2 einsparen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa der Menge, die bei der Produktion von 6,5 Tonnen Rindfleisch verursacht wird.

Für die Installation müssen rund 4,5 Millionen Franken investiert werden. Der Bund dürfte sich laut Regierung mit rund 670’000 Franken an den Kosten beteiligen.

Den Elektroautos gehört die Zukunft

Auch auf den Strassen will Zug klimafreundlichen Optionen den Weg ebnen. Noch sind Elektro- und Hybridautos auf den Strassen zwar in der Minderheit – und gerade in Zug sind Umweltschleudern besonders beliebt –, doch dass ihnen die Zukunft gehört, scheint unbestritten. Für den Zuger Regierungsrat ist jedenfalls klar, dass Elektroautos eine Schlüsselrolle spielen, wenn es um die Reduktion des CO2-Ausstosses geht.

Mit Ladestationen auf kantonseigenen Parkplätzen will die Regierung Anreize schaffen, damit mehr Zuger auf die umweltfreundlicheren Gefährte setzen. Rund 60 Standorte hat die Regierung ins Visier genommen. Dafür will sie insgesamt eine Million Franken ausgeben. Um zu verhindern, dass zu viele Parkplätze für Elektromobile auf einmal entstehen, sollen sie in den nächsten fünf Jahren etappenweise realisiert werden.

Linke wünschen sich Zuger «Green New Deal»

Das Projekt «Ökoplus» nahm diese Woche die erste Hürde im Kantonsrat. Es geht nun in die Kommission, bevor die Kredite im Frühling 2021 dem Kantonsparlament vorgelegt werden.

Es ist damit eines der am weitesten fortgeschrittenen Teile des Zukunftsprojekts «Zug+», mit dem der Zuger Regierungsrat grosszügig investieren will. Zuletzt musste er dafür allerdings harsche Kritik einstecken. Das Parlament hat am Donnerstag mehr Informationen, eine saubere finanzielle Grundlage und einen Zwischenbericht verlangt. Die Fraktionen stellen sich inhaltlich aber hinter «Zug+» – der Marschhalt soll das Projekt also nicht per se verhindern (zentralplus berichtete).

Besonders auf linker Seite vermisste man aber weitergehende Projekte für die Umwelt. Es müssten nicht immer nur die kantonseigenen Gebäude sein, hiess es etwa von Seiten der SP.

Noch deutlicher wurde Luzian Franzini von der Alternative – die Grünen (ALG), der Zug als wirtschaftsstarke Region eine besondere Verantwortung für die Energiewende attestierte: «Mit den hohen Überschüssen und dem hohen Eigenkapital hätten wir die Mittel dazu, hier schweizweit voranzugehen und beispielsweise einen Zuger Green New Deal zu schaffen.» Die Fraktion kündigte an, mit Vorstössen nachbessern zu wollen.

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3 Kommentare
  1. Etienne Marty, 27.11.2020, 17:30 Uhr

    Man setzt also auf Wetter-, Tageszeit- und Saisonabhängigkeit. Genial!

  2. Max Barmettler, 27.11.2020, 16:51 Uhr

    Die Teslas werden in der Nacht aufgeladen, also ohne Sonnenstrom. Sondern, v.a. im Winter, Atomstrom aus la France.

  3. Luc Bamert, 27.11.2020, 16:40 Uhr

    Solange Solarstrom nicht in hohen Mengen gespeichert werden kann, ist das Geldverschleuderung. Denn am meisten Solarstrom wird produziert, wenn am wenigsten Strom verbraucht wird (im Sommer). Und am wenigsten Solarstrom gibts, wenn am meisten Strom verbraucht wird (im Winter). Und nach spätestens 30 Jahren hat man viel Elektroschrott für wenig Nutzen.
    Auch mit den sauberen grünen Technologien ist es nicht so weit her, wie behauptet wird. Wer die Doku auf Arte («Umweltsünder E-Auto?») gesehen hat, wird sich Fragen stellen müssen:
    https://www.arte.tv/de/videos/084757-000-A/umweltsuender-e-auto/

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