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Schock: Luzern fehlen 520 statt 330 Millionen
  • Politik
Das Sparpaket wird immer grösser. Die Regierung präsentierte diesen Dienstag die neusten Zahlen. (Bild: Montage bra )

Kanton Luzern immer tiefer in den Miesen Schock: Luzern fehlen 520 statt 330 Millionen

5 min Lesezeit 4 Kommentare 12.07.2016, 10:16 Uhr

Schlechte Nachrichten von der Luzerner Regierung. Die voraussichtlichen Ausfälle aus dem nationalen Finanzausgleich sind 190 Millionen höher als bisher angenommen. Damit steigt das Loch in der Kasse des Kantons in den nächsten drei Jahren auf 520 Millionen Franken. Die Regierung denkt nun über Steuererhöhungen nach.

38 Millionen weniger als budgetiert erhält der Kanton Luzern im Jahr 2017 aus dem kantonalen Finanzausgleich (zentralplus berichtete). Nun gibt die Luzerner Regierung bekannt, wie es in den beiden Folgejahren ausschaut: zappenduster. Gemäss den aktuellsten Zahlen des eidgenössischen Finanzdepartementes respektive von BAK Basel Economics dürften die Erträge aus dem Finanzausgleich des Bundes (NFA) in den Jahren 2017–2019 gegenüber dem Aufgaben- und Finanzplan 2016–2019 um 190 Millionen Franken sinken.

Der Regierungsrat hat noch vor den Sommerferien das weitere Vorgehen zur Sanierung des kantonalen Finanzhaushaltes festgelegt. Er hat dabei berücksichtigt, dass der Handlungsbedarf noch einmal deutlich gestiegen ist. Und das, obwohl der Kantonsrat Mitte Juni über das grösste Sparpaket aller Zeiten debattierte und den Haushalt für drei Jahre bereits um 200 Millionen entlastete. Dies waren rund 40 Millionen weniger als von der Regierung vorgeschlagen – Massnahmen, welche die Gemeinden belastet hätten, wurden gestrichen – und noch viel zu wenig, um das ursprüngliche Loch von 330 Millionen Franken zu schliessen. Mit den neusten Erkenntnissen steigt der Sparbedarf für die nächsten drei Jahre nun auf 520 Millionen Franken.

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Massnahmenpaket zielt auf Aufwand, Ertrag, Verschuldung

Der Regierungsrat hat die folgenden Grundsätze festgelegt, um die Finanzierungslücke zu schliessen:

1. Konsequente Aktivierung der im Planungsbericht KP17 geplanten Massnahmen

Sämtliche Personalmassnahmen werden umgesetzt. Sie sollen bis 2019 einen Entlastungseffekt von über 40 Millionen Franken erzielen. Der Regierungsrat geht davon aus, dass als Folge der Arbeitszeitverlängerung bis 2020 etwa 100 Stellen abgebaut werden. Dieser Abbau soll so weit wie möglich über natürliche Abgänge, also ohne Kündigungen erfolgen. Für flankierende Massnahmen sind 2,7 Millionen Franken vorgesehen.

Die Organisationsentwicklung wird mit grossem Nachdruck vorangetrieben. Sie soll dazu führen, dass ab 2019 in der Verwaltung 40 Millionen Franken jährlich nachhaltig eingespart werden.

Die Neuverteilung der Mittel für den Strassenbau soll wie im Planungsbericht KP17 dargelegt umgesetzt werden. Ein Verzicht auf die Neuverteilung, wie vom Kantonsrat gewünscht, hätte gegenüber der aktuellen Massnahmenliste eine Verschlechterung von über 40 Millionen Franken zur Folge. Ein solcher Ausfall wäre angesichts des grossen Handlungsbedarfs nicht verkraftbar.

Am Übergang der Sozialhilfedossiers von Flüchtlingen an die Gemeinden nach 8 (bisher 10) Jahren soll festgehalten werden. Neu sieht der Regierungsrat vor, die frei werdenden Mittel vollumfänglich in die Integrationsförderung zu lenken. Nur so kann den sozialen Kosten, die bei mangelnder Integration langfristig und nachhaltig anfallen, begegnet werden.

2. Enger Einbezug der Gemeinden

Der Kanton finanziert mit seinen Mitteln öffentliche Leistungen – teils direkt zuhanden der Bevölkerung, zu einem sehr grossen Teil aber auch über Beiträge an die Gemeinden. Sparmassnahmen beim Kanton sind zwangsläufig mit Leistungsreduktionen verbunden. Aus diesem Grund müssen die Luzerner Gemeinden noch intensiver als bisher in das KP17 einbezogen werden. Der Regierungsrat erwartet von den Gemeinden eine entsprechende Bereitschaft zur Beteiligung an der Sanierung des öffentlichen Haushalts.

Um die gemäss Planungsbericht KP17 noch bestehende Lücke von rund 90 Millionen Franken zu schliessen, hat der Regierungsrat drei weitere Möglichkeiten zur Konsolidierung des Haushalts in Betracht gezogen. Ob und in welcher Kombination er diese Massnahmen ergreift, wird er bei der Verabschiedung der Botschaft KP17 entscheiden. Es zeichnet sich aber heute schon Folgendes ab:

3. Reduktion der Transferaufwände

Bei den Transferaufwänden handelt es sich um kantonale Beiträge zum Beispiel an Gemeindeaufgaben, private Organisationen oder öffentliche Unternehmen. Der Regierungsrat wird die Reduktion der Transferaufwände direkt im Aufgaben- und Finanzplan 2017–2020 vornehmen, soweit er selbst zuständig ist. Wo zur Reduktion von Transferzahlungen Gesetzesänderungen nötig sind, werden sie mit den entsprechenden Auswirkungen als separate Massnahmen in der Botschaft KP17 ausgewiesen. Angesichts des hohen finanziellen Bedarfs ist damit zu rechnen, dass einzelne Transferaufwände empfindliche Kürzungen erfahren werden.

4. Vorübergehende Lockerung der Schuldenbremse

Nicht alle der genannten Massnahmen wirken schon 2017 im vollen Umfang. Deshalb sollen die Vorgaben der Schuldenbremse für 2017 so gelockert werden, wie es der Kantonsrat in seiner Juni-Session in erster Lesung beschlossen hat. Damit könnte 2017 eine Neuverschuldung von maximal 50 Millionen Franken (statt 25 Millionen Franken) ausgewiesen werden.

5. Steuerfusserhöhung

Trotz aller Bemühungen kann die Finanzierungslücke bis 2019 voraussichtlich nicht geschlossen werden. Der Regierungsrat befasst sich deshalb auch mit dem Szenario einer Steuerfusserhöhung. Damit würden Privatpersonen und Firmen gleichermassen beteiligt, wobei die Belastung der einzelnen Steuerpflichtigen moderat bliebe.

Trotz allem: Nein zur Steuerinitiative

Hingegen lehnt der Regierungsrat die einseitige oder gar zusätzliche Belastung der Firmen ab, wie sie aus der kantonalen Volksinitiative zur Erhöhung der Unternehmenssteuer resultieren würde. Die Initiative würde mit Netto-Mehreinnahmen von 10–11 Millionen Franken pro Jahr keinen wesentlichen Beitrag zur Sanierung der Kantonsfinanzen erbringen. Sie würde aber zahlreiche Arbeitsplätze gefährden, deren Wegzug oder Abbau wiederum Steuerausfälle und höhere Sozialkosten nach sich zöge.

Der Regierungsrat wird dem Kantonsrat für die Novembersession 2016 sämtliche Gesetzesänderungen, die zur Ausführung des KP17 nötig sind, mit einer Botschaft unterbreiten.

Wesentliche Einflussfaktoren

Zum Schluss nimmt die Regierung noch Stellung, warum sich die finanzielle Lage derzeit so schlecht präsentiert. Das kantonale Ausgabenwachstum sei eine direkte Folge des Bevölkerungswachstums, der alternden Gesellschaft, des technischen Fortschritts und steigender Ansprüche an den Staat. Es finde vor allem im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich statt. Die Steuereinnahmen blieben nach umfassenden Steuersenkungen in den Jahren 2005, 2008 und 2011 zwar insgesamt stabil oder nehmen zu, weitere Einnahmen sind jedoch stark rückläufig, namentlich die Beiträge aus dem NFA. Sie betrugen 2013 noch 370 Millionen Franken und sinken per 2017 auf 190 Millionen Franken. An sich ist der Rückgang dieser Beiträge ein positives Signal – er deutet darauf hin, dass die Finanzkraft des Kantons Luzern als Folge der Steuerstrategie stark gestiegen ist. Der Regierungsrat bemängelt jedoch, dass dieser Fortschritt im NFA bewirkt, dass die Ausfälle im Ressourcenausgleich vorübergehend grösser sind als die zusätzlichen Steuereinnahmen. Der Regierungsrat setzt sich für die Milderung oder Beseitigung dieses Fehlanreizes ein.

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4 Kommentare
  1. Juan-Carlo Glanzmann, 19.07.2016, 07:32 Uhr

    Wir sprechen von einer Abweichung von 38 Mio. und das einzige das aufgezeigt wird welche Massnahmen müssen wir vornehmen.
    Zuerst möchte ich gerne wissen wie es zu so einer Massive Abweichung gekommen ist und als zweites stellt sich die Frage braucht es überhaupt noch eine Budgetierung wenn die so hohe Abweichung aufweist???

  2. Peter Hunkeler, 14.07.2016, 09:24 Uhr

    Es ist das erklärte Ziel bürgerlicher Politik, den Staat zu schwächen – das geht unter anderem mit kaputtsparen. Der Mechanismus ist folgender: Den Staat kritisieren > Hohe Steuern als Verschwendung brandmarken > Steuern senken > Sparprogramme schüren > Leistungen kürzen/ Qualität des Service Public schwächen > Unattraktivität des Staates anprangern > …

  3. Roger Eckardt, 12.07.2016, 18:43 Uhr

    Ja, die Tiefsteuer Politik ist ja so ein Erfolg!!
    Und Verdammt diese “Linken” können einfach nicht mit Geld Umgehen!
    Deshalb braucht es eine Rein Bürgerliche Regierung im Kanton Luzern, denn nur so kann der Erfolg Garantiert werden!!
    Das Paradies ist schon ganz Nah!! Ironie Off!

    Sorry, wo ist der Erfolg dieser Strategie?
    Wenn ich richtig Verdstehe, sind die Steuermehr einnahmen ja durch die Leute die in den Kanton gezogen sind. Also eigendlich gar nicht durch die Steuerstrategie.

  4. Peter Estermann, 12.07.2016, 12:20 Uhr

    Schwerzmanns Vorgehen ist immer das gleiche: Unangenehmes wird hinausgezögert und verkündet, wenn alle in den Ferien sind.

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