Schnäppchen-Bau fliegt dem Luzerner Stadtrat um die Ohren
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Stein des Anstosses: Die Holzmodulbauten, hier an einer Schule in Basel. (Bild: zvg)

Harte Kritik an der Baudirektion Schnäppchen-Bau fliegt dem Luzerner Stadtrat um die Ohren

4 min Lesezeit 4 Kommentare 14.05.2020, 18:03 Uhr

Das Schulhaus Ruopigen muss dringend erweitert werden. Zumindest so viel ist unbestritten. Wo der Unterricht aber während der Bauzeit stattfinden soll, ist nach der Debatte im Stadtparlament alles andere als klar. Für Luzerns Baudirektorin setzte es einen Denkzettel ab.

Die Debatte um die geplante Erweiterung des Schulhauses Ruopigen wurde für Luzerns Baudirektorin Manuela Jost (GLP) zur einigermassen unerfreulichen Feedbackrunde. Jost musste sich am Donnerstag harsche Kritik anhören – in Bezug auf die Schulraumplanung im Allgemeinen und explizit zu den Plänen in Reussbühl.

Zur Erinnerung: Das Primarschulhaus Ruopigen im Luzerner Stadtteil soll zu einem Sekundarschulhaus umfunktioniert werden. Dies will die Stadt unter anderem durch Raumrochaden erreichen. Zudem sollen zwei temporäre dreistöckige Modulbauten errichtet werden, die einen in die Jahre gekommenen Pavillon ersetzen (zentralplus berichtete). Letzteres liess die Gemüter hochkochen.

Provisorium fällt fast komplett durch

Bereits in der Baukommission gab der Sonderkredit über 5,5 Millionen Franken Anlass zur Kritik, sagte Kommissionspräsidentin Laura Grüter Bachmann (FDP). Unter anderem, weil das Provisorium länger als drei Jahre genutzt werden soll. Somit sei es rechtlich gesehen kein Provisorium.

«Die Occasionsmodelle sind energetisch völlig ungenügend, was beim Kauf aber kein Kriterium gewesen zu sein scheint.»

Nico van der Heiden (SP)

Mehr Ärger bereitete aber die Tatsache, dass die Holzmodulbauten aus zweiter Hand nicht die geltenden energetischen Standards der Stadt Luzern erfüllen. Mehrere Parlamentarier monierten, dass der Vorschlag für den Kauf der gebrauchten Provisorien sehr kurzfristig zustande kam. «Die vorgeschlagene Zwischenlösung ist offensichtlich unter höchstem Zeitdruck entstanden, was zu einer falschen Entscheidung geführt hat», sagte etwa Nico van der Heiden (SP). «Die Occasionsmodelle sind energetisch völlig ungenügend, was beim Kauf aber kein Kriterium gewesen zu sein scheint.»

Stadt verliere an Glaubwürdigkeit

Van der Heiden argumentierte zudem, dass die Stadt so Glaubwürdigkeit einzubüssen drohe: «Wie will man private Liegenschaftsbesitzer davon überzeugen, energetisch zu bauen, wenn man es damit selbst nicht so genau nimmt?»

Die Schulhausanlage Ruopigen auf Google Maps.

Mirjam Landwehr (Grüne) fand ebenfalls klare Worte: «Es ist absolut irritierend, was uns der Stadtrat hier vorschlägt.» Der Zeitplan sei viel zu knapp bemessen – die Provisorien sollen bereits ab 2021 im Einsatz sein. Damit verkomme der Vorschlag des Stadtrates zu einer «Friss-oder-stirb-Option».

Nicht die erste Feuerwehrübung

Der Ärger der Stadtparlamentarier rührte auch daher, dass es nicht zum ersten Mal zu Reibungen wegen der Schulraumplanung kommt. Sowohl Andreas Felder (CVP) als auch Rieska Dommann (FDP) zählten ähnliche Feuerwehrübungen bei anderen Schulhäusern auf. So etwa im Zusammenhang mit dem Schulhaus Würzenbach (zentralplus berichtete). Bei der anstehenden Sanierung des St.-Karli-Schulhauses sieht man denn auch bereits die nächste Feuerwehrübung auf das Parlament zukommen.

Während die CVP die Provisorien zähneknirschend akzeptiert hätte, lehnte die FDP den Kredit ab. «Die Stadt Luzern kann es sich nicht leisten, Gebäude zu realisieren, welche die gesteckten Energieziele nicht im Entferntesten erreichen», sagte Dommann. Für den nun entstandenen «Scherbenhaufen» sei weder das Parlament noch die Baukommission verantwortlich. Der Fehler sei klar bei der Baudirektion zu suchen.

Aussprache mit der Baudirektion verlangt

Darum verlangte Nico van der Heiden im Namen der Baukommission eine Aussprache mit der Baudirektion. «Es ist schliesslich nicht so, als bestünde erst seit diesem Geschäft ein Konflikt mit der Baudirektion.» Eine solche Aussprache in Bezug auf die Schulraumplanung sei auch in ihrem Interesse, antwortete Baudirektorin Manuela Jost. Diese solle möglichst zeitnah stattfinden.

Der Stadtrat sei sich bewusst, dass die Provisorien energetisch nicht besonders gut wegkämen. Man sei jedoch vor der schwierigen Ausgangslage gestanden, dass man erst im Sommer 2018 erfahren habe, dass der jetzt im Betrieb stehende sogenannte Pavillon 99 zu stark in die Jahre gekommen ist. «Die Provisorien sind nicht top, im Vergleich zum jetzigen Pavillon sind sie aber ein Fortschritt», so Jost.

«Wir sehen nicht ein, dass etwas, das sich in Basel bewährt hat, hier nicht funktionieren soll.»

Oliver Heeb (SVP)

Rückenwind bekam Jost einzig von ihren Parteigenossen und der SVP. Mit Anspielung auf die Herkunft der Provisorien sagte Oliver Heeb (SVP): «Wir sehen nicht ein, dass etwas, das sich in Basel bewährt hat, hier nicht funktioniert soll.» Der Ratslinken warf Heeb vor «dogmatische Klimapolitik auf dem Rücken der Schüler» zu betreiben.

Nun muss schnell ein Plan B her

Als Bildungsdirektor ergriff zuletzt noch Stadtpräsident Beat Züsli (SP) das Wort. Die vorgeschlagenen Provisorien seien nicht allzu weit weg von den geforderten Standards, argumentierte er. Würden diese abgelehnt, müssten Zwischenlösungen gefunden werden. Etwa durch die Anmietung von Räumen. «Dort besteht dann auch keine Garantie, dass sie energetisch top sind.»

Sein Appell verhallte im Rat ungehört: Mit 29 zu 16 Stimmen wurde der Kredit für die Provisorien abgelehnt. Somit musst die Stadt für rund 240 Schülerinnen und Schüler nun schnellstmöglich alternative Lösungen finden.

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4 Kommentare
  1. Müller, 15.05.2020, 09:38 Uhr

    ich finde es Toll das Frau Jost vörsi macht endlich Schulhäuser Baut in de Jahre gekommen und seit Jahren geplant nie Gebaut wurden, die Kids wen das Provisorium nicht verhält in die Matt gehen oder das Provisorium wo nun die Kids vom Stafflen gehen, was ist los,?, das Ende ist ja nach 3 Jahren da,, und deshalb so auf Frau Jost herumhacken das letzte, zur Erinnerung das Roupigen wurde von Anfang an falsch geplant zu klein , kein Platz für Sport Anlage, da rundum Wohnhäuser, und es kann ja nicht mal Aufgestockt werden, man sollte da die EX Bau Direktoren am Füdle nehmen, ich frage mich ob das Roupigen Platzmässig am richtigen Ort steht, Weiter so Manuela Jost!!!

  2. Petra Odermatt, 14.05.2020, 21:52 Uhr

    Hauptsache das Provisorium soll energetisch auf neuestem Stand sein – was ist denn mit dem veralteten Hauptgebäude Ruopigen, das noch viel weniger ökologischen Standards entspricht? Aber das soll ja „besonders schützenswert“ sein und damit weiterhin erhalten bleiben, dass ich nicht lache! Und wieso hat man das eigentlich nicht frühzeitig prüfen können? Stellt doch einfach einen vernünftigen Neubau hin! Peinlich, liebe Baudirektion!

  3. Peter Bitterli, 14.05.2020, 20:13 Uhr

    Ideologisch aufgeplusterte Dummheit aus dem rotgrünen Raumschiff. Solches droht jetzt offenbar in Mode zu kommen. Dabei geht es ja ausschliesslich darum, die ehemalige Yogalehrerin sturmreif zu schiessen, um sie durch eine Primarlehrerin zu ersetzen.

    1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 14.05.2020, 20:23 Uhr

      Eigentlich unnötig, aber dennoch wirds hiermit getan: Die Primarlehrerin ist auch noch Pharmakologin ETH. Kennt also den Giftschrank aus dem ff.

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