Schlummertrunk nach Mitternacht: FDP will Aussenbeizen in Luzern später schliessen
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Bereits vor Corona waren die Restaurantterrassen an schönen Sommerabenden gut besucht. In den letzten Wochen sind sie ebenfalls begehrt. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Pilotversuch im Nachtleben Schlummertrunk nach Mitternacht: FDP will Aussenbeizen in Luzern später schliessen

4 min Lesezeit 4 Kommentare 11.05.2021, 05:02 Uhr

Geht es nach der FDP, sollen die Boulevardrestaurants in der Stadt Luzern im Sommer am Abend länger offen haben dürfen. Sie will einen Pilotversuch lancieren und hat im Stadtparlament einen Vorstoss eingereicht. Mit dem Anliegen dürften die Freisinnigen nicht nur bei Nachtschwärmern offene Türen einrennen.

Langsam wird es auch in unseren Breitengraden wieder wärmer und das Leben verlagert sich zunehmend nach draussen. Folglich sind die meisten Restaurantterrassen seit ihrer Öffnung gut besucht. Vor allem nach Feierabend muss mancherorts froh sein, wer noch einen freien Platz findet.

Dies ist auch der FDP in der Stadt Luzern nicht entgangen. Im Stadtparlament hat sie einen Vorstoss eingereicht, der viele Wirte und Beizenbesucher freuen wird. Denn die Freisinnigen fordern den Stadtrat auf zu prüfen, ob eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Terrassen in der Innenstadt am Abend möglich ist. Für Boulevardrestaurant ist gemäss der heutigen Bestimmungen im Sommer spätestens um Mitternacht Schluss.

Warme Sommernächte als Anstoss

«Vor Corona wurde das Thema Mediterrane Nächte in mehreren Schweizer Städten politisch diskutiert. Die Stadt Luzern ist in ihrer Praxis verhältnismässig restriktiv, und bezüglich der Schliesszeiten der Boulevardgastronomie besteht noch Luft nach oben», begründen die Postulanten Marco Baumann und Fabian Reinhard ihren Vorstoss. Wegen der Einschränkungen aufgrund der Pandemie habe der gastronomische Genuss unter freiem Himmel zwangsläufig stark an Bedeutung gewonnen.

Zu weit aus dem Fenster lehnen will sich die FDP noch nicht. Geht es nach Baumann und Reinhard, soll die Stadt nämlich zuerst einen Pilotversuch durchführen. «Die politische Diskussion in anderen Städten hat gezeigt, dass Anwohnerinnen und Anwohner verständlicherweise zunehmende Emissionen befürchten. Diese Befürchtungen sind ernst zu nehmen», schreiben sie dazu. Gleichzeitig würden Erfahrungen aus dem Ausland indes zeigen, dass längere Öffnungszeiten nicht zwangsläufig zu mehr Lärm führen.

«Wir wollen mit unserem Vorstoss offen an das Thema herangehen und mal etwas ausprobieren, bevor es politisch zerredet wird.»

Fabian Reinhard, FDP-Grossstadtrat

Für einen allfälligen Pilotversuch steckt die FDP in dem Vorstoss vorgängig schon mal den Rahmen ab. So kann sich die Partei vorstellen, dass die lockereren Regeln zum Beispiel nur an den Wochenenden im Sommer gelten, der Versuch bei übermässigen Lärmreklamationen einfach unter- oder abgebrochen werden kann und dass er nur in einem begrenzten Perimeter stattfinden könnte, sofern dies fair zu bewerkstelligen ist.

Stadtrat soll Zonen definieren

An welche Orte er dabei denkt und ob das Ganze auch eine Lösung über Corona hinaus sein könnte, will FDP-Grossstadtrat Fabian Reinhard auf Anfrage nicht sagen. «Wir haben dies im Vorstoss bewusst offen gelassen, da die Befindlichkeiten in den verschiedenen Quartieren unterschiedlich sind», sagt er. In Falle einer Überweisung des Postulats sei es am Stadtrat, Optionen aufzuzeigen.

Ganz neu sei die Idee nicht. Wegen Corona habe sich diese Frage aber verstärkt aufgedrängt. Eine Patentlösung, um die Folgen der Pandemie für die Gastrobranche abzufedern, sei es nicht.

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Reinhard ortet neben den Vorteilen für die Beizerinnen und Gäste auch noch einen weiteren Nutzen: «Wie die Buvetten am Inseli zeigen, entsteht durch Aussenbeizen eine gewisse soziale Kontrolle und es entsteht ein geordneter Rahmen», führt er aus. «Wir wollen mit unserem Vorstoss offen an das Thema herangehen und mal etwas ausprobieren, bevor es politisch zerredet wird. Darum hoffen wir, dass das Anliegen auch bei anderen Parteien auf Anklang stösst.»

Auch Linke haben Gehör für das Nachtleben

Diese Hoffnung könnte sich erfüllen. Denn von linker Seite gibt es bereits Bestrebungen, die Bestimmungen für das Nachtleben zu lockern. So forderte die SP im vergangenen November, dass es in der Stadt Luzern definierte Zonen gibt, in denen zum Beispiel höhere Grenzwerte beim Lärm gelten sollen.

Und erst im Februar dieses Jahres wurde eine Bar- und Clubkommission ins Leben gerufen, die sich als Lobbyorganisation für das Nachtleben versteht. Sie hebt insbesondere das wirtschaftliche Potenzial hervor, das in den frühen Morgenstunden abgeschöpft werden könne (zentralplus berichtete).

Gut möglich also, dass es in Luzern schon bald einen Pilotversuch mit längeren Öffnungszeiten für die Terrassen gibt.

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4 Kommentare
  1. Janick Stebler, 13.05.2021, 00:54 Uhr

    Find ich super. Wenigstens im Sommer sollte ein bisschen mediterrane lebensfreude erlaubt sein. Das leben ist sonst schon grau genug! Und im notfall giebts ja immernoch oropax….

  2. Danny, 11.05.2021, 19:27 Uhr

    Je später desto lauter, das kann jeder vom Gastgewerbe bestätigen. Längere Öffnungszeiten nicht zwangsläufig zu mehr Lärm führen, wer behauptet so einen Schwachsinn? Es ist schon überall genug laut, jetzt haben wir nachts auch keine Ruhe mehr.

  3. Urs Eggler, 11.05.2021, 12:15 Uhr

    Immerhin ein Lebenszeichen von der FDP, wenn auch ein überflüssiges.Die «Festhütte Stadt Luzern» ist ja schon seit Jahrzehnten immer wieder mal Thema.

  4. Peter Bitterli, 11.05.2021, 06:23 Uhr

    Wo war die Partei, die die Freiheit im Namen trägt, als man sie einmal wirklich gebraucht hätte? Jetzt wachen sie ein Jahr zu spät kurz auf, lallen etwas kleinkariert Wirtschaftliches und drehen sich auf die andere Seite um weiterzuschlafen.

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