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Schlosshotel Gütsch steht schon wieder zum Verkauf
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Um das Hotel Château Gütsch ranken sich immer wieder Verkaufsgerüchte. (Bild: zvg)

Trotz Baubewilligung für mehr Zimmer Schlosshotel Gütsch steht schon wieder zum Verkauf

5 min Lesezeit 1 Kommentar 25.09.2019, 07:55 Uhr

Das Château Gütsch in Luzern ist nicht nur ein Märchenschloss. Es ist auch eine Wundertüte. Trotz Erweiterungsplänen gibt es erneut Verkaufsabsichten. Hotelier Andreas Gartmann, der seit einigen Monaten das Resort auf dem Hügel für die Besitzer weiterentwickelt, wirkt überrascht.

Zu kaufen: Majestätisches Vier-Stern-Hotel in Luzern, 28 Zimmer,  3 Suiten. Restaurant mit Terrasse, 2 Sälen und 280 Sitzplätzen. So lautet die Annonce, die seit kurzem auf htr.ch, dem Internetportal von Hotelleriesuisse aufgeschaltet ist.

Bereits vor zwei Jahren war das gleiche Inserat auf diesem elektronischen Marktplatz zu finden und hatte für Schlagzeilen gesorgt. Denn beim Hotel kann es sich nur um das Château Gütsch handeln – dank seiner Lage und Architektur ein Wahrzeichen von Luzern.

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Diskretion ist alles

Wie damals tritt als Maklerin die Firma Zumkehr & Etterli aus Interlaken auf. Ob es sich um einen erneuten oder stetigen Verkaufsauftrag handelt, ist unklar. Auf telefonische Anfrage von zentralplus baten die Berner Oberländer um die schriftliche Zustellung dieser Frage – die sie aber nie beantworteten.

Das aktuelle Inserat.

Wie auch immer: Die neuerlichen Verkaufsabsichten überraschen. Der Besitzer, der russische Unternehmer und Milliardär Alexander Lebedew, dementierte in einem Interview mit der «Luzerner Zeitung» letztes Jahr jegliche Verkaufsabsichten.

Der 60-Jährige bekräftigte sogar seinen Willen, das Haus auszubauen. «Mein Herz schlägt für Luzern», liess er sich zitieren. Und bekräftigte, er habe das «Gütsch» als Liebhaberobjekt erworben.  

Geld ist Trumpf

Im Frühjahr räumte Tim Moitzi nach vier Jahren seinen Direktorensessel und Andreas Gartmann übernahm. Der 48-jährige Zürcher hatte zuvor mit dem Eden Roc in Ascona länger ein renommiertes Luxushotel geführt. Er kennt den Platz Luzern als früherer Direktor des Hotels Astoria.

Warum die Lebedews am Gütsch hängen

Vorab Lebedews Frau Elena Perminova, einer internationalen Stilikone, wird eine grosse Zuneigung zum alten Gemäuer zugeschrieben. Aber auch Alexander Lebedew selbst hat Grund für eine emotionale Bindung. 

Die Hotelarchitektur ist bekanntlich dem Märchenschloss Neuschwanstein in Oberbayern nachempfunden – und Lebed ist das russische Wort für Schwan. Das Château Gütsch ist also das kleine Neuschwanstein des Finanzmagnaten. 

Man suche gewiss «nicht aktiv» nach einem Käufer, sagt Gartmann. «Mir ist auch kein konkreter Kaufinteressent bekannt.»

Stadt Luzern nicht im Bild

Bei der Stadt Luzern hat man keine Ahnung, dass es beim Château Gütsch bald zu einer Handänderung kommen könnte. «Allfällige neue Verkaufsabsichten» seien nicht bekannt, sagt Peter Weber, der Beauftragte für Wirtschaftsfragen. In letzter Zeit habe es auch keinen Kontakt zu den Betreibern des Schlosshotels gegeben.

Hingegen erteilte die Stadt im Juni des Vorjahrs eine Baubewilligung fürs Château Gütsch. Einer der beiden Säle soll zu sechs Zimmern umgebaut werden (zentralplus berichtete). Das ist aber noch nicht geschehen.

Lieber nichts als ein Gefängnis

Experten halten die geringe Grösse des Hotels für ein Problem (zentralplus berichtete). Mit seinen 31, dereinst 38 Zimmern, liegt die Herausforderung darin, keinen Verlust zu machen. Das scheint zwar zu gelingen. «Der Hotelbetrieb läuft gut», sagt Gartmann.

Doch eigentlich sollte das Château Geld verdienen, um Renovationen und Umbauten zu refinanzieren. Dafür braucht es mehr Zimmer. Lebedew hat die erste Baubewilligung für eine 70-Millionen-Erweiterung bei der Bergstation der Gütschbahn verstreichen lassen, weil das Projekt seiner Meinung nach aussah wie ein Gefängnisbau.  

Zusammenhängendes Konzept gesucht

Vom Tisch scheint ein neuerliches Projekt bei der Bergstation zwar nicht, ebenso wenig wie ein von Lebedew angedachter Spa-Bereich.

Doch Gartmann ist vorerst mit anderem beschäftigt. Er habe einige Betriebsabläufe umgestellt, sagt er. Der Skulpturenpark auf dem Gütsch, voriges Jahr eröffnet, brauche ein Thema – eine Geschichte, um Besucher anzulocken. Und der sollte in einem Bezug zum Märchenschloss stehen.

Ebenso wie das Restaurant mit einem Namen und Konzept zu versehen, das die gleiche Klientel wie die Hotellerie anspricht. Als Mittelklasserestaurant ist es momentan darauf ausgerichtet, von der überragenden Aussichtslage zu profitieren und Firmenanlässe und Hochzeitsgesellschaften aus der Umgebung anzuziehen. «Mit den Events und der Auslastung sind wir an sich zufrieden», sagt Gartmann.

Seit dem Kauf mit von der Partie

Seine Pläne wird Gartmann einem Nicht-Touristiker schmackhaft machen müssen – Michael Francis Millership aus London, Verwaltungsratspräsident von Château Gütsch Immobilien.

«Der Verkaufspreis dürfte wohl sehr hoch sein.»

Jürg Stettler, Professor Hochschule Luzern

Er ist Lebedews Statthalter und schon seit dem Kauf der Liegenschaft vor über zehn Jahren dabei. Der Brite ist Finanzexperte, der beispielsweise auch im Verwaltungsrat der Alpstream AG in Luzern sitzt. Lebedews Finanzgesellschaft verfügt über ein Aktienkapital von 88 Millionen Franken.

Jede Menge Kosten

Apropos Finanzen: Die «Luzerner Zeitung» kolportierte die Summe von gut 20 Millionen Franken, welche Lebedew fürs Märchenschloss gezahlt haben soll. «20 Minuten» spekulierte im Jahr 2011, als erstmals Verkaufsgerüchte aufkamen, mit 15 Millionen Franken als angeblichen Preis fürs Château.

Dann fiel ein Teil der Renovationskosten für die Gütschbahn an – und auch das Hotel, das 2014 wiedereröffnet wurde, musste erst sanft, aber kostspielig saniert werden. Weiter hat sich Lebedew 3 Millionen Franken ans Bein gestrichen, welche die Planungen fürs Erweiterungsprojekt Baluardo verschlungen haben.

2017, als letztmals Verkaufsinserate kursierten, spekulierte die LZ mit Verweis auf Insider auf einen beabsichtigten Verkaufspreis von 22 oder 23 Millionen Franken. Dazu muss sich ein Investor die Summe für weitere Renovationen denken und die Millionen, die nötig sind, ums Hotel zukunftsfähig und renditebringend zu machen.

Erst auf Vordermann bringen

Wie viel also muss man auf den Tisch legen, um das Château Gütsch zu kaufen? «Der Verkaufspreis dürfte wohl sehr hoch sein», mutmasst Jürg Stettler, Tourismusfachmann und Professor an der Hochschule Luzern. «Vermutlich zu hoch, dass es bisher nicht gelungen ist, das Hotel zu verkaufen.»

«Diese Aussichtslage ist einfach einmalig.»

Andreas Gartmann, Château Gütsch

Stettler geht auch davon aus, dass es schwierig sei, ein solches Haus mit dieser Grösse rentabel zu betreiben. Also wird aus Lebedews Verkaufswünschen wohl vorerst nichts.

Entwickler Andreas Gartmann ist ohnehin von der Zukunftsfähigkeit seines Hotelresorts überzeugt. «Diese Aussichtslage ist einfach einmalig», sagt er. Ausserdem komme die überragende Stellung von Luzern hinzu. «Von allen inneralpinen Destinationen hat Luzern ganzjährig eine der besten Auslastungen.»

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1 Kommentare
  1. Jörg, 25.09.2019, 14:45 Uhr

    Mit der Aussicht ist es nicht getan. Märchenschloss, Träumer die Zeiten sind vorbei. Alleine schon die Investitionen die getätigt werden müssten, um so einen Kasten da hin zu bringen, wo es hingehört, der Verkaufspreis eher eine Luftblase. Abreissen und in den wunderschönen Hang Terrassenhäuser bauen, anstelle des Hotels ein Gourmet-Restaurant mit Terrasse und Sälen für Anlässe…