Schleiss: «Situation ist nach wie vor problematisch»
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Der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss, aufgenommen an einem Schulbesuch im Kanton Zug. (Bild: Archiv)

Horbach: «Richtigstellung» Schleiss: «Situation ist nach wie vor problematisch»

4 min Lesezeit 14.11.2014, 15:09 Uhr

Die Gemeinnützige Gesellschaft Zug (GGZ) hat eine Richtigstellung an die Fraktionschefs des Kantonsrats verschickt. Sie spricht von einer «öffentlichen Polemik» gegen die Horbach-Schule. Der Kanton sieht das anders, Bildungsdirektor Stephan Schleiss spricht von einer «problematischen Situation».

zentral+ machte in den letzten Wochen publik, dass nur gerade zwei in Heilpädagogik ausgebildete Lehrer die Kinder an Internat und Tagesschule Horbach (ITH) unterrichten. Der Sollbestand von Lehrkräften mit der Zusatzausbildung müsste 100 Prozent betragen, beträgt aber gemäss Angaben der GGZ nur 50 Prozent. Und dies auch nur mit Zahlenakrobatik, indem man die Lehrkräfte in Ausbildung zu den ausgebildeten Lehrern dazuzählt.

Sicht der Dinge dargestellt

In einer an die Fraktionschefs des Kantonsrats, Mitarbeiter der ITH, Rektoren der Zuger Schulen und kantonale Behörden verschickten «Richtigstellung» stellen GGZ-Direktor Peter Fehr und ITH-Geschäftsführer Thilo Behrendt ihre Sicht der Dinge dar. Die GGZ spricht von einer durch eine ehemalige Lehrerin ausgelösten «Kampagne», welche den ausgezeichneten Ruf der Schule gefährde (zentral+ berichtete).

Trotz der Einigung mit einer Vergleichszahlung von 15’000 Franken habe sich die Lehrerin an zentral+ gewandt und behauptet, an der ITH seien nach einer Kündigungswelle keine ausgebildeten Heilpädagogen mehr tätig, womit der schulische Erfolg nicht mehr sichergestellt sei. «Diese Behauptungen stimmen nicht», schreiben Fehr und Behrendt.

43 Schüler von 52 Mitarbeitern betreut

Weigerten sich die Schulverantwortlichen bisher, ihre Personalsituation gegenüber Dritten transparent zu erklären, werden jetzt erstmals konkrete Zahlen genannt. Danach beschäftige die ITH für 43 Schüler 52 Mitarbeiter. Davon seien 10 im engeren Schulbereich tätig. «50 Prozent verfügen über die spezielle Zusatzausbildung SHP gemäss den Richtlinien der Interkantonalen Vereinbarung für Soziale Einrichtungen (IVSE), oder sind daran, diese zu erwerben», schreibt die GGZ. 2015 nähmen zwei weitere Lehrper­sonen diese Zusatz­ausbildung in Angriff. Genauer wollen die Schulverantwortlichen nicht Auskunft geben. Also die Aufschlüsselung von diplomierten und noch nicht diplomierten Lehrer bekannt geben.

Dem Kanton sind, wie zentral+ berichtete, sieben Lehrpersonen gemeldet. Davon hätten nur zwei die erforderliche SHP-Ausbildung abgeschlossen, die anderen seien in Ausbildung. Schulleiter Thilo Behrendt will dazu keine Stellung nehmen respektive dies nicht bestätigen.

Ausnahmeregelung

Eigentlich müssten alle genannten zehn Lehrkräfte die Ausbildung haben. Die von der GGZ zitierte Interkantonale Vereinbarung gilt für alle stationären Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Der entsprechende Passus findet sich in den «IVSE-Richtlinien zu den Qualitätsanforderungen». Die Richtlinien verlangen, dass mindestens zwei Drittel des erzieherisch und beraterisch tätigen Personals über eine abgeschlossene Ausbildung verfügen. «Zur Quote zählen auch die Heimleitung sowie jene Mitarbeiter, die in einer anerkannten Ausbildung stehen. In Ausnahmefällen kann vorübergehend von der Erfüllung der Zweidrittelsmehrheit abgesehen werden, wenn mindestens die Hälfte des erzieherisch tätigen Personals die Anforderungen erfüllt.»

«Die Schliessung der Schule ist keine Forderung für uns»,

sagt der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss

Schleiss: «Mitzählung zwingend»

Bildungsdirektor Stephan Schleiss stützt diese Sicht, sagte er auf Anfrage. Für den Kanton als Aufsichtsbehörde sei die IVSE massgebend. «Entsprechend ist die Mitzählung der SHP-Lehrkräfte in Ausbildung für uns nicht nur legitim sondern zwingend.» Trotzdem, so Schleiss, sei die Situation unverändert. «Sie ist nach wie vor problematisch», sagt der Regierungsrat.

Die Schule müsse dringend mehr heilpädagogisch ausgebildete Lehrer rekrutieren. Man habe einen Weg dazu mit der Sonderschule vereinbart und unterstütze die Schule. «Ich bin mit dem Präsidenten der Bildungskommission Martin Pfister einig, dass für uns die Schliessung der Schule keine Forderung ist», sagt Schleiss, «wir haben Interesse daran, dass die ITH weiter existiert und haben Bedarf für sie im Kanton Zug.»

Interpellation der SVP geplant

Aus seiner eigenen Partei kommt aber jetzt Widerstand. SVP-Kantonsrat Moritz Schmid will dieser Tage eine Interpellation einreichen. Der Kanton hat eine Leistungsvereinbarung mit der Schule. Schmid will Auskünfte zum Lehrermangel und zu den Kantonsbeiträgen, sagt er zentral+. «Zudem will ich wissen, wie es um die Führung der ITH bestellt ist.» Der Vizepräsident des Zuger Kantonsrats fügt hinzu: «Es braucht eine bessere Aufsicht von Kantonsseite. Bei solchen Geldbeträgen will man genauer wissen, wohin das Geld fliesst.»

Zug zahlte der GGZ für die an der ITH betreuten Schüler der Primar- und Sekundarstufe gemäss GGZ-Jahresbericht im letzten Jahr über drei Millionen Franken.

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