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Schlecht kopiert – oder besser als gar nichts?
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Diese Kopie stellt den Brand von 1340 in Luzern dar. (Bild: cha)

Kapellbrücke-Bilder Schlecht kopiert – oder besser als gar nichts?

3 min Lesezeit 2 Kommentare 29.10.2014, 05:00 Uhr

Im direkten Vergleich kann sich der Laie eine Meinung bilden. Sind die privat gemachten Kopien des Luzerner Mäzens Jost Schumacher zu schlecht für die Kapellbrücke, wie der Stadtrat sagt? Oder ist die ganze Diskussion zu fachlich und abgehoben? Klar ist: Ende Monat werden die Bürger ein wichtiges Zeichen setzen. 

Sind die privat in Auftrag gegebenen Kopien von Jost Schumacher gut genug? Es ist die entscheidende Frage in der Abstimmung zur Volksinitiative «Die Bilder gehören auf die Kapellbrücke». Am 30. November geben die Bürger der Stadt Luzern nach langem Hin und Her ihr Votum ab. Vehement Nein sagen Kritiker zusammen mit Stadtrat, Denkmalschützern und linken Parteien. Die Reproduktionen seien von zweifelhafter Qualität. 

Der Stadtrat lehnte es über Jahre strikte ab, die schumacherschen Kopien aufzuhängen. Er stützt sich mit einer deutlichen Kritik auf ein Urteil der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege von 2009: «Die Bildkopien und Bildrekonstruktionen genügen weder in handwerklicher noch maltechnischer und künstlerischer Art den Qualitätsanforderungen bei einem nationalen Denkmal.»

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Auf der anderen Seite sagen die Initianten und Jost Schumacher natürlich Ja zu ihren Kopien. Der Luzerner Anwalt, Immobilienunternehmer und Kunstmäzen Schumacher betont, dass er sein eigenes Projekt kunstwissenschaftlich habe begleiten lassen, damit ein «originalgetreues Kopieren» möglich wurde. Gleichzeitig möchte Schumacher die Qualität seiner Kopien aber nicht nur auf die künstlerische Qualität beschränken. Der Wert sei auch im «Historischen und Kulturgeschichtlichen», sagt er gegenüber zentral+. Das macht die Diskussion nicht einfacher.

Laut Stadtrat ungenügend 

Stadtrat soll nicht mehr bestimmen

Die Initiative der jungen Freisinnigen «Die Bilder gehören auf die Kapellbrücke» fordert, dass nicht mehr die Stadtregierung, sondern das Stadtparlament bestimmen soll, welche Bilder auf den beiden Holzbrücken aufgehängt werden.

Ziel der Initianten ist es, dass die Kopien, die der Luzerner Anwalt Jost Schumacher anfertigen liess, aufgehängt werden, und dass auf der Kapellbrücke die Lücken, die seit dem Brand 1993 in den Giebeln klaffen, geschlossen werden. 

Werden die Richtlinien der Denkmalschützer zu eng gefasst? Oder sind die Kopien ganz einfach nicht gelungen? Darüber soll Stimmvolk entscheiden. Der direkte Vergleich wird in der Galerie «Tuttiart» am St. Karliquai möglich. Hier hängen ein paar Originale ihren Kopien gegenüber. Und es wird auch hier der Zank zwischen Stadtrat und Schumacher deutlich. Es stehen sich vier Bildpaare gegenüber. Zwei der ausgestellten Originale durfte der Stadtrat aussuchen, die anderen zwei Originale durfte Schumacher auswählen.

Der Stadtrat entschied sich für zwei kürzlich sorgfältig renovierte Bilder («Abtei St. Maurice», «Empfang der tapferen Luzerner Krieger»). Nebenan fallen die Kopien optisch etwas ab. Schumacher entschied sich umgekehrt für zwei Originale, die stark verwittert und kaum noch erkennbar sind («Heiligblutwunder von Willisau», «Hinrichtung der Besatzung von Grandson»). Hier wirken die Kopien naturgemäss frischer und inhaltlich aussagekräftiger.   

Im Auge des Betrachters

Was auf den ersten Blick nicht übereinstimmt: Auf den Kopien wurden zum Beispiel auffallend grellere Farben verwendet. Die Nummern auf den Rahmen sind anders geschriebenen und die Schriften sind teilweise nicht gleich gross. Auch die Proportionen von Menschen und Motiven unterscheiden sich.  

Aber entscheidend ist letztendlich das Auge des einzelnen Betrachters. Ein Eintrag eines Kopie-Befürworters M.L ins Gästebuch: «Warum sollten es präzise Kopien sein? Auf diese Weise hier kann man Geschichte anschaulich vermitteln. Das ist doch auch etwas wert.»

Anders sieht es R.F: «Bin etwas erschrocken, dass die Bilder nicht präziser kopiert wurden. Kann jetzt den Widerstand der Denkmalpflege besser verstehen.» Und dennoch fügt der kritische Betrachter hinzu: «Immerhin sind die Bilder doch viel besser, als wenn gar nichts hängt.» 

Die nachfolgende Bilderstreite zeigt eine Gegenüberstellung zwischen Original und Kopie. Nutzen Sie die Kommentarfunktion und schreiben Sie uns Ihre Meinung. 

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2 Kommentare
  1. Kurt Heller, 30.10.2014, 10:03 Uhr

    Die Qualität dieser Kopien ist “unter allem Hund” und eine Katastrophe. Wer nur ein wenig ästhetisches Bewusstsein hat kann sich über diese Bilder nur mokieren. Also bitte entsorgen und auf keinen Fall aufhängen.

  2. Daniel Wehner, 29.10.2014, 11:05 Uhr

    Ich bin für die Aufhängung der Kopien und finde diese sehr schön. Schöner als manches Original – man sieht wenigstens etwas. Vielleicht sollte sich Luzern endlich einmal überlegen, die Original endlich in einem Museum unterzubringen. Die Kapellbrücke hat schon einmal gebrannt, und ich finde es unverantwortlich, in der heutigen Zeit mit immer mehr “Irren” historische Werke schutzlos der Witterung und möglichen Tätern auszuliefern.

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