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«Schlaftablette passt nicht zu mir»
  • Politik
Beat Züsli lässt sich vor dem Wasserkraftwerk am Mühleplatz fotografieren, «weil ich Freude daran habe, dass mitten in Luzern täglich erneuerbare Energie produziert wird». (Bild: lru )

Wahlen in Luzern: Beat Züsli im Check «Schlaftablette passt nicht zu mir»

14 Min 15.04.2016, 13:51 Uhr

700 Stimmen fehlten: Vor vier Jahren hätte Beat Züsli (SP) fast für eine linke Mehrheit im Stadtrat gesorgt. Nun könnte er als Nachfolger seiner Parteikollegin Ursula Stämmer Bildungs- und Kulturdirektor werden und hätte damit die Salle Modulable unter sich. Im zentralplus-Interview äussert sich Züsli erstmals öffentlich zum Grossprojekt.

Es gibt zwei Typen von Velofahrern: Jene die einen Helm tragen und jene die das nicht tun. Beat Züsli (52) gehört zu Ersteren. Auch als wir von seinem Büro an der St.-Karli-Strasse fürs Foto an den Mühleplatz radeln, trägt er den Helm vorbildlich. «Safety first» – dieser Devise folgt SP-Kandidat auch beim Interview. Nie schiesst er drauflos, über niemanden verliert er ein schlechtes Wort. Züsli wiegt seine Worte sorgfältig ab und gibt differenzierte Antworten. Damit hofft der Architekt und Energie-Ingenieur am 1. Mai in die Stadtregierung gewählt zu werden.

Die Ausgangslage ist gut: Ursula Stämmer tritt nach 16 Jahren im Stadtrat zurück. Sie war die die einzige Vertreterin der SP als grösste Stadtpartei. Jetzt soll der Architekt und Energie-Ingenieur Beat Züsli sie beerben.

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1. Sie waren seit 1998 Grossstadtrat, im Moment sind sie Kantonsrat, hatten also ausgiebig Zeit, den Stadtrat zu beobachten. Welches Zeugnis stellen sie dem Stadtrat für die letzten vier Jahre aus?

Ui, das ist natürlich heikel. Ich mache sicher keine Bewertung der bisherigen Stadträte. Wenn ich gewählt werde, werde ich mit denen zusammenarbeiten dürfen. Ich glaube, das ist Sache der Journalisten.

2. Trotzdem: Aus linker Sicht gab es vor vier Jahren eine Aufbruchsstimmung. Stichworte: Angriff auf die Stadtratsmehrheit, Industriestrasse, Wohnrauminitiative und autofreie Bahnhofstrasse. Mein Eindruck ist, dass dieser Elan etwas nachgelassen hat. Wie sehen Sie das?

Es gab wichtige Entscheide, ja. Die Wohnrauminitiative stellte für die Stadt ein Paradigmenwechsel dar. Vorher hat man sich in der Wohnraumpolitik sehr zurückgehalten. Man sagte, der freie Markt müsse das regeln, wir machen nicht mit. Ich sass fast 12 Jahre im Stadtparlament. In dieser Zeit war die Losung immer: Ein Grundstück wird dem Meistbietenden verkauft. Dass man auch gemeinnützigen Wohnungsbau fördern könnte, war nicht mehrheitsfähig. Da gab es mit der gewonnenen Initiative eine Veränderung. Und jetzt geht es darum, das umzusetzen. Und das ist in den letzten vier Jahren etwas harzig angelaufen. Abgesehen von der Salle Modulable ist vielleicht auch gerade kein Grossprojekt aktuell – daher kommt der Eindruck, es gehe nicht vorwärts.

3. Sie sind selbstständiger Energie-Ingenieur. Was machen Sie eigentlich mit Ihrem Büro, wenn Sie gewählt werden?

Ein zweiter Nidwaldner im Stadtrat?

Wie Adrian Borgula ist auch Beat Züsli gebürtiger Nidwaldner: Er wurde 1963 in Beckenried NW geboren. Seit 1994 lebt er in Luzern. Züsli wohnt mit seiner Partnerin Kathrin Krammer im Sternmatt-Quartier. Er hat einen Sohn aus erster Ehe.

Züsli ist studierter Architekt und hat sich mit einem eigenen Büro auf energiesparendes Bauen und Sanieren spezialisiert. Ausserdem ist er Dozent an der Hochschule für Technik und Architektur in Horw.

Von 1998 bis 2009 sass Beat Züsli für die SP im Grossen Stadtrat, seit 2015 ist Züsli Kantonsrat. Er ist Vorstandsmitglied des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands und Mitglied der eidgenössischen Kommission für Wohnungswesen.

Auflösen. Ich habe verschiedene Mandate und Arbeiten, die ich an verschiedene Leute weitergeben werde. Als Ganzes werde ich mein Büro nicht übergeben können, meine Aufträge sind praktisch alle mit meiner Person verbunden.

4. Tut das weh?

Das war für mich schon eine Überlegung. Nachdem ich vor vier Jahren nicht gewählt wurde, war es für mich eine offene Frage, ob ich noch einmal antreten würde. Denn ich habe beruflich gerade sehr viele spannende Projekte und im Moment geht im Energiebereich Einiges. Ich hoffe, der neue Nationalrat würgt den Schwung mit der Ablehnung der Energiestrategie 2050 nicht gleich wieder ab. Auf der anderen Seite mache ich das jetzt schon über 20 Jahre und eine neue Herausforderung reizt mich auch.

5. Zu sagen, dass Sie eine neue Einkommensquelle benötigen, wäre spekuliert?

(Lacht). Das war für mich nie ein Grund. Es gibt ja viele mögliche Motivationen, aber das war keine.

6. Aber wären 200’000 Franken im Jahr eine Lohnsteigerung für Sie?

Ja, das wäre es. Das kann man schon so sagen.

Videofrage: Wie viel Strom produziert das Wasserkraftwerk am Mühleplatz?

(«Sehr grob geschätzt» triffts. Tatsächlich ist es zehnmal so viel: 4,3 Millionen Kilowattstunden. Das reicht für 1500 Haushalte).

7. Wenn Sie gewählt werden, müssen Sie auch ein Departement führen, haben viele Leute unter sich. Trauen Sie sich das zu?

Das ist sicher eine andere Situation. Ich habe den Vorteil, dass ich im Beruf auch grosse Projekte geführt und mit vielen Leuten in Teams gearbeitet habe. Und als ich noch als Architekt arbeitete, habe ich auch Bauprojekte geleitet. Dort habe ich auch schwierige Situationen erlebt und einiges gelernt. Daher traue ich mir das absolut zu – mit einem gewissen Respekt natürlich.

«Wenn ich neben vier Bisherigen in den Stadtrat gewählt werde, habe ich keine Ansprüche zu stellen.»

8. Als Sie vor vier Jahren angetreten sind, haben Sie im Wahlkampf gesagt, das Baudepartement stehe für Sie «im Vordergrund». Wie überzeugen Sie Manuela Jost davon?

(Lacht). Es gibt natürlich Bereiche, die mir vom politischen und beruflichen Hintergrund her näher liegen. Die Baudirektion liegt sicher näher. Der gesamte Umweltbereich, der mich auch interessiert, liegt bei Adrian Borgula. Aber es ist völlig klar: Wenn ich neben vier Bisherigen in den Stadtrat gewählt werde, habe ich keine Ansprüche zu stellen. Ich gehe davon aus, dass es keine Wechsel geben wird.

9. Dann würden Sie Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor. Ihre Vorgängerin Ursula Stämmer hat ja nicht unbedingt den Ruf als visionäre Macherin. Haben Sie keine Angst, einen Projektberg zu erben?

Nein, das habe ich nicht. Ursula Stämmer war immer sehr pragmatisch in der Umsetzung von Projekten und hat verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, ist vorwärts gegangen. Ich fand das eigentlich grundsätzlich eine gute Strategie. Wenn man zum Beispiel den Bildungsbereich anschaut, ist die Stadt Luzern gut positioniert. Im Sport haben wir gerade eine neue Saalsporthalle beschlossen, grössere Infrastrukturprojekte stehen nicht an. Eine grosse Herausforderung kommt jedoch mit der Salle Modulable auf uns zu. Was eine Salle Modulable etwa für die restliche Kulturpolitik bedeutet, das ist eine spannende Frage. 

Auch spontan kann Energie-Ingenieur und SP-Kandidat Beat Züsli aus der Geschichte des Kraftwerks am Mühleplatz erzählen.

Auch spontan kann Energie-Ingenieur und SP-Kandidat Beat Züsli aus der Geschichte des Kraftwerks am Mühleplatz erzählen.

(Bild: lru)

10. Für einen Exekutivpolitiker ist die Salle Modulable aber auch heikel. Mann kann sich sehr unbeliebt machen.

Man kann sich unbeliebt machen, aber ich sehe das eher als… als… (sucht nach Worten)… als Herausforderung, eine mehrheitsfähige Lösung zu finden. Ich finde die Salle Modulable von der Idee her sehr interessant. Zu diesem Projekt, das im Moment vorliegt, habe ich wie die meisten Leute im Moment sehr viele offene Fragen. Angefangen bei der Grösse, über den Standort bis zur Finanzierung. Im Moment ist man in einer schwierigen Situation und der zeitliche Druck macht es nicht einfacher.

11. Glauben Sie daran, dass es die Salle Modulable Ende November durch die Volksabstimmungen schafft?

Es muss noch Einiges passieren bis dahin. Aufzuzeigen, dass das der richtige und gute Standort ist, wird eine rechte Herausforderung sein. Wenn es gelingt, die freie und die etablierte Theaterszene näher zusammenzubringen und zu zeigen, dass es nicht die eine Szene ist, die die Andere vertreibt, dann gäbe ich dem schon eine Chance. Aber ob das in dieser Zeit gelingt, weiss ich im Moment nicht.

12. Sie haben gesagt, es werde eine Herausforderung zu zeigen, dass das Inseli der richtige und gute Standort ist. Ist es das wirklich?

Ich bin im Moment noch etwas skeptisch, wenn ich die Gebäudedimension anschaue. Vielleicht muss man dort noch gewisse Abstriche machen. Mein Favorit war eigentlich der Theaterplatz. Ich sehe aber ganz klar, dass das städtebaulich mit den jetzigen Vorstellungen einer Salle Modulable nicht vereinbar ist. Falls aus irgendwelchen Gründen dereinst ein kleinerer Neubau wieder zum Thema würde, ist der Theaterplatz sicher wieder eine Variante.

13. Das wäre dann aber keine Salle Modulable, sondern ein neues Theater. In der linken Szene gibt es grosse Vorbehalte gegenüber dem Standort Inseli. Man befürchtet eine soziale Verdrängung an diesem im Moment recht egalitären Platz. Auf dem Europaplatz ist es nicht unbedingt erwünscht, dass man Dosenbier kippt.

Ja, und das meine ich mit dieser Verbindung zwischen Elitärem und, ich sage jetzt mal, der Bevölkerung selber. Das muss mit der Salle Modulable gelingen – nicht nur inhaltlich, sondern auch im Aussenraum. Für eine solche Verbindung müsste man sich wirklich Mühe geben. Das ist nicht nur eine Sache der Gestaltung, sondern auch der Organisation. Es darf keine Nutzung im Stil von «Rasen nicht betreten» geben. Wenn man das schafft, gibt es keine Verdrängung, sondern eine Aufwertung des Inselis. Immerhin sollen ja die Carparkplätze wegkommen. Aber dazu braucht es am Schluss Toleranz.

«Die Salle Modulable wird ein hochtechnisiertes Gebäude, das ist teuer im Unterhalt. Da muss man ehrlich sein.»

14. Und wenn wir jetzt noch auf die Finanzen zu sprechen kommen: Sie haben beim KKL die Spezialkommission präsidiert, als man gemerkt hat, dass das Geld für den Unterhalt nicht reicht. Mit den Erfahrungen vom KKL: Ist die Salle Modulable realistisch?

Man muss aus der KKL-Geschichte lernen. Wir haben uns damals alle versprochen: Das passiert uns nicht noch einmal. Es gibt die Gefahr, dass man sich selber täuscht und die Kosten auf dem Papier runterdrückt. In der nächsten Phase der Planung sollen ja die Kosten gesenkt werden. Man darf aber keine unrealistischen Annahmen machen, das holt einen irgendwann nämlich ein, siehe KKL. Man muss sehen: Das wird ein hochtechnisiertes Gebäude, das ist teuer im Unterhalt. Da muss man ehrlich sein.

15. Dann müsste man aber andererseits vielleicht auch ehrlich sein und sagen, dass man es nicht bezahlen kann.

Das ist am Schluss eine politische Frage.

16. Aber sie sind doch Politiker.

Ja. Genau. Diese Frage muss man im Gesamtzusammenhang beantworten. Ist es uns das wert, auch mit allen Betriebskosten? Für mich ist ganz klar, dass diese nicht auf Kosten anderer Kulturbereiche gehen dürfen. Stadt und Kanton werden nachweisen müssen, wie man das finanzieren will, auch längerfristig.

«Wollen wir die Salle Modulable, müssen wir die kantonale Finanzstrategie auf andere Beine stellen.»

17. Auf wessen Kosten könnte es gehen?

Wenn ich mir das Kantonsbudget anschaue, ist für mich klar: Wollen wir die Salle Modulable zahlen, müssen wir die Finanzstrategie auf andere Beine stellen. Es braucht Mehreinnahmen. Sonst wird es auf Kosten anderer Bereiche gehen. Das wäre aus meiner Sicht unverantwortlich. Man kann zum Beispiel nicht weiter bei sozialen Institutionen sparen, um ein solches, zweifellos wichtiges Projekt zu finanzieren. Der Kanton muss darauf noch Antworten liefern.

18: Als zukünftiger Kulturdirektor: Was war eigentlich die letzte Kulturveranstaltung, die sie besucht haben?

Ich bin regelmässig im Luzerner Theater. Ich habe seit Jahren ein Schauspiel-Abonnement. (zögert) War das letzte Stück Onkel Wanja? Ich bin gar nicht mehr sicher. Ah nein, als letztes war ich im Neubad: Da gab es einen Krimiabend im Rahmen des Literaturfestes.

19. Sie lesen Krimis?

Ja, schon. Vor allem in den Ferien.

20. Was sind Ihre Favoriten?

(Lacht). Was soll ich jetzt sagen? Eine Zeit lang las ich die Amerikaner, eine Zeit lang die Skandinavier. T.C. Boyle oder Philip Roth sind Beispiele.

Videofrage: Wenn ich Sie fragen würde, ob Sie Lust auf «Netflix and Chill» hätten. Was würde ich meinen?

 

(Äh, ja. Eigentlich ist es die moderne Version der zweideutigen Frage: «Kommst du zu mir eine DVD schauen?»).

21. Im Moment ist ja vor allem Wahlkampf, fast jeden Abend findet ein Anlass statt. Für Sie war der wirklich harte Wahlkampf aber die Ausscheidung innerhalb der Partei im Dezember. Dort haben Sie nur mit einer Stimme Unterschied gegen Giorgo Pardini gewonnen. Wieso haben Sie sich durchgesetzt?

Das ist schwer zu sagen, gerade wenn es so knapp ist. Ich finde diese Auseinandersetzungen grundsätzlich etwas sehr Positives: Wir haben die Auswahl. Bei anderen Parteien gibt es die oft nicht, weil es nicht genügend gute Kandidaten gibt. Oder es laufen irgendwelche Spielchen, wie das in der SVP offenbar passiert ist. Bei uns war es sehr fair.

22. Ich habe mich nach Ihnen erkundigt. Ein Stadtpolitiker sagte mir, sie seien eine Schlaftablette.

Hat das jemand gesagt? (Züsli klingt ehrlich enttäuscht). Weil ich persönlich eher zurückhaltend bin, interpretieren das manche Leute vielleicht so. Ich glaube, das ist ein falscher Eindruck. Gerade in politischen Fragen war ich immer sehr aktiv. Ich würde mir einen hohen Gestaltungswillen zusprechen. Ich äussere mich nicht nur zu Themen, die mir nahe liegen, sondern ich mische mich ein, wenn ich etwas für wichtig halte. Und das passt nicht so zur Schlaftablette. Ich finde es ja sowieso interessant, wie sich die Leute jetzt äussern. Gerade wenn die kaum mit mir zu tun hatten.

«Ich kenne ihn eigentlich nicht. Wir haben keine gemeinsame politische Vergangenheit.»

Beat Züsli über FDP-Präsident Fabian Reinhard, der Züsli kürzlich als «Fundi» bezeichnete

23. Sie sprechen Fabian Reinhard an, den FDP-Präsidenten, der sie in der Zeitung als «Polit-Fundi» bezeichnet hat.

Zum Beispiel. Ich kenne ihn eigentlich nicht. Aber er muss ja jetzt etwas sagen, das ist schon okay. Aber wir haben keine gemeinsame politische Vergangenheit.

Videofrage: Was ist ein «Polit-Fundi»?

24. Die allermeisten Ihrer alten Weggefährten in der Stadtpolitik sind ja längst zurückgetreten und machen jetzt etwas anderes. Sie sind immer noch da. Verleidet Ihnen die Lokalpolitik nie?

(Wie aus der Pistole geschossen). Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich habe das gerade wieder gemerkt, seit ich jetzt im Kantonsrat bin. Auch das ist eine sehr spannende Arbeit. Aber auf kantonaler Ebene ist man viel stärker mit der Gesetzgebung beschäftigt, man schafft Grundlagen. Und Stadtpolitik ist sehr nah. Man kann sehr direkt Einfluss nehmen auf die Lebensumstände und die Lebensqualität. Diese Gestaltungsmöglichkeiten finde ich toll und die reizen mich immer noch sehr.

25. Sie sind nicht so der Theorie-Heini?

Jää… In meinem Job als Energie-Ingenieur erstelle ich viele Konzepte, das mache ich gerne. Aber ich bin nicht der wissenschaftliche Typ in dem Sinne, als dass ich Grundlagenforschung betreiben würde. Sondern ich will etwas entwickeln und bin dann sehr daran interessiert, dass es auch umgesetzt werden kann. Das ist in der Stadtpolitik trotz allen Einschränkungen möglich.

Einer seiner ersten Vorstösse hat den Mühleplatz autofrei gemacht. Seither führt Beat Züsli Journalisten gerne hierhin. Früher wohnte Züsli auch am Mühleplatz.

Einer seiner ersten Vorstösse hat den Mühleplatz autofrei gemacht. Seither führt Beat Züsli Journalisten gerne hierhin. Früher wohnte Züsli auch am Mühleplatz.

(Bild: lru)

26. Sie haben ihre Arbeit angesprochen. Als Selbstständigerwerbender sind sie in der SP eher ein Exot. Haben Sie das je zu spüren bekommen?

Überhaupt nicht. Aber es gibt nicht so viele Selbstständigerwerbende bei uns, das ist sicher so. Ich glaube aber es ist umgekehrt: Meine Tätigkeit als Energie-Ingenieur hat sehr viel mit meinem politischen Interesse zu tun. Ich bin studierter Architekt und habe mich aber sehr schnell auf das ökologische Bauen fokussiert, weil mir das ein Anliegen ist. Meine Haltung zu Energiethemen ist auch die der SP.

«Es war für mich immer klar, dass die SP meine Partei ist.»

27. Da wären doch die Grünen prädestiniert gewesen?

Das hat mir auch schon jemand gesagt. Aber das war für mich nie auch nur eine Frage. Als ich politisch tätig wurde, war für mich immer klar, dass die SP meine Partei ist, weil sie eine ganzheitlichere Sicht hat. Heute würde ich diese den Grünen allerdings auch attestieren.

28. Und dass die Grünen damals noch stärker eine Protestpartei waren, hat sie das vielleicht auch etwas abgeschreckt?

(Überlegt lange). Das könnte ich nicht sagen, nein. Ich bin in die SP eingetreten, als ich noch in Basel wohnte. Dort haben die Grünen und die SP schon damals sehr eng zusammen gearbeitet. Es gab keinen grossen Unterschied. Entscheidend war die thematisch breitere Sicht für mich.

«In der Finanzpolitik nehme ich die Stadt auf kantonaler Ebene viel zu wenig wahr.»

29. Zurück in die Gegenwart: Sie haben die Konflikte zwischen Stadt und Land schon etwas angesprochen. Auf Facebook fordern ein paar Städter einen «Kanton Luzern-Stadt». Wäre das keine verlockende Perspektive für einen linken Stadtrat?

Ja, doch. Und Nidwalden noch zum Untertanengebiet machen. Nein, im Ernst: Insbesondere für die Finanzpolitik der Stadt wird das Verhältnis zum Kanton ein enorm wichtiges Thema sein. Die Stadt ist extrem stark von den kantonalen Entscheidungen zur Finanzpolitik abhängig. Senkt der Kanton die Unternehmenssteuern, trifft das als allererstes uns, weil wir am meisten Unternehmen haben. In dieser Frage nehme ich die Stadt auf kantonaler Ebene viel zu wenig wahr.

30. Sie meinen Finanzdirektor Stefan Roth?

Das ist etwas personifiziert. Aber generell ist die Stadt im Kantonsrat und überhaupt beim Kanton mit ihren Anliegen zu wenig hörbar und vernetzt sich zu wenig stark. Häufig wären die Agglomerationsgemeinden gute Partner, weil sie ähnliche Anliegen haben.

Fazit:

Beat Züsli ist ein erfahrener und bewährter Politiker. Auch wenn wohnen und bauen seine Fachgebiete sind und Züsli deshalb gerne Baudirektor würde: Als seriöser Schaffer mit einem guten Gespür fürs Machbare würde Züsli auch in der Bildungsdirektion einen guten Job machen. Züslis konziliantes Auftreten trotz klar linken Positionen wirkt glaubwürdig. Dass er kein sturer Fundi ist, wie ihm vorgeworfen wurde, müsste er dann beweisen.

Eine Herausforderung wird es für ihn sein, die Positionen des Stadtrats gegenüber seiner Partei zu verkaufen. Adrian Borgula, der andere Linke in der Stadtregierung, macht das sehr geschickt. Bei ihm kann Züsli abschauen und kommunikativ dazulernen. Denn gerade bei der in der SP hochumstrittenen Salle Modulable wird er keinen leichten Job haben, das Projekt als Kulturdirektor zu vertreten.

Unser Tipp: Als Vertreter der grössten Partei schafft es Züsli im ersten Wahlgang. Wahlchance 80 Prozent.

Beat Züsli kandidiert auch als Stadtpräsident. Auch wenn Stefan Roth alles andere als unumstritten ist: Um den bürgerlichen Stapi in der bürgerlichen Stadt aus dem Amt zu kegeln, fehlt es Züsli an Charisma und Bekanntheit. Wahlchance 20 Prozent.

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zentralplus stellt in einer 6-teiligen Serie die Luzerner Stadtratskandidaten vor. In dieser Reihe sind bereits erschienen:

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