Schaub: «Jantscher riet mir, den Schritt zum FCL zu machen»
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Der designierte Spektakelmacher Louis Schaub gab am Samstag in Lugano sein FCL-Debüt – doch die 1:2-Niederlage konnte er nicht mehr abwenden. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Er will wieder Spass am Job haben Schaub: «Jantscher riet mir, den Schritt zum FCL zu machen»

4 min Lesezeit 21.09.2020, 20:07 Uhr

Ihm eilt der Ruf voraus, ein Spektakelmacher vor dem gegnerischen Tor zu sein. In Luzern will Louis Schaub seine ins Stocken geratene Karriere neu lancieren. Dass der FCL ein gutes Sprungbrett dafür sein kann, hat ihm ein österreichischer Landsmann versichert.

Den Namen des Pfälzers Marius Müller habe er zwar gekannt, den FCL-Stammgoalie aber nicht persönlich. Überhaupt hat Louis Schaub keinen persönlichen Bezug zum FC Luzern, wie er sagt.

Aber warum hat sich der 25-jährige Österreicher dann überhaupt die Luzerner dafür ausgesucht, um einen beruflichen Neustart zu wagen? Schliesslich haben ihn deutsche Medien in den Stunden, bevor der FCL seine Ausleihe vom 1. FC Köln öffentlich machte, zum zweitklassigen Bundesligisten Hannover 96 geschrieben.

Er habe es auch «a bissl» lustig gefunden, als ihm Freunde die Artikel zugeschickt hatten. «Es gab nie Gespräche mit Hannover, und ich hatte ja schon in Luzern unterschrieben.»

Was Schaub überzeugt hat

Aber warum dann der Schritt in die Provinz? Schaub erzählt, dass ihm Jakob Jantscher viel Positives über den FCL berichtet habe, dass «der Schritt für mich gut sein kann». Jantscher, der 31-jährige Grazer, spielte zwischen 2014 und 2016 für die Luzerner.

Und schliesslich hätten ihn die Gespräche mit FCL-Sportchef Remo Meyer und die Vorstellung des technisch inspirierten Fussballs von Trainer Fabio Celestini überzeugt, als «ich mir in Luzern ein Bild vor Ort machte».

«Ich will wieder zu einem Team gehören und Spass haben – und das geht im Fussball nur über Siege.»

FCL-Neuzugang Louis Schaub

Schaub, der Linksfuss, ist ein technisch begnadeter Fussballer, ein Mann für das Spektakel und die tödlichen Pässe. Aber er kann auch selber in den Abschluss gehen. Quasi Österreichs Antwort auf Hakan Yakin, den begnadetsten FCL-Regisseur in diesem Jahrtausend (zentralplus berichtete).

Die letzten Monate waren anstrengend

Den Namen Hakan Yakin habe er auch schon gehört, den Vergleich mit ihm empfindet er als «schönes Kompliment». Aber für ihn gehe es jetzt darum, sich schnell in die Mannschaft zu integrieren und Leistung auf dem Platz zu erbringen.

Integrieren heisst in seinem Fall auch hart arbeiten und allenfalls auch, so Schaub, «Extraschichten zu absolvieren». Denn er fühlt sich körperlich noch nicht bei 100 Prozent. «Das wäre ja auch überraschend, wenn ich das behaupten würde», sagt er.

«Ich gebe immer alles, um mir nichts vorwerfen zu müssen.»

Denn der Blick zurück sagt, dass er vor Ausbruch der Coronakrise zum Stamm des Hamburger SV gehört hat – danach aber kaum mehr zum Einsatz kam. Und nach seiner Rückkehr zum 1. FC Köln wurde der dort nicht mehr erwünschte Schaub in der U23 abgestellt.

Die letzten Monate seien anstrengend gewesen, bemerkt er. «Ich will wieder zu einem Team gehören und Spass haben – und das geht im Fussball nur über Siege.»

Fehlende Schnelligkeit ist sein Defizit

Seine Premiere zum Meisterschaftsauftakt in Lugano, als Schaub in der 73. Minute eingewechselt wurde, beinhaltete noch einen geringen Spassfaktor (zentralplus berichtete). Sie ging 1:2 verloren, doch immerhin gelang den Luzernern in jener Zeit, als der erste Neuzugang dieser Transferperiode im Einsatz stand, der Anschlusstreffer.

«Ich will der Mannschaft weiterhelfen, damit wir gemeinsam Erfolg haben können», so Schaub, dessen Zusammenarbeit mit dem FCL bis zum Ende dieser Spielzeit dauert.

«Es war eine schwierige Zeit, aber wir haben sie als Familie durchgestanden.»

Aber was sagt er zu seinem Ruf, dass ihm die Schnelligkeit beim Antritt und auf Distanz fehlen und er Zweikämpfen aus dem Weg gehen soll? «Über meine Schnelligkeit brauchen wir nicht zu diskutieren, da gibt es Spieler, die schneller laufen können.»

Aber von fehlender Zweikampfhärte will er nichts wissen: «Wichtig ist die Bereitschaft, in die Zweikämpfe zu steigen. Schliesslich beginnt die defensive Arbeit ganz vorne. Ich gebe immer alles, um mir nichts vorwerfen zu müssen.»

Vater spielte unter FCL-Kulttrainer Friedel Rausch

Auch wenn er keine Ahnung davon hat – einen indirekten Bezug zwischen seiner Familie und dem FC Luzern gibt es dennoch. Louis‘ Vater Fred Schaub war 1980 der einzige Torschütze im Rückspiel des Uefa-Pokal für Frankfurt gegen Gladbach. Es war das entscheidende Tor.

Trainer der Frankfurter damals? «Rausch», bringt es Schaub fragend über die Lippen. Richtig: Jener Friedel Rausch, der 1989 den FC Luzern zum ersten und bisher einzigen Meistertitel coachte und 1992 zum zweiten Cupsieg. Bis heute der FCL-Trainer mit Kultstatus.

«Das wusste ich nicht», entgegnet Schaub. Sein Vater sei ja früh verstorben. Und das war eine Tragödie. Im April 2003 war der damals achtjährige Louis Schaub im Auto, als sein Vater in der Nähe von Fulda in eine tödliche Kollision geriet.

«Es war eine schwierige Zeit, aber wir haben sie als Familie durchgestanden», sagt er. «Wenn er sähe, wie sich meine Schwester, meine Halbschwester, mein Halbbruder und ich entwickelt haben, wäre er stolz auf uns.»

Und Louis Schaub nimmt ja erst Anlauf, um eine Kultfigur in Luzern zu werden.

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