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SC Kriens plant Trainings mit Asylsuchenden
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Grosser Fussball auf dem Krienser Kleinfeld. Der Präsident lässt die Kugel rollen. (Bild: les )

Willkommenskultur statt Panikmache SC Kriens plant Trainings mit Asylsuchenden

4 Min 12.11.2015, 11:51 Uhr

Auf dem Fussballplatz sprechen alle dieselbe Sprache. Deshalb will der SC Kriens die minderjährigen Asylsuchenden des Pilatusblicks zum Fussballspielen einladen. Präsident Werner Baumgartner will damit ein Zeichen setzen – er und viele andere Organisationen in Kriens.

Dass unbegleitete minderjährige Asylsuchende ins ehemalige Motel Pilatusblick einziehen, hat in Kriens mittlerweile jeder mitbekommen. Denn die SVP hat schon mal den Tarif durchgegeben und vor einem Horrorszenario gewarnt (zentral+ berichtete). Diesen Montag hat nun die Gemeinde Kriens die Anwohner informiert (zentral+ berichtete). An diesem Anlass hatten die Kritiker dieses Asylzentrums für 11- bis 17-jährige Jugendliche die Oberhand. Doch nun hat sich mit dem SC Kriens der lokale Sportclub gemeldet und will für eine positive Nachricht sorgen.

zentral+: Herr Baumgartner, wir haben gehört, Sie wollen mit dem SC Kriens Fussballtrainings mit den unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) organisieren. Stimmt das?

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Werner Baumgartner: Ich finde es schade, wenn man von UMA spricht. Das sind für mich junge Menschen in schwierigen Situationen und nicht Kürzel. Ich schlage vor, diese Bezeichnung zum «Unwort des Jahres» zu erklären. Aber zu ihrer Frage: Ja, wir sind bereit, Fussballtrainings für diese Kinder und Jugendlichen zu organisieren.

zentral+: Was hat Sie auf diese Idee gebracht?

Baumgartner: Auf dem Fussballplatz können die Kinder für eine kurze Zeit ihre Sorgen vergessen und Spass haben. Wir können doch die Minderjährigen nicht im Pilatusblick einsperren.

zentral+: Das Asylzentrum sorgt vor allem bei der SVP für rote Köpfe (zentral+ berichtete). Wie stehen Sie und der Sportclub dazu?

Baumgartner: Der SC Kriens möchte kein parteipolitisches Zeichen setzen. Wir sind ein Fussballverein, in dem Hunderte von Kindern trainieren. Es ist nicht mehr als normal, wenn wir allen Kindern ermöglichen wollen, bei uns Fussball zu spielen. Unabhängig von deren Herkunft.

zentral+: Dann haben Sie also keine Angst, dass es zu Problemen oder Konflikten kommen könnte?

Baumgartner: Überhaupt nicht. Es ist doch toll, wenn vielleicht die Junioren des SC Kriens gemeinsam mit den Bewohnern des Pilatusblick trainieren könnten. Es geht wirklich in erster Linie darum, ein Zeichen des Willkommens zu setzen und diesen Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich mit Hilfe des Fussballs an die neue Umgebung zu gewöhnen.

zentral+: Wie geht es nun weiter?

Baumgartner: Unser Angebot ist auf dem Tisch. Wir wollen den Bewohnern Abwechslung und eine sinnvolle Beschäftigung bieten. Wir sind im Gespräch mit den Behörden und werden sehen, ob sich unsere Idee umsetzen lässt.

Asylkoordinator zeigt sich erfreut

Bei der Dienststelle für Asyl- und Flüchtlingswesen begrüsst man das Angebot. «Wir sind froh, wenn den minderjährigen Asylsuchenden eine Abwechslung zum Alltag geboten werden kann. Und Fussball ist natürlich eine gute Möglichkeit», so Asyl- und Flüchtlingskoordinator Ruedi Fahrni. Es seien mehrere Anfragen von Privatpersonen eingegangen, die bereit sind, sich zu engagieren.

«Das ist eine sehr schöne und ermutigende Entwicklung.»

Lothar Sidler, Krienser Sozialvorsteher

«Es gibt also nicht nur die Kritiker, sondern auch Menschen, die den Minderjährigen helfen wollen.» Man sei momentan in Abklärung, wie genau die verschiedenen Angebote umgesetzt werden sollen. Ab Mitte November werden die ersten Minderjährigen in Kriens ankommen. «Dann kann gerne begonnen werden, das Fussballangebot umzusetzen», so Fahrni.

Privatpersonen, Organisationen und Kirchen ebenfalls dabei

Bei der Gemeinde Kriens ist man erfreut über Menschen, die den minderjährigen Asylsuchenden die Ankunft erleichtern wollen. «Grundsätzlich ist jedes Angebot, das eine gegenseitige Annäherung zwischen UMA und der Krienser Jugend ermöglicht und welche die Integration der UMA fördert, zu begrüssen», sagt der Krienser Sozialvorsteher Lothar Sidler. Erfreulicherweise würden bereits jetzt diverse Angebote von Privatpersonen, Sport- und Jugendvereinen, Vereinen für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und den Kirchgemeinden vorliegen. «Das ist eine sehr schöne und ermutigende Entwicklung», so Sidler.

Zur genauen Umsetzung sagt Sidler: «Ich habe mit den zuständigen kantonalen Stellen vereinbart, dass möglichst schnell eine Sitzung einberufen wird, an der geklärt wird, wer für die Beurteilung, Organisation, Koordination und Ausführung der verschiedenen Angebote verantwortlich ist.»

Bleibt zu hoffen, dass diese positiven Willkommenszeichen auch alltagstauglich umgesetzt werden können.

Hinweis: Die erste Mannschaft des SC Kriens bestreitet am kommenden Samstag um 17.30 Uhr ihr letztes Heimspiel vor der Winterpause gegen den FC Rapperswil-Jona – der Eintritt ist frei.

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