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SBB-Chef Meyer: «Auch die Innerschweiz geht nicht vergessen»
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Verspricht Luzerner Zugfahrern eine rosige Zukunft: SBB-Chef Andreas Meyer. (Bild: bic)

Luzern bleibt nur das Warten auf den Tiefbahnhof SBB-Chef Meyer: «Auch die Innerschweiz geht nicht vergessen»

4 min Lesezeit 29.05.2019, 19:52 Uhr

Am Rande einer ÖV-Tagung in Luzern nahm SBB-Chef Andreas Meyer zu brennenden Fragen rund um die Entwicklungen des Zugverkehrs in der Innerschweiz Stellung. Trotz vieler vager und symbolischer Versprechen zeigt sich erneut: Für die Region wird sich vor dem Durchgangsbahnhof kaum etwas ändern.

Am Mittwoch führten wahrlich sämtliche Gleise nach Luzern. Im Verkehrshaus fand ein Spitzentreffen aller wichtigen Persönlichkeiten aus der nationalen ÖV-Branche sowie Verkehrspolitikern statt. Man traf sich im lockeren, aber formellen Rahmen, um auf die letzten 20 Jahre Schienenverkehr in der Schweiz zurückzublicken. Thema war die 1999 angestossene, grosse Bahnreform, mit der die SBB aus der Verwaltung ausgelagert und zu einem eigenen, betriebswirtschaftlich geführten Unternehmen wurde.  

Bundesparlamentarier, Peter Füglistaler, der Direktor des Bundesamtes für Verkehr, und die Chefs fast sämtlicher schweizerischer Bahn- und Busunternehmen: fast jeder der im Bereich des öffentlichen Verkehrs ein Wörtchen mitzureden hat, fand sich im Verkehrshaus ein. Die wohl einzige wichtige Persönlichkeit, die den Weg nach Luzern nicht auf sich genommen hat, war Bundesrätin und Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga. 

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Prominent bestztes Podium: SP-Ständerat Paul Rechsteiner, BLS-Direktor Bernard Guillelmol, SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner und Renato Fasciati, Chef der Rhätischen Bahn (von links nach rechts).

Prominent besetztes Podium in Luzern: SP-Ständerat Paul Rechsteiner, BLS-Direktor Bernard Guillelmon, SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner und Renato Fasciati, Chef der Rhätischen Bahn (von links nach rechts).

(Bild: bic)

Einen prominenten Auftritt genoss auch SBB-Chef Andreas Meyer. Am Rande der Veranstaltung konnte zentralplus mit ihm über die jüngsten und nicht nur erfreulichen Entwicklungen in Luzern im Bereich des Zugverkehrs sprechen und einen kleinen Blick in die Zukunft werfen.  

zentralplus: Andreas Meyer, das ganze «Who is who» der nationalen ÖV-Branche ist heute in Luzern. Aufgrund der jüngsten Vergangenheit irgendwie schon speziell, oder?

Andreas Meyer: Überhaupt nicht. Luzern ist ein wichtiger Teil der Zentralschweiz, ein begehrter Touristenort und es liegt an der Gotthardachse. Auf dieser Strecke wird 2020 der Ceneri-Tunnel eröffnet, der für die Innerschweiz neue Möglichkeiten zur Verbesserung des ÖV-Angebotes schafft.

zentralplus: Das tönt alles sehr erfreulich. In der Region herrscht aber vielerorts, auch in der Politik, die Befürchtung vor, dass Luzern immer mehr zum Abstellgleis und zum Spielball grösserer Entwicklungen wird (zentralplus berichtete). Wie entkräften Sie dies?

Meyer: Das entspricht nicht den aktuellen Plänen. Im Moment wird im Parlament der Ausbauschritt 2035 beraten. Ein Teil davon ist auch der Kredit für die weitere Planung des Durchgangsbahnhofs. Dieser soll eine deutliche Kapazitätssteigerung und vor allem auch eine Stabilisierung des Zugverkehrs rund um Luzern bringen. Dies wird durch die Beseitigung des Engpasses beim Gütsch geschehen. Letztlich wird es auch kürzere Reisezeiten geben. Sie sehen: Auch die Innerschweiz geht nicht vergessen.

«Wir sind auf Kurs, was die Entwicklungen in der Zentralschweiz betrifft.»

zentralplus: Bis der Durchgangsbahnhof voll funktionstüchtig ist, können noch gut und gerne 30 Jahre vergehen. Was bieten Sie den Luzernerinnen in dieser Zwischenzeit an? Welche Verbesserungen können Sie umsetzen?

Meyer: Wie gesagt, wird der Ceneri-Tunnel klare Verbesserungen Richtung Süden bringen. Man muss aber auch sehen, dass es nicht nur die SBB gibt. Die Zentralbahn trägt ihren Teil zur Versorgung der Innerschweiz bei und besitzt brandneues Rollmaterial. Auch dort wird in Sachen Infrastrukturausbau einiges gemacht. Dass wir es mit Luzern und der Innerschweiz ernst meinen, zeigt auch die Installation des grössten Bildschirms, den es in einem Schweizer Bahnhof gibt (zentralplus berichtete). Er ist nicht nur ein Symbol, sondern ein Bekenntnis zu Luzern und der Region.

zentralplus: Luzern betreibt eine offensive Firmenansiedlungspolitik. In der Stadt will man beim Tourismus auf Klasse statt Masse setzen. Dazu gehört auch, dass die Gäste vermehrt den ÖV benützen. Für beide Bereiche ist die Erreichbarkeit zentral. Inwiefern unterstützen die SBB diese Anstrengungen?

Meyer: Kantonsregierungen und Stadtpräsidenten haben natürlich immer Forderungen und Wünsche. Deshalb haben wir ein Planungssystem mit dem Namen «Gesamtperspektive» erstellt. Dieses ist öffentlich zugänglich. Die Anstrengungen, auch in Zusammenarbeit mit den Behörden aus der Innerschweiz, gehen dahin, dass man die ganze Energie auf von Gemeinden, Kantonen und den ÖV-Unternehmen gemeinsam festgelegte Ziele lenkt. Wir sind also auf Kurs, was die Entwicklungen in der Zentralschweiz betrifft.  

«Luzern wird für uns immer wichtiger.»

zentralplus: Sie sprechen die Bemühungen aller Beteiligten an. Welche Bedeutung hat der Knotenpunkt Luzern für die SBB aber in einer ganzheitlichen, landesweiten Betrachtung?

Meyer: Ich kann mich nur wiederholen. Luzern wird für uns immer wichtiger, da wir mit dem Ceneri-Tunnel die Gotthard-Achse stärken. Luzern liegt an zwei wichtigen Linien, die von Zürich und Basel herkommen. Vor allem im internationalen Verkehr sind diese beiden Strecken und somit Luzern und die Innerschweiz für uns künftig von enormer Bedeutung.

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