«Sawiris schliesse ich als möglichen Investor aus»
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Das Quartett hinter dem Seeparking (von links): Franz Egle, Marc Syfrig, Gregor Schwegler und Oscar Merlo. (Bild: jal)

Luzern: Die vier Köpfe hinter dem Seeparking «Sawiris schliesse ich als möglichen Investor aus»

6 min Lesezeit 3 Kommentare 26.08.2017, 11:43 Uhr

Ein stadtbekannter Architekt, zwei versierte Ingenieure und ein renommierter PR-Berater mit Draht zu Samih Sawiris: Das sind die vier Initianten des Seeparkings. Was treibt das Quartett an? Und welche Rolle spielt ihr Projekt für die Abstimmung zur Inseli-Initiative?

Die Debatte um das Carproblem in Luzern hat neuen Schwung erhalten: Am Freitag ist die Idee für ein unterirdisches Parkhaus am Schweizerhofquai präsentiert worden. Die Cars kämen beim Luzernerhof in den Untergrund, wo Platz geschaffen werden soll für 40 Cars und 240 Autos – Kostenpunkt: 100 bis 120 Millionen Franken (zentralplus berichtete).

Das Seeparking ist in vielen Punkten ein Gegenentwurf zum Musegg-Parking (siehe Infobox). Doch wie bei diesem – Ende 2016 vorläufig gebodigten – Projekt stammt die Idee für das Seeparking nicht aus politischen Kreisen, sondern von vier privaten Initianten.

Der Architekt und Retter der Freiräume

Prägender Kopf hinter dem Seeparking ist der Luzerner Architekt Marc Syfrig. Das von ihm gegründete Architekturbüro Scheitlin & Syfrig Architekten hat das Zuger Eisstadion samt Hochhaus entworfen. Beinahe hätte sich Syfrig auch mit dem KKL ein Denkmal setzen können: Scheitlin & Syfrig war bis zuletzt im Rennen des Architekturwettbewerbs – die Luzerner unterlagen am Ende nur Jean Nouvel.

Der 65-jährige Syfrig ist aber nicht nur stadtbekannter Architekt und sitzt regelmässig in Jurys für Bauprojekte, sondern äussert sich auch immer wieder öffentlich zu stadtplanerischen Themen. Bereits früh engagierte er sich für die städtischen Freiräume – und wehrte sich zuletzt vehement gegen den Bau der inzwischen toten Salle Modulable am Inseli-Standort (zentralplus berichtete).

Nebst dem Bestreben, die Parkplatz-Debatte wieder in Gang zu bringen, ist es dieses Motiv, das Syfrig antreibt. «Ich will die Grünräume der Stadt sichern anstatt sie mit Cars vollstellen», begründet er seinen Einsatz für das Seeparking. Die Idee trage er bereits seit knapp einem Jahr mit sich herum. Gekommen sei sie ihm in Mallorca, wo er ein ähnliches Parking sah.

Der vernetzte Kommunikationsprofi

Als er Bekannten – unter anderem Stadtpräsident Beat Züsli, ebenfalls Architekt – von der Idee erzählte, sei er damit auf Interesse gestossen. So auch bei Franz Egle. Der PR-Berater und Marc Syfrig kennen sich seit 30 Jahren. «Wir spielen regelmässig zusammen Golf, obwohl wir wegen des Seeparkings im Moment nicht mehr dazu kommen», sagt Syfrig und lacht.

Bauingenieur Gregor Schwegler und PR-Berater Franz Egle.

Bauingenieur Gregor Schwegler und PR-Berater Franz Egle.

(Bild: jal)

Egle soll helfen, dem Seeparking Flügel zu verleihen. Wie man politische Mehrheiten schmiedet und ein Projekt richtig aufgleist, weiss er zur Genüge. Der ehemalige Informationschef von Bundesrat Flavio Cotti ist von der Wirtschaftszeitschrift Bilanz 2010 als «einer der bekanntesten Public-Affairs-Spezialisten der Schweiz» bezeichnet worden.

Musegg-Parking gerät ins Abseits

Die Idee für das Seeparking kam überraschend – und interessiert. Entsprechend in den Hintergrund rückt das Musegg-Parking, für das zurzeit eine Volksinitiative hängig ist. Der Architekt Marc Syfrig lässt zwar durchblicken, dass er persönlich vom Musegg-Parking nicht restlos überzeugt ist. Dennoch hält er fest: «Wir haben unsere Idee nicht lanciert, um das Musegg-Parking zu verdrängen.» Tatsächlich gehört Franz Egle zu den Unterstützern der Initiative, die das Parkhaus Musegg zurück aufs politische Tapet heben will.

In Luzern engagierte er sich die letzten Jahre als Stiftungsrat für die Salle Modulable. Vielen ist sein Name ein Begriff, weil er Samih Sawiris für sein Tourismus-Resort in Andermatt beriet und dort in mehreren Verwaltungsräten Einsitz hat.

Der ägyptische Investor ist nicht der einzige prominente Kunde der Dynamics Group, bei der Egle Partner ist. Der 60-Jährige betont denn auch, dass sein Engagement für das Seeparking mit Sawiris gar nichts zu tun hat. «Unsere Firma hat rund 250 Kunden, das ist nicht nur Sawiris – und auch ich bin nicht einfach Sawiris. Ich bin Luzerner und wohne in Luzern», begründet er sein Engagement für das Seeparking.

Als Syfrig ihn um Unterstützung anfragte, habe ihn das Projekt überzeugt. Dennoch lässt sich kaum abstreiten, dass Egle mit seinem Netzwerk einen guten Draht zu potenziellen Geldgebern pflegt. Das stehe indes nicht im Vordergrund, sagt Egle und winkt ab: «Sawiris sehe ich nicht als möglichen Investor, das schliesse ich aus.»

Zwei Experten an Bord geholt

In der breiten Öffentlichkeit etwas weniger bekannt sein dürften die beiden involvierten Ingenieure Oscar Merlo und Gregor Schwegler. Mit beiden hat Syfrig, der sie wegen der Komplexität des Projekts hinzugezogen hat, bereits zusammengearbeitet. Mit Oscar Merlo namentlich bei der Bossard-Arena, dem Eisstadion in Zug. Mit seinem Büro Teamverkehr mit Sitz in Cham berät Merlo zahlreiche Gemeinden in Verkehrs- und Parkfragen.

Gregor Schwegler, der Fritschivater von 2010, seinerseits ist Mitglied der Geschäftsleitung beim Beratungs- und Ingenieurunternehmen Basler & Hofmann. Die Firma hat mehrere Parkhäuser in der Schweiz realisiert und hat auch Erfahrung im Untergrund, war sie beispielsweise am Gotthard-Basistunnel beteiligt.

Merlo und Schwegler glauben an das Potenzial Syfrigs Idee und steuerten ihr Fachwissen bei – «und einen grossen Teil der Ferien», wie Schwegler sagt.

Verkehrsplaner Oscar Merlo und Architekt Marc Syfrig.

Verkehrsplaner Oscar Merlo und Architekt Marc Syfrig.

(Bild: jal)

Denn trotz ihrer beruflichen Herkunft und der damit verbundenen Mandate betonen die vier ihre Unabhängigkeit. «Wir alle stehen in keinem Sold eines Investors. Wir haben weder einen Auftrag von jemanden noch lockt uns irgendein Bonus», sagt Marc Syfrig.

Bewusst haben sie zum Start auch keine politischen Akteure mit an Bord geholt. Aus welcher Ecke erhoffen sie sich Support? «Ganz naiv: Von allen Kreisen», so Syfrig. Abhalten lassen sie sich auch nicht von der angeblichen Schwierigkeit, mit den neuen politischen Mehrheitsverhältnissen in der Stadt grosse Würfe zu realisieren (zentralplus berichtete). Die Antwort von Syfrig zeugt von seinem Enthusiasmus: «Als Architekt glaube ich an die Kraft der Idee.»

Wind in den Segeln der Inseli-Initiative?

Mit dem Seeparking taucht plötzlich eine mögliche Lösung für das Carproblem der Stadt Luzern auf. Sehr zur Freude des Ja-Komitees der Inseli-Initiative, die am 24. September zur Abstimmung kommt. «Wir unterstützen das private Engagement und sind überzeugt, dass man bis 2023 eine Lösung für die Carparkplätze finden wird», sagt Kaj Bossard vom JA-Komitee, das am Freitagabend seine positive Haltung in einer Medienmitteilung zum Ausdruck brachte.

Kein Wunder: Die Inseli-Initiative verlangt, dass die Carparkplätze beim Inseli aufgehoben werden und eine grüne Oase geschaffen wird. Die Gegner argumentieren, dass dies fahrlässig sei, solange es keine Alternative für die Carparkplätze gebe. Doch das Seeparking könnte genau dieses Argument nun abschwächen, weil es neue Optionen ins Spiel bringt.

«Ein dummer Zufall»

Das liegt nahe, weil der Zeitpunkt für die Lancierung der Seeparking-Idee – einen Monat vor der Abstimmung – dem Pro-Komitee in die Hände spielen dürfte. Doch Initiant Marc Syfrig verneint. «Es ist keineswegs unsere Absicht, der Inseli-Initiative zum Durchbruch zu verhelfen.» Zwar habe er Verständnis für die Forderung der Juso – setzt sich der Architekt doch selber seit Jahren für die Luzerner Freiräume und besonders für das Inseli ein.

Initiativen seien aber nicht das geeignete Instrument, um städtebauliche Ziele zu erreichen. Dass er mit seiner Idee der Initiative Aufwind verschaffen könnte, sei «ein dummer Zufall», sagt Syfrig und ergänzt: «Gute Ideen kommen halt, wenn sie kommen.»

Für Gegner spielt es keine Rolle

Auch auf der Gegnerseite spielt man die Relevanz für die Inseli-Initiative herunter. «Das Parking am Schweizerhofquai ist prüfenswert, aber bislang nicht mehr als eine Idee», sagt Fabian Reinhard, FDP-Präsident und im Co-Präsidium des Nein-Komitees zur Inseli-Initiative. Im Hinblick auf die Abstimmung spielt das Seeparking seiner Ansicht nach keine Rolle. «Zurzeit weiss man nicht, ob diese Idee funktionieren wird – und falls doch, ob es realistisch ist, dass das Parking bis 2023 steht.»

Fabian Reinhard hat zum Seeparking gemeinsam mit Peter With und Mirjam Fries ein Postulat eingereicht (zentralplus berichtete). Er befürchtet, dass die Idee gegen das Parking Musegg ausgespielt wird und verlangt eine sorgfältige Prüfung. «Wir möchten den Stadtrat bremsen und erreichen, dass er nicht das Parking Musegg definitiv vom Tisch wischt, sondern die beiden Alternativen vergleicht», so Reinhard weiter. Er stellt indes klar, dass er sich keineswegs gegen die Seeparking-Idee ausspricht. «Wir brauchen in Luzern mehr Ideen und offene Diskussionen darüber.»

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3 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 28.08.2017, 19:55 Uhr

    Tja, wieder ein Parkhaus im Zentrum, das die grundsätzlichen Verkehrsprobleme nicht löst. Grossparkhaus Reussegg und Metro ins Spital und ins Zentrum können ohne grosse Beeinträchtigung realisiert werden und haben Zukunftspotential: Erweiterung der Metro nach Norden (Emmenbrücke,
    Rothenburg) und nach Süden ins Tribschen-, Matthof- und Hirtenhofquartier.
    Später dann Oberbau/Kriens zum Maihof und weiter nach Ebikon, Dierikon.
    Dann hat es mehr Platz für alle, weil der Busverkehr massiv verkleinert werden
    kann. Auch die Begrünung weiterer Plätze ist dann möglich und die Umgestaltung des Inseli ebenfalls so möglich, dass einige wichtige Carparkplätze weiterhin vorhanden sind und die Herbstmesse bleiben kann.
    Beispiele für effiziente Metros gibt es im Flughafen Zürich und in Lausanne.

  2. Matthias Lussi, 27.08.2017, 18:09 Uhr

    Wie lange werden die Bauarbeiten dauern? Welchen Einfluss wird das auf die Verkehrsführung am Schweizerhofquai haben? Ich habe keine Lust, länger im Stau zu stehen, damit Investoren sich mit einem Parkhaus eine goldene Nase verdienen.

  3. Martina Lukas, 26.08.2017, 17:32 Uhr

    Die Idee ist ziemlich gut. Noch besser, wenn die Zufahrt via Geissmattbrücke unterirdisch erfolgt. Dann müssen die Cars nicht einmal bis ins Stadtzentrum fahren.

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