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Samuel Steinemann lüftet das grosse Geheimnis
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Samuel Steinemann, der Intendant des Theater Casinos Zug, ist bis Sommer 2017 heimatlos. Trotzdem freut er sich auf die kommende Saison.

Zuger Theater Casino im Zigeunermodus Samuel Steinemann lüftet das grosse Geheimnis

4 min Lesezeit 22.06.2016, 05:00 Uhr

Das Theater Casino Zug ist für ein Jahr geschlossen. Die Theater- und Musikgesellschaft Zug führt deshalb in der kommenden Saison ein Zigeunerleben. Kultur findet an verschiedensten Orten statt. zentralplus verrät, wo.

Die Saisonpräsentation des Theater Casinos ist ein gesellschaftlicher Anlass in Zug. Diesmal fällt der Event in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen. Er findet in der Markthalle der Stierenstallungen statt. Statt Häppchen wie letztes Jahr gibts ein währschaftes Rindfleischgericht mit Reis, und statt Wein Wasser. Und mit einem Muhen vom Tonband beginnt der Anlass, der vom Luzerner Comedy-Star Johnny Burn humoristisch umrahmt wird (siehe Bildergalerie).

«Ich hoffe, dass niemand ins Theater Casino gegangen ist, denn dort würde er vor verschlossenen Türen stehen», sagt Johannes Stöckli, Präsident der Theater- und Musikgesellschaft Zug (TMGZ). Er weist darauf hin, dass der Stierenmarkt wie auch die TMGZ über 100 Jahre alte Institutionen sind. «Damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten bereits.»

So schräg wie die Saison – Fanfare Ciocârlia

Zu Sacha Baron Cohens Film «Borat» steuerten sie Teile des Soundtracks bei. Bei der BBC ist demnächst ein Film über sie zu sehen. Die berühmteste Balkan Brass Band der Welt heisst Fanfare Ciocârlia. Sie besteht aus einem Dutzend Musikern aus einem rumänischen Dorf. Ihr Motto: «Onward to Mars!». Doch vorher kommen sie noch einmal nach Zug. Am 12. November erklingt ihr mitreissend wilder Sound, von dem eine Kostprobe zu hören war, in der Chollerhalle.

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Dezentraler Kulturbetrieb

«Casino. Gespielt wird immer», lautet das Motto für die kommende Saison 2016/17. Es ist eine «Zigeunersaison» ohne festes Zuhause (zentralplus berichtete). Dafür finden Musik, Comedy, Theater und Tanz an 14 verschiedenen Orten in der Stadt Zug und Umgebung statt. «Diese Saison wird ganz aussergewöhnlich», sagt Intendant Samuel Steinemann. Und er lüftet endlich das Geheimnis der Veranstaltungsorte.

Hauptspielort wird die Shedhalle sein, wo ab Dezember klassische Konzerte, Jazz, Comedy, Tanz und Familienprogramme geboten werden. Gastrecht geniessen die Veranstalter ebenso in der Chollerhalle und der Galvanik. In der Kirche St. Johannes im Hertiquartier und in der Barockkirche St. Martin in Baar wird man klassische Konzerte geniessen können.

 

Die «berühmteste Balkan Brassband der Welt» aus Rumänien verspricht am 12. November Bombenstimmung in der Chollerhalle. Ihr Programm heisst «Onwards to mars!».

Die «berühmteste Balkan Brassband der Welt» aus Rumänien verspricht am 12. November Bombenstimmung in der Chollerhalle. Ihr Programm heisst «Onwards to mars!».

(Bild: zVg)

Fabriken, Bars und Bauernhöfe

Zu den exotischeren Orten zählen die Werkstatt der Firma Bavaria AG im Neufeld in Baar und eine Produktionshalle der V-Zug AG, wo normalerweise Backöfen entstehen. Weitere Veranstaltungen finden in der Dock-Bar des Restaurants Schiff, in der Chicago Bar & Lounge, aber auch im Biohof Zug und im Kultursilo Böschhof in Hünenberg statt.

Konzerte in der Stadtbahn

Es gibt auch einen rollenden Veranstaltungsort: Ab Januar 2017 wird die Keynote-Jazz-Reihe in der Stadtbahn Zug steigen. Mit lokalen Jungstars und nationalen Namen. Man denkt unvermittelt an Musiker in einer Metro.
Laut Steinemann ist es ein besonderer Knackpunkt, in den Wagons eine Bühne einzurichten. «Wir müssen ausserdem das Stromproblem noch lösen», sagt Steinemann. Generatoren wolle man nicht benutzen.

Daneben gibt es auch Klassisches. Auf dem Programm stehen unter anderem Rossinis Oper «Der Barbier von Sevilla» im Kultursilo Böschhof. Tanz und Theater sind unter anderem durch «Der Glöckner von Notre-Dame» und Gogols «Der Revisor» vertreten. In der Sparte Comedy sind Auftritte von Lorenz Keiser, Patrick Frey, Anet Corti und der Slampoetin  Hazel Brugger («böseste Frau der Schweiz») eingeplant.

Die Sopranistin Regula Mühlemann (l.) hat mit dem Casal Quartett ein herzzerreissend-romantisches Programm zusammen gestellt (am 26. Februar in der Shedhalle).

Die Sopranistin Regula Mühlemann (l.) hat mit dem Casal Quartett ein herzzerreissend-romantisches Programm zusammen gestellt (am 26. Februar in der Shedhalle).

(Bild: zVg)

Kostenloser Shuttle

Die Besucher der Konzerte und Veranstaltungen werden einen kostenlosen Shuttlebus benützen können. Er soll diejenigen Veranstaltungsorte bedienen, welche gar nicht oder abends rar bedient werden. Der Shuttle wird die Passagiere beim Bahnhof Zug (Seite Dammstrasse) und beim Theater Casino einladen und wieder dorthin zurückbringen.

«Die Saisonpräsentation war ausgebucht. Das deute ich als Zeichen, dass das Interesse gross ist.»
Samuel Steinemann, Intendant

Samuel Steinemann ist zuversichtlich, dass die Kulturliebhaber trotz dieser speziellen Umstände – oder erst recht – die bunte Auswahl von hochkarätigen Veranstaltungen besuchen werden. «Heute kamen 250 Personen an die Saisonpräsentation, der Anlass war ausgebucht. Das deute ich als Zeichen dafür, dass das Interesse gross ist», sagt der Intendant zu zentralplus. Es gibt dieses Jahr neu ein Wahlabo (neben dem bewährten Generalabo).

Technik wird eine Herausforderung

Er freue sich auf die Vielfalt der verschiedenen Orte. Es werde eine Herausforderung, die Infrastruktur und die Technik für die verschiedenen Eventlokalitäten auf die Beine zu stellen. «Die Chollerhalle ist ein relativ problemloser Ort. Aber eine Oper auf einem Bauernhof aufführen, wird sehr spannend», sagt der Intendant. Spezialisten unterstützen die Kulturveranstalter.

Er gilt als neuer Held der klassischen Gitarre: Milos Karadaglic. Mit der Amsterdam Sinfonietta spielt er am 18. Mai 2017 in der Kirche St. Johannes.

Er gilt als neuer Held der klassischen Gitarre: Milos Karadaglic. Mit der Amsterdam Sinfonietta spielt er am 18. Mai 2017 in der Kirche St. Johannes.

(Bild: zVgDa)

Beitrag der Stadt Zug steht noch aus

Das alles kostet natürlich. TMGZ-Präsident Johannes Stöckli rechnet mit Mehrkosten von rund einer halben Million Franken. Man habe Rückstellungen vorgenommen, dazu kämen viele ausserordentliche Beiträge. Viele Firmen und Privatpersonen haben ihre Schatullen geöffnet. «Wir haben das Geld schon fast beisammen», sagt Stöckli zu zentralplus.

Es fehlten bis vor Kurzem die ausserordentlichen Beiträge der öffentlichen Hand. Der Zuger Regierungsrat hat nun einen Betrag von 88’000 Franken aus dem Lotteriefonds bewilligt. Der Stadtrat werde an einer seiner nächsten Sitzungen über einen ausserordentlichen Beitrag von 100’000 Franken befinden. «Wir rechnen fest damit», sagt Johannes Stöckli, «aber definitiv sicher können wir erst sein, wenn der Entscheid gefallen ist.» Die TMGZ bekomme ausserdem eine Mietverbilligung von 12’000 Franken in der Shedhalle, so der Präsident.

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