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Salle Modulable: Im November gilt’s ernst
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Mathis Meyer vor einer älteren Visualisierung der Salle Modulable. (Bild: Montage jav)

Interview mit dem Leiter des Luzerner Projekts Salle Modulable: Im November gilt’s ernst

4 min Lesezeit 07.03.2016, 05:00 Uhr

Am 1. Februar hat «Mister Salle Modulable» Mathis Meyer seinen neuen Job angetreten. Als Gesamtleiter des Projekts Salle Modulable muss er seine Kräfte bündeln, denn in den nächsten Monaten muss das Projekt auf die Beine kommen. Der Abstimmungstermin steht jedenfalls bereits fest.

Eigentlich ist beim Projekt «Neue Theater Infrastruktur» (NTI) alias Salle Modulable derzeit Warten angesagt. Die Machbarkeitsstudie für ein neues Luzerner Theatergebäude ist zwar abgeschlossen, doch die Informationen darin sind nicht zugänglich.

Die Luzerner sind jedoch nicht besonders gut im Warten und bringen die Salle Modulable in den vergangenen Wochen immer wieder aufs Parkett: Zusammenfassung der Situation in Kommentaren und Analysen der Medien, Initiativen und Vorstösse der Politik, Gerüchte und sarkastische Diskussionen der Bevölkerung.

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Seit dem 1. Februar ist nun aber Mathis Meyer im Amt. Als Gesamtprojektleiter löst er die Stadtluzerner Kultur- und Sportchefin Rosie Bitterli Mucha ab.

zentral+: Knapp einen Monat offiziell im Amt für ein Projekt, welches halb Luzern schon seit Jahren beschäftigt. Türmt sich die Arbeit auf Ihrem Schreibtisch?

Mathis Meyer: (Lacht.) Ich bin grundsätzlich ein sehr ordentlicher Mensch. Mein Schreibtisch ist also sehr aufgeräumt. Natürlich ist es gerade eine extrem intensive Phase, in welcher sehr viel Arbeit ansteht.

zentral+: Was sind Ihre ersten Amtshandlungen? Worauf legen Sie jetzt den Fokus?

Meyer: Als nächster Schritt steht nun die Kommunikation des Standorts an. Dies müssen wir gemeinsam mit den Partnern – Kanton, Stadt, Stiftung, Trust – vorbereiten. Dann müssen wir das Konzept der neuen Theaterinfrastruktur und den künftigen Betriebsmodus sowie die Finanzierungsfrage klären. Und natürlich das Projekt mit Druck vorantreiben, die notwendigen politischen Entscheide vorbereiten und mit unseren Stakeholdern in einem guten Kontakt bleiben.

«Grundsätzlich freut mich, dass sich so viele Menschen Gedanken machen.»

zentral+: Der Zeitplan ist eng gesteckt: Zu wie viel Prozent glauben Sie daran, dass wir 2022 den Spatenstich für eine Salle Modulable erleben werden?

Meyer: Es stimmt, die Aufgabe ist sehr herausfordernd. Ich glaube aber zu 100 Prozent daran, dass das eine einmalige Chance für Luzern und die Kultur ist. Und ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen.

zentral+: Was sagen Sie zu den lancierten Initiativen, welche die möglichen Standorte bedrohen? Da wäre die JUSO-Initiative «Für ein lebendiges Inseli statt Blechlawine», die Initiative für ein Volkshaus im Luzerner Theater und nun will auch noch die BDP gegen eine mögliche Überbauung des Inseli bis zur Ufschötti vorgehen.

Meyer: Das gehört alles auch zum demokratischen Prozess. Und es wird erstmal Sache des Stadtrats sein, darauf zu antworten. Unsere Aufgabe wird es hingegen sein, eine überzeugende Lösung für den Standort zu präsentieren. Grundsätzlich freut mich das grosse Interesse aber und dass sich so viele Menschen Gedanken über einen Neubau für das Theater machen.

Mathis Meyer

Der 51-jährige Mathis Meyer ist verheiratet und wohnt in der Stadt Luzern. Als diplomierter Architekt ETH und Bauökonom arbeitete er in verschiedenen ausländischen und Luzerner Architekturbüros. 2008 übernahm er die Führung als Gesamtprojektleiter Allmend. Nun ist er im Auftrag der Stadt als Gesamtprojektleiter für die NTI angestellt.

zentral+: Was sagen Sie zu den Forderungen, das Luzerner Theater müsse erhalten bleiben?

Meyer: Das wird die Politik entscheiden müssen. Aber natürlich besteht ein enger Zusammenhang mit der Standortdiskussion, zudem müssen städtebauliche Aspekte in die Diskussion einfliessen.

zentral+: Die Machbarkeitsstudie scheint vorzuliegen. Wird diese nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht?

Meyer: Ja, wir werden das technische Konzept der Öffentlichkeit vorstellen und dazu auch transparente Aussagen zu Baukosten präsentieren. Auch die Studie von Ernst Basler Partner zum Standort werden wir publizieren.

zentral+: Wann wird das sein?

Meyer: Wir werden sie Anfang April veröffentlichen.

«Die Volksabstimmung der Stadt steht voraussichtlich im November auf dem Programm.»

zentral+: Sind überraschende Ergebnisse darin enthalten?

Meyer: Die Studien sind hochspannend und auch umfassend. Aber ich möchte der Präsentation nicht vorgreifen.

zentral+: Werden in der Studie die politische Lage und das mögliche Verhalten der Luzerner Stimmbürger mit berücksichtigt?

Meyer: Wie gesagt: Ich möchte der Präsentation nicht vorgreifen. Die Studie beinhaltet aber auch den Zeitplan, worin alle Prozesse abgebildet werden.

zentral+: Und wie sieht dieser Zeitplan mittlerweile aus?

Meyer: Geplant ist jetzt die Behandlung von Standort und Planungskredit im Parlament nach dem Sommer. Die Volksabstimmung der Stadt steht voraussichtlich im November auf dem Programm.

zentral+: Welche Informationen möchten Sie gerne in nächster Zeit nicht ständig wiederholen müssen?

Meyer: (Lacht.) Dass ich der Präsentation der Studien nicht vorgreifen will.

zentral+: Wir haben den Hint verstanden. Und was schätzen Sie, welche werden Sie immer wieder wiederholen müssen?

Meyer: Dass wir ein tolles Projekt und eine einmalige Chance für Luzern und die Kultur haben. Theater, Festival, Freie Theaterszene, Luzerner Symphonie Orchester und viele mehr werden profitieren. Und vor allem natürlich das Publikum. Das müssen wir alle mit vereinten Kräften schaffen. Nur so können wir die Schenkung der 80 Millionen für uns einsetzen.

Stand der Dinge

Im Jahr 2007 hiess es: Zum Bau eines multifunktionalen Musiktheaters – einer «Salle Modulable» – stünden 120 Millionen Franken bereit. Doch der Mäzen, Christof Engelhorn, verstarb kurz darauf im August 2010.

Im Oktober 2010 wurde die Schenkung durch die Erben Engelhorns zurückgezogen. Die Stiftung Salle Modulable ergriff daraufhin rechtliche Schritte und am 21. Februar 2014 bekam die Stiftung vor dem Supreme Court of Bermuda Recht.

Nachdem am 4. Dezember 2014 endlich der Streit beigelegt war und sich die Parteien geeinigt hatten, wurden die Bedingungen festgesetzt. Damit die (nach dem Prozess auf den Bermudas übrig gebliebenen) 80 Millionen fliessen, müssen politische Entscheidungen bis spätestens 31. Dezember 2018 abgeschlossen sein. Der Spatenstich soll 2022 geschehen.

Noch nicht genug? Alle Hintergründe zur NTI finden Sie in unserem Dossier Salle Modulable.

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