Salle Modulable: Die graue Maus avanciert zum Favoriten
  • Kultur
  • Kultur
  • Politik
Beim Technischen Sporn neben dem Schotterplatz liegt laut Hiss und Heggli der Standort mit der grössten Ausstrahlungskraft. (Bild: arch-idee)

Neue Ideen zum Luzerner Standort Salle Modulable: Die graue Maus avanciert zum Favoriten

4 min Lesezeit 2 Kommentare 17.02.2016, 13:00 Uhr

Die Zeit läuft davon. Bald muss die Frage des möglichen Standorts für das neue Luzerner Theatergebäude geklärt sein. Während die Machbarkeitsstudie noch immer übersetzt wird, geben zwei Luzerner Architekten der Diskussion eine neue Wendung. Und bringen den bisherigen Favoriten arg ins Schwitzen.

Selten erhält ein Vorstoss derart öffentliche Aufmerksamkeit. Doch die Diskussion um die Salle Modulable ist definitiv auf der politischen Ebene angekommen, während alle auf die Machbarkeitsstudie warten. Diese hätte im Dezember vorliegen sollen, wird jedoch noch immer übersetzt. Währenddessen geht die Diskussion um den Standort weiter.

Ein entscheidendes Kriterium bei der Standortwahl müsse sein, ob an der gewählten Stelle in absehbarer Zeit ein Theater gebaut werden kann, betont Fabian Reinhard, Präsident der FDP Stadt Luzern und Interpellant. Das heisst: Wenn es voraussehbare Schwierigkeiten und Widerstände gäbe, die das Projekt an einem Standort zu Fall bringen könnten, sei dem unbedingt Rechnung zu tragen.

Reinhard spricht damit zwei Initiativen an – eine zum jetzigen Theatergebäude und eine zum Inseli –, welche diese beiden meistdiskutierten Standortmöglichkeiten bedrohen. Deshalb hat die FDP der Stadt Luzern in der dringlichen Interpellation «‹Theater am See› – Ist das der politische Befreiungsschlag?» öffentlich ihren Standpunkt bekannt gegeben.

Aufgrund der Ideen der Architekten Frieder Hiss, Markus Heggli und des Raumplaners Walter Büchi favorisiert die FDP darin den bisher kaum diskutierten Standort Schotterplatz* – mit Sternchen (zentral+ berichtete). Das Sternchen deshalb, da nicht der Schotterplatz beim Alpenquai selbst, sondern der daran angrenzende «Technische Sporn» favorisiert wird: eine Landzunge von ungefähr 4000 Quadratmetern, auf welcher derzeit einige Gebäude der Werft und der Seepolizei stehen. Der Grossteil der Landzunge gehört der Stadt Luzern, ein kleiner Teil dem Kanton.

Beim Technischen Sporn neben dem Schotterplatz liegt laut Hiss und Heggli der Standort mit der grössten Ausstrahlungskraft. (Bild: arch-idee)

Beim Technischen Sporn neben dem Schotterplatz liegt laut Hiss und Heggli der Standort mit der grössten Ausstrahlungskraft. (Bild: arch-idee)

Zu klein und zu risikoreich

Eigentlich hätten sie immer den Standort Theaterplatz im Auge gehabt, betonen die Architekten. Raumplaner Büchi hebt jedoch hervor, dass der Platz an dieser Stelle relativ beschränkt sei. Auch politisch haben sich die Voraussetzungen dieses Standorts in den letzten Tagen verschlechtert. Denn es werden derzeit für eine Initiative für den Erhalt des jetzigen Theatergebäudes Unterschriften gesammelt.

Der Theaterplatz sei für eine Salle Modulable räumlich sehr knapp bemessen, sind sich die Architekten Hiss und Heggli einig. (Bild: arch-idee)

Der Theaterplatz sei für eine Salle Modulable räumlich sehr knapp bemessen, sind sich die Architekten Hiss und Heggli einig. (Bild: arch-idee)

Der Standort Inseli käme für Hiss und Heggli überhaupt nicht infrage. «Diese grüne Oase muss erhalten bleiben», sagt Hiss und spricht damit wohl auch den Inititanten der Juso-Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» aus der Seele. Wenn man beim Inseli die Bäume und die Grünfläche erhalten wolle, wäre der Platz für ein grosses Theater mit 3000 Quadratmetern auch hier zu klein bemessen. Zudem stehe auch hier wegen der lancierten Initiative ein weiterer Risikofaktor im Raum, ergänzt Fabian Reinhard.

Aus Sicht der FDP und der beiden Architekten ist deshalb der Schotterplatz* derzeit der ideale Standort. «Die Frage ist aber schlussendlich: Will man ein Theater im Zentrum der Bevölkerung, für die Menschen hier – also mittendrin beim Theaterplatz? Oder will man ein Theater mit einer internationalen Ausstrahlung in einem Zusammenspiel mit dem KKL – also auf dem Technischen Sporn?»

Bedeutet dieser Vorschlag noch mehr Verzögerung?

Doch ist diese Idee eines verschobenen Standorts zeitlich nicht problematisch? So müsste theoretisch, wenn diese Idee weiter geprüft würde, eine zusätzliche Studie erstellt werden. Damit würde die sehr enge Zeitplanung nochmals knapper. «Es kann sein, dass die Idee des Standorts Technischer Sporn bereits in der Machbarkeitsstudie behandelt wird – das können wir nicht wissen, da uns diese noch nicht vorliegt. Es würde uns jedoch wundern, wenn es kein Thema gewesen sein sollte. Ist dies aber tatsächlich nicht der Fall, könnte man den Standort Schotterplatz mit einer Perimetererweiterung in den Architekten-Wettbewerb schicken.» Es bräuchte also keine neue Studie.

Das Stichwort Wettbewerb wirft die Frage auf: Machen sich Hiss und Heggli diese Gedanken aus reiner Liebe zu Luzern? Oder wollen sie sich bereits für den Wettbewerb in eine guten Position bringen? «Eine Teilnahme kommt für uns nicht infrage. Dazu fehlt unserem Büro einerseits die Grösse und andererseits die Erfahrung mit derartigen Projekten», winkt Hiss ab.

Die beiden Architekten Frieder Hiss (links) und Markus Heggli auf dem Technischen Sporn – ihrem Vorschlag für den Standort der Salle Modulable. (Bild: jav)

Die beiden Architekten Frieder Hiss (links) und Markus Heggli auf dem Technischen Sporn – ihrem Vorschlag für den Standort der Salle Modulable. (Bild: jav)

Der Vorstoss der Politiker basiert auf den «Ideen für eine Stadt am Wasser» von Frieder Hiss und Markus Heggli. Die beiden Luzerner Architekten legen darin 15 Studien zu Projekten vor, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten realisiert werden könnten. Das neue Theater ist nur eines davon.

Hiss und Heggli schlagen ebenfalls eine Aufwertung des Inseli – mit der Freilegung des alten Kanals – vor. (Bild: arch-idee)

Hiss und Heggli schlagen ebenfalls eine Aufwertung des Inseli – mit der Freilegung des alten Kanals – vor. (Bild: arch-idee)

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

2 Kommentare
  1. Walter Büchi, 17.02.2016, 16:45 Uhr

    Dann ist die ganze Übung ein Sturm im Wasserglas. Die Situtation bezüglich Bauen im und am Wasser sieht etwa so aus:

    – Nouvel musste ein neues Projekt machen, weil der Wettbewerbsbeitrag Seefläche tangierte.
    – Das Bootshaus musste entfernt werden, obwohl eine bedingt standortgebundene Nutzung möglich gewesen wäre.

    Wenn der Kanton bezüglich Gewässerabstand nicht plötzlich einen anderen Kurs fährt, ist der Vorschlag Meyer undenkbar.

    – Der gesetzliche Gewässerabstand beträgt 15 m ab der Uferlinie 434 m.ü.M.
    – Das KKL steht, soweit ich das sehe, im Unterabstand zum See.
    – Auf dem Inseli, auf dem neu vorgeschlagenen Standort und vermutlich auch auf dem Schotterplatz ergäbe sich ein Unterabstand zum See.

    Für Bauten im öffentlichen Interesse (wie beim KKL) ist eine Ausnahmebewilligung für einen Unterabstand denkbar, wobei die Hauptfrage sein wird, ob das öffentliche Interesse am Standort so gross ist, dass eine Ausnahme gerechtfertigt ist.

    Problemlos in dieser Beziehung wäre vermutlich nur der Theaterplatz. Für Inseli und Sporn ist die Ausgangslage in dieser Beziehung m.E. gleich. Ausser für den Theaterplatz wird das Verfahren also für alle Standorte, auch für den neuen Vorschlag, gleich lang dauern.

  2. Jules Gut, 17.02.2016, 13:30 Uhr

    Gut gemeint, aber völlig unrealistisch. Bauen im Wasser (und das wird es sein, auch wenn dort heute eine Bootshalle steht) braucht viel Zeit und noch viel mehr Nerven im Bewilligungsverfahren. Wenn das Ziel wäre in 5 Jahren mit dem Architekturwettbewerb zu starten eine gute Sache. Mit den heutigen Voraussetzungen nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas…

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.