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Sägemehl wird zur Fernwärme: Das «Eidgenössische» soll erstmals klimaneutral sein
  • Gesellschaft
Das grösste Stadion der Schweiz mit über 50'000 Plätzen stand 2013 in Burgdorf. 2019 könnte auch Zug für das Eidgenössische Schwingfest eine solche Arena aufbauen. (Bild: zvg)

Wie man in Zug den Fussabdruck verkleinern will Sägemehl wird zur Fernwärme: Das «Eidgenössische» soll erstmals klimaneutral sein

4 min Lesezeit 1 Kommentar 21.01.2019, 10:29 Uhr

Die Organisatoren des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests haben sich ein hohes Ziel gesetzt: In Zug soll 2019 das erste total klimaneutrale Schwingfest stattfinden. Weil man dennoch 7’000 Tonnen Kohlendioxid ausstossen wird, soll ein Fonds eingerichtet werden, aus dem Massnahmen zur Wiedergutmachung bezahlt werden.

Die Vision des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) 2019 in Zug ziele nicht nur darauf ab, ein stimmungsvolles und sportlich einmaliges Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest zu organisieren, sagte der OK-Präsident und Zuger SVP-Regierungsrat Heinz Tännler am Montag an einer Medienorientierung.

Nein, der grösste Sportanlass der Schweiz soll auch wirtschaftlich sowie ökologisch erfolgreich sein. «Ein Anlass dieser Grösse hat unweigerlich Folgen für die Region, die lokale Gesellschaft und die Umwelt», so Tännler.

Anwohner sollen glücklich werden

Um die zusätzlichen Belastungen für die Bevölkerung und die Umwelt möglichst tief zu halten und gleichzeitig eine hohe Zufriedenheit aller Anspruchsgruppen zu erreichen, haben die Organisatoren eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. «Diese definiert klare Ziele. Zum Beispiel ein ausgeglichenes Budget, Wertschöpfung in der Region, eine zufriedene Zuger Bevölkerung, glückliche ESAF-Besucher sowie einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt», sagt Tännler, der dazu Andreas Lustenberger, den Präsidenten der Alternativen – die Grünen des Kantons Zug an Bord geholt hat, der die Stabsstelle Nachhaltigkeit leitet – und sich Grosses vorgenommen hat.

Tännler skizziert die Ausgangslage: «Die urbane Umgebung des Festareals bietet Chancen und Risiken. Eine bestehende Infrastruktur und eine gute ÖV-Anbindung sind grosse Vorteile, die wir nützen. Die Bedürfnisse der Anwohnerinnen und Anwohner und der Stadt, die unweigerlich mit dem Fest in Berührung kommen, müssen aber ebenfalls berücksichtigt werden.»

Wie gross ist der Festfussabdruck?

Das ESAF 2019 will in Sachen Nachhaltigkeit neue Massstäbe in der Organisation von Schwingfesten setzen, unter anderem durch die erstmalige Berechnung eines Festfussabdrucks und der Kompensation des ausgestossenen Kohlendioxid. Es soll das erste klimaneutrale ESAF werden.

Die Abfallmenge soll minimiert werden und anfallender Abfall, soweit machbar, recycelt. Zudem wird zum ersten Mal an einem ESAF ein Depotkonzept umgesetzt und mit dem Verzicht auf einen umfassenden Festführer wie in den Vorjahren gibt es massive Papiereinsparungen.

Der Festführer wird ganz klein

Für die ursprünglichen Festführer wurden insgesamt 19,2 Tonnen Papier verwendet. Mit dem Druck eines Minifestführers und Pocketplaners können rund 18 Tonnen eingespart werden. Zur Freude des Zuger OKs habe auch der Zentralvorstand des Eidgenössischen Schwingerverbandes diesem Ansinnen zugestimmt, berichten die Organisatoren.

Erstmalig konnte auch mit den Sponsoren vereinbart werden, dass wenn immer möglich auf flächendeckendes Müsterli verteilen verzichtet wird und sich die Sponsoren an den Entsorgungs- und Umweltkosten beteiligen werden.

90-prozentige Zufriedenheit

Aufgrund der urbanen Lage des ESAF 2019 können einerseits bestehende Infrastrukturen (Bossard Arena als VIP-Bereich oder die Aula des Schulhauses Herti als Mediencenter) ideal genutzt werden.

Übersicht über das Festgelände des Esaf 2019 in Zug.

Übersicht über das Festgelände des Esaf 2019 in Zug.

(Bild: zvg)

Die Nachhaltigkeitsziele für das ESAF 2019 richten sich laut Andreas Lustenberger, Leiter Stabstelle Nachhaltigkeit, nach den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Wirtschaft, Gesellschaft und Ökologie. In Sachen Wirtschaft wird auf einausgeglichenes Ergebnis und regionale Wertschöpfung Wert gelegt. Gesellschaftlich versucht man die Anwohner, etwa betreffs Lärm, zu 80 Prozent glücklich zu machen und legt Wert auf Behindertengerechtigkeit.

80 Prozent öV, Fussgänger und Velos

Sehr anspruchsvoll sind die Ziele in Sachen Ökologie: Abgesehen von den bereits erwähnten Plänen soll der Anteil des öffentlichen Verkehrs und des Langsamverkehrs (Fussgänger und Velos) 80 Prozent am Aufkommen rund ums ESAF ausmachen. Shuttletransprte hingegen nur 10 Prozent.

Der Anteil nachhaltig produzierter Strom soll 100 Prozent betragen, der Boden anschliessend qualitativ wiederhergestellt werden und die Werbeblachen zu 80 Prozent wiederverwendet oder weiterverarbeitet werden.

Sägemehl zu Biogas oder Wärme

Und das Sägemehl, in dem die Wettkämpfe stattfinden wird vollumfänglich verwertet und in Biogas oder Fernwärme umgewandelt. Auf Trinkbehältnisse wird ein Depot erhoben und 75 Prozent der Flaschen und Becher sollen wiederverwendet werden.

Dennoch bleibt beim Grossanlass ein zu erwarteter Kohlendioxid-Ausstoss: von 8000  und 10’000 Tonnen zu bewältigen. Da man das Fest total klimaneutral gestalten will, muss man die irgendwie kompensieren. Man darf annehmen, dass dies teilweise über Zertifikate geschieht, die man kaufen will.

Besucher sollen fürs Klima spenden

Angepackt wird das Ganze jedenfalls in Partnerschaft mit der Stiftung Myclimate, die ein Programm unter dem Motto «Cause We Care» betreibt. Die Stifutng erhebt auch Daten und schickt sie dem Schwingerverband, um dessen Nachhaltigkeitsbemühungen in Zukunft voranzutreiben.

Mit der Durchführung von «Cause We Care» habe das ESAF 2019 die Gelegenheit, eine Vorreiterrolle im Sportbereich einzunehmen, betont Andreas Lustenberger. «Die eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen werden mit dem Engagement der Sponsoren, aber auch mit jenem der Besucher verknüpft.» Denn die können selber und freiwillig einen Nachhaltigkeitsfranken zu einem Fonds dazugeben, der fürs ESAF eingerichtet werden soll. 

Wie genau der Kohlendoxid-Ausstoss wettgemacht werden soll, bleibt vage. Aus dem Nachhaltigkeitsfonds würden «sowohl Massnahmen zur CO2-Kompensation, wie auch für regionale Nachhaltigkeitsaktionen» finanziert, hiess es. Diese könnten im Vorfeld, während oder auch im Nachhinein des Schwingfests stattfinden.

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1 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 21.01.2019, 12:19 Uhr

    Wenn ,am so grössenwahnsinnig ist, dann ist es das Mindeste, wenn man Klima neutral ist. Am Besten auf vernünftigen Rahmen reduzieren also 5x kleiner und dann passt es schon, aber in Zug muss halt alles gross sein,