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Ruth Schwerzmann: «Vielleicht setzen Frauen einfach andere Prioritäten»
  • Politik
Ruth Schwerzmann war von 1995 bis 2002 Zuger Regierungsrätin: Die Freisinnige weiss, wie man als Frau erfolgreich in der Politik sein kann. (Bild: zvg)

Warum gibts so wenige Frauen in Zugs Regierung? Ruth Schwerzmann: «Vielleicht setzen Frauen einfach andere Prioritäten»

3 min Lesezeit 30.04.2018, 04:42 Uhr

Jüngst wurde bekannt, dass Manuela Weichelt von den Zuger Alternativen nicht mehr kandidiert. Dadurch droht der Zuger Regierung bei den Wahlen zum reinen Männergremium zu verkommen. Ruth Schwerzmann (FDP) war vor Weichelt im Regierungsrat. Auch sie ist sich sicher, dass Zug noch zu sehr von den Männern dominiert wird.

zentralplus: Wie empfinden Sie es als Frau und ehemalige Zuger Regierungsrätin, Frau Schwerzmann, dass möglicherweise in der nächsten Zuger Regierung keine Frau mehr vertreten sein wird?

Ruth Schwerzmann: Sollte für die kommenden Wahlen wirklich keine Frau kandidieren und dann auch gewählt werden, so ist das sicher schade. Für ein solches Amt muss man eben auch bereit sein, das Privatleben hinten an zu stellen. Das ist für eine Frau sicher schwieriger als für einen Mann. So kann es also durchaus vorkommen, dass bei Wahlen keine Frau zur Verfügung steht, weil ganz einfach der Zeitpunkt nicht stimmt.

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zentralplus: Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht denn, dass eine oder mehrere Frauen in den Zuger Regierungsrat gewählt werden?

Schwerzmann: Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass es für jedes Gremium sehr bereichernd ist, wenn beide Geschlechter vertreten sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so plötzlich auch andere Sichtweisen diskutiert und akzeptiert werden.

zentralplus: Warum scheitern aber Zuger Frauen immer wieder, wenn es um das Erreichen hoher politischer Ämter geht? Im Unterschied dazu gibt es ja inzwischen zahlreiche Gemeinde- und Kantonsrätinnen in Zug, ja sogar Gemeindepräsidentinnen.

«Ein Regierungsamt lässt wenig Spielraum für die Familie.»

Schwerzmann: Ob und warum Frauen scheitern, wenn es darum geht, hohe politische Ämter zu bekleiden, weiss ich nicht. Vielleicht fällt eine Nichtkandidatur oder Nichtwahl ganz einfach mehr auf, weil das Verhältnis nicht ausgeglichen ist. Die Anzahl der verfügbaren Frauen ist ja offensichtlich wesentlich geringer. Vielleicht setzen Frauen aber auch ganz einfach andere Prioritäten. Beruf, oder Politik und Familie ist immer eine grosse Doppelbelastung. Ein Regierungsamt lässt wenig Spielraum für die Familie.

zentralplus: Liegt es etwa daran, dass Männer in Zug immer noch Frauen daran hindern, etwa Regierungsrätin zu werden, oder wollen Zuger Frauen selbst nicht wirklich Regierungsrätin werden? Oder behindern sich Frauen womöglich gegenseitig in ihrer politischen Karriere?

Schwerzmann: Ich glaube nicht, dass Männer die Frauen daran hindern, ein politisches Amt zu bekleiden. Auf jeden Fall habe ich diese Erfahrung in meiner 20-jährigen politischen Zeit nie gemacht. Ob sich Frauen gegenseitig behindern? Eine Gegenfrage: Tun das Männer in einem gewissen Masse nicht auch? Hat man ja gesagt zu einer Kandidatur, dann möchte man ja auch gewählt werden und man bemüht sich diese Wahlen auch zu gewinnen. Jeder tut das auf seine Art. Es entscheiden aber letztlich die Wählerinnen und die Wähler.

zentralplus: Wie haben Sie es denn eigentlich geschafft, Zuger Regierungsrätin zu werden?

«Niemand nimmt in der Politik Rücksicht darauf, dass man eine Frau ist! Hier gilt die Gleichberechtigung.»

Schwerzmann: Diese Frage müssten Sie meinen Wählerinnen und Wählern stellen. Ich war vor meiner Kandidatur Kantonsratspräsidentin und somit eher bekannt. Vielleicht stand ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Ruth Schwerzmann überlebte das Zuger Attentat 2001

Die Freisinnige Ruth Schwerzmann, die 1947 geboren wurde,  war von 1995 bis 2002 als Finanzdirektorin im Zuger Regierungsrat. Zuvor war die Baarerin von 1983 bis 1994 FDP-Kantonsrätin, dabei von 1992 bis 1994 als erste Frau Kantonsratspräsidentin. Den schlimmsten Moment ihrer Regierungszeit erlebte die Zuger Politikerin beim Zuger Attentat am 27. September 2001: Von der ganzen Regierung haben damals nur Robert Bisig und sie selbst den Angriff körperlich unbeschadet überstanden. Heute lebt Ruth Schwerzmann in der Bretagne.

zentralplus: Was müssen Frauen aus Ihrer Sicht beachten, wenn Sie politische Karriere machen wollen?

Schwerzmann: Man muss sich bewusst sein, dass man eine öffentliche Person wird. Das gilt aber für beide Geschlechter. Ebenso sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man Familie und Privatleben, wie gesagt, hinten an stellen muss. Die Doppelbelastung ist sehr gross. Und eines darf man nie erwarten: Niemand nimmt in der Politik Rücksicht darauf, dass man eine Frau ist! Hier gilt die Gleichberechtigung. Trotz allem bleibt die politische Arbeit interessant und faszinierend.

zentralplus: Wird Zug in der Politik immer noch von Männern dominiert?

Schwerzmann: Solange die Männer in der Mehrzahl sind – logischerweise ja.

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