Rumänische Pianistin stahl der Sinfonietta fast die Show
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Die rumänische Pianistin Alexandra Dariescu war der Star der Vorstellung. (Bild: Patrick Hürlimann)

Zuger Sinfonietta: Mozart zum Muttertag Rumänische Pianistin stahl der Sinfonietta fast die Show

3 min Lesezeit 2 Kommentare 15.05.2017, 13:49 Uhr

Am Sonntag wurden die Mütter gefeiert und beschenkt. Die Zuger Sinfonietta tat dies zusammen mit der rumänischen Pianistin Alexandra Dariescu und dem neuen Chefdirigenten Daniel Huppert. Dabei hat sich die Sinfonietta beinahe selbst ins Abseits gedrängt. 

Die Zuger Sinfonietta, dirigiert von Daniel Huppert, feierten mit den Zuschauern den Muttertag. Begleitet wurden sie von Alexandra Dariescu am Flügel. Gespielt wurden, wie könnte es anders sein, Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, neben Igor Strawinsky und Béla Bartók.

Alexandra Dariescu begeisterte Mütter und Kinder

Das Spiel der jungen rumänischen Pianistin Alexandra Dariescu dominierte die Vorstellung. Sie trat zwar nur im ersten Teil der Vorstellung auf, konnte jedoch mit Mozarts Konzert für Klavier Nr. 27 in B-Dur das Publikum begeistern. Die sympathische Ausstrahlung der Solistin erfasste auch die Zuschauer. Ihr virtuoses Spiel in Verbindung mit ihrer erfrischenden Leichtigkeit verzauberte den Saal. Die Geschwindigkeit, mit der ihre Finger die Tasten fanden, die Emotionalität der einzelnen Anschläge – nie daneben, nie zu viel oder zu wenig – war beeindruckend. Sie vermochte sich mit jeder Berührung des Elfenbeins auszudrücken, ihren Gefühlen einen Ton zuzuordnen, welcher den Raum erhellte.

Es war denn auch nicht verwunderlich, dass nach dem Auftritt Dariescus und der anschliessenden Pause nicht mehr alle Zuschauer den Weg zu ihrem Sitzplatz fanden. Ein nicht unerheblicher Teil des Publikums verliess das Geschehen in der Pause. Wobei die Zuger Sinfonietta noch nicht am Ende war. Zu Beginn des zweiten Teils, beim Divertimento von Bartók, wirkte das Orchester, als sei die Luft nun auch bei ihnen raus.

Ein nicht unerheblicher Teil des Publikums verliess das Geschehen in der Pause

Es lohnte sich aber dennoch, nach der Pause zurückzukommen. Bei der Sinfonie Nr. 33 in B-Dur von Mozart liefen die Musiker nochmals zur Höchstform auf und meisterten das Stück bravourös. Die Reaktionen des Publikums blieben hier denn auch nicht aus und der Applaus zum Ende war fast stärker als das Lob, welches die Solistin vor der Pause einheimste.

Es war ein Anlass für Mütter und ihre Kinder, so war auch das Publikum entsprechend durchmischt. Sogar die Jüngsten wirkten in gewissen Momenten vom Geschehen gebannt und genossen das melodische Schaffen auf der Bühne.

Leider: Sinfonietta ordnete sich unter

Bedauerlicherweise war das ganze Konzert auf den Auftritt Dariescus ausgerichtet – natürlich war sie auch der Star des Abends. Die Sinfonietta hat sich jedoch selbst etwas ins Abseits gedrängt und untergeordnet. Schon alleine, wie der Flügel der Solistin auf der Bühne positioniert wurde – nicht wie gewöhnlich vorne an der Seite der Bühne, sondern direkt vor dem Dirigenten –, deutete schon auf das Bevorstehende hin. Es ist so auch verständlich, dass sich das Orchester nach der Pause erst wieder fangen musste. Dies glückte jedoch, der Abschluss der letzten Sinfonie war eine schöne Überraschung.

Schenkt Kultur zum Muttertag – es lohnt sich!

Ein Tipp für all diejenigen, welche nicht immer nur Blumen als Geschenk überreichen wollen: Schenkt Kultur zum Muttertag, es lohnt sich und kann doch auch bei einem kleinen Orchester zu einer grossen Erfahrung werden.

Korrigenda: Dass ein erheblicher Teil des Publikums nach der Pause das Konzert verliess, stimmt gemäss mehreren Besuchern nicht. Wir entschuldigen uns für diese Aussage. 

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2 Kommentare
  1. Stefan [email protected], 20.05.2017, 21:23 Uhr

    Zuerst einmal, herzlichen Dank Herr Schär für ihre treffenden Worte. Weiter sollte sich Herr Kurzen wirklich besser auf seine Kernkompetenzen konzentrieren – es wäre allen sehr gedient. Und drittens, stimmt es nicht, dass nach der Pause weniger Zuhörer im Saal anwesend waren – ich war persönlich dort und habe nachgezählt!
    Über das Konzert und über die Musiker hat sich Hr. Schär bereits positiv geäussert. Ich kann dies nur unterstützen. Der Flügel ist traditionell in dieser Konstellation immer mittig auf der Bühne – unerheblich aber, weil die Qualität der Darbietung von sämtlichen Beteiligten herausragend war. Und bezüglich der künftigen Betätigungen von Herrn Kurzen kann ich mich dem Herrn Schär ebenfalls anschliessen – probieren Sie es doch einfach etwas sportlicher!

  2. Benz H.R. Schär, 18.05.2017, 10:29 Uhr

    Dass heute die Qualität der Musikkritik oft Wünsche offen lässt, ist bekannt. Simon Kurzen hätte es nicht ein weiteres Mal belegen müssen.
    Gewiss, die Pianistin Alexandra Dariescu spielte hervorragend. Aber dass «ihre Finger» auch in schnellen Passagen nicht nur «das Elfenbein» (!), sondern sogar «die (richtigen) Tasten fanden» und «nie daneben» tappten – muss es speziell hervorgehoben werden? Dass die junge Pianistin eine sympathische Ausstrahlung hatte, ist gewiss erfreulich, aber was sagt es über den Kern ihrer musikalischen Leistung? «Stahl» die Solistin der Zuger Sinfonietta wirklich «die Show», wo doch das Orchester sie vor allem differenziert und lebendig begleiten sollte und das glücklicherweise (nicht: «leider»!) auch getan hat.
    Und schliesslich: Was sollen in einer Konzertkritik abgegriffene Wendungen, die wir aus der Sportwelt kennen: das Orchester sei «ins Abseits gedrängt» worden, sei aber in der zweiten Halbzeit doch noch «zur Höchstform aufgelaufen».
    Ich hätte der Pianistin und der Sinfonietta eine verständigere Kritik gegönnt. Sie hätten es mehr als verdient. Dem Rezensenten aber würde ich raten, es doch mal im Ressort «Sport» zu versuchen.

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