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Rüstiges Altersheim sucht begeisterten Zwischennutzer
  • Gesellschaft
Atelier mit Aussicht: Aus den Zimmern sieht man über den Zugersee. (Bild: fam )

Eine Chance für Zuger Künstler Rüstiges Altersheim sucht begeisterten Zwischennutzer

4 min Lesezeit 09.07.2014, 05:55 Uhr

Eigentlich ist alles da: Das Haus am Zugerberg steht leer, die Besitzerin ist einverstanden, die Interessengemeinschaft Waldheim schon fast gegründet. Es fehlt nur noch jemand, der das Ganze in die Hand nimmt. «Es ist eine fantastische Chance», sagt die Frau mit der zündenden Idee.

Für die momentanen Bewohner des Hauses Waldheim ist es schon beschlossene Sache: «Ah, da kommen ja dann die Künstler, nach uns», sagt eine Mitarbeiterin des Wohn- und Werkheims Schmetterling, das im Altersheim untergebracht war. Das Wohnheim zieht per nächste Woche aus der ehemaligen Altersresidenz Waldheim aus.

Aber was dann mit dem Gebäude passieren soll, das ist bisher erst eine grandiose Idee: Ateliers, Bandräume, Kunstperformances, Künstler-Residenzen, Cafés und / oder Gesamtkunstwerke, sie alle sollen im Gebäude und seinen vielen Räume verwirklicht werden, geht es nach der losen Gruppierung «Interessengemeinschaft Waldheim». «Es ist eine geniale Chance», sagt die Zuger Fotografin Michaela Eicher, welche die Idee mit der Zwischennutzung hatte. Und die ist nicht einfach aus der Luft gegriffen: Denn die Besitzerin, die Stiftung Alterszentren Zug, soll an einer Zwischennutzung interessiert sein.

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Jetzt sind Interessenten gesucht

Ein grosses Haus am Zugerberg, Räume mit Sicht auf den See, mit Balkonen und Rauchverboten und Bad und Küche, plus eine wohlgesinnte Besitzerin: Beste Zutaten für eine angehende Zwischennutzung. Nur ein Projektleiter fehlt, und Begeisterte, die mitmachen und sich einquartieren wollen, und die Stadt Zug könnte um einen kreativen Werkort wie das Neubad in Luzern oder das alte Zuger Kantonsspital reicher sein. Deshalb sind jetzt Interessenten gesucht. Und einige gibt es schon, Künstler, die eine Residenz für andere Künstler einrichten wollen, junge Kunststudenten aus der ganzen Welt. Oder solche, die die Fassade als Kunstfläche nutzen möchten, die Räume für Foto-Ausstellungen oder als Ateliers. «Ich stelle mir vor, wie sich die KünstlerInnen gegenseitig vernetzen und inspirieren würden. Und wie so neue Ideen und Projekte entstehen könnten», sagt die Zuger Künstlerin Sabine de Spindler.

«Dafür fehlt mir die nötige Zeit»

Das fabelhafte Projekt würde auf einen Schlag mit der viel zitierten Zuger Platznot im künstlerischen Bereich aufräumen. Würde, wenn es denn auf Echo stösst: «Wir machen das nur, wenn es auch wirklich ein Bedürfnis gibt», sagt Eicher, «nicht, um uns selber zu verwirklichen.» «Wir», das ist die IG Waldheim, sie besteht allerdings erst aus einigen zugeneigten Künstlern wie der Zugerin Sabine de Spindler und der Fotografin Michaela Eicher, die aber beide nicht die Führung übernehmen wollen: «Dafür fehlt mir die nötige Zeit», sagt de Spindler. Was fehlt, ist jemand, der das Projekt in die Hand nimmt. «Ich kann das nicht machen», sagt Eicher, «ich habe dafür schlicht keine Kapazität. Und es braucht eine grosse Gruppe, die das Ganze organisiert. Denn da gibt es keine Möbel, keine Küchengeräte, irgendwer muss die Miete zusammenbekommen.»

 

Das blaue Zimmer: Die Räume wirken zwar gebraucht, aber liessen sich gut als Atelier oder Bandraum einrichten.

Das blaue Zimmer: Die Räume wirken zwar gebraucht, aber liessen sich gut als Atelier oder Bandraum einrichten.

(Bild: fam)

Die Räume würde die Stiftung gratis überlassen, «aber die Unterhaltskosten sind halt gross, weil das Haus so riesig ist», sagt Eicher. Ateliers oder Bandräume sollten um 200 Franken vermietet werden können, zumindest ist das der vorläufige Plan. Konkreter kann die IG Waldheim noch nicht werden. Dafür ist sie schlicht zu dünn aufgestellt.

Atelier mit Aussicht: Aus den Zimmern sieht man über den Zugersee.

Atelier mit Aussicht: Aus den Zimmern sieht man über den Zugersee.

(Bild: fam)

«Wir finden das Projekt sehr gut»

Die Chance besteht, das Haus ist da, gesucht ist jemand, der das Ganze anpackt. Keine übliche Situation im engen Zug. Umso spannender, was daraus wird. Wird sich eine Zwischennutzung aus sich selber heraus etablieren können? Und wenn nein, ist die Geschichte vom künstlerischen Platzmangel schlicht überholt? Eicher und de Spindler schwanken offenbar zwischen Begeisterung und Überforderung, aber sie bekommen zumindest organisatorische Unterstützung von der Stadt: Jacqueline Falk, die Kulturbeauftragte der Stadt Zug, sucht auf der Facebook-Seite der Stadt Interessenten für die IG Waldheim. «Wir finden das Projekt sehr gut und unterstützen die Bildung einer Trägerschaft auf jeden Fall», sagt Falk. «Aber es braucht eine stabile Trägerschaft. Das Waldheim ist eine fantastische Chance, jetzt müssen die Initianten noch etwas kreativ werden. Ich bin aber sehr zuversichtlich», sagt sie und ergänzt: «Sie kriegen das Haus schon voll.»

 
 

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